"Gelber Engel" auf Achse

GROSSLITTGEN. Rund 1700 Pannenhelfer des ADAC sind täglich auf Achse, um gestrandeten Autofahrern zu helfen. Einer dieser "Gelben Engel" in der Region ist Manfred Plein, der jetzt sein 30-jähriges Dienstjubiläum feiert.

Wem ist das noch nicht passiert? Man setzt sich morgens in sein Auto, möchte zur Arbeit fahren, dreht den Zündschlüssel herum - und was macht das Auto? Außer ein paar hässlichen Geräuschen nichts. Wohl dem, der dann Mitglied im ADAC, dem größten Automobilclub Deutschlands, ist. Über das Handy sechsmal die zwei gewählt und innerhalb kurzer Zeit rollt ein gelbes Auto um die Ecke, es kommt Hilfe.Traumberuf Pannenhelfer

Einer, der solch ein gelbes Auto seit 30 Jahren steuert, ist Manfred Plein aus Großlittgen. Gemeinsam mit elf Kollegen, von denen jeder ein eigenes Pannenfahrzeug fährt, betreut er die Region zwischen Prüm und dem Hunsrück. Bitburg, Wittlich, Trier und die Mosel stehen regelmäßig auf seinem Navigationsbildschirm, über den er seine Einsatzaufträge bekommt. Für den gelernten Kfz-Mechaniker ist der Job als Pannenhelfer ein Traumberuf. "Das ist ein Job, der mich immer noch fasziniert", sagt Plein. Täglich neue Herausforderungen, der Umgang mit immer anderen Menschen und natürlich das stetige Erfolgserlebnis, geholfen zu haben, seien die positiven Seiten seiner Arbeit. Natürlich, wo Licht ist, ist auch Schatten. Der häufige Schichtwechsel, kurzfristige Einsätze oft bis spät in die Nacht, die Arbeit an Weihnachten, Silvester, dreimal im Monat Wochenenddienst. Pleins Ehefrau trägt das mit Humor. "Da muss ich eben abends auch schon mal alleine weggehen", sagt sie lachend. Es scheint zu funktionieren, die Pleins sind seit 32 Jahren glücklich verheiratet. Manfred Plein liebt die Abwechslung. Früher hat er nicht nur Pannenhilfe in der Region geleistet, sondern war auch im Rückholdienst des ADAC aktiv. Da galt es schon mal Auto und Urlauber aus Irland oder Marokko zurückzuholen. "Ich war manchmal fünf Tage unterwegs, um ein Auto zu holen", erzählt Plein und zählt die Länder auf, in denen er unterwegs war. Heute hat der ADAC diese Leistung extern abgegeben, bedauert Plein. Aber abwechslungsreich ist sein Job immer noch. Auch wenn sich die Hauptursachen der Pannen wiederholen. Meist sind es defekte oder entladene Batterien, Reifen- oder Auspuffschäden, es gilt Autotüren zu öffnen oder leere Tanks aufzufüllen. Gefahren am Straßenrand

Aber die Menschen, die dahinter stünden, seien eben auch jedes mal anders, sagt Plein. Meist froh, dass ihnen geholfen werde, aber manchmal auch aufgebracht oder verzweifelt. "Einer war mal so wütend auf sein Auto, dass er sogar Beulen ins Dach geschlagen hat", wundert sich Manfred Plein. In solchen Situationen muss sich der Pannenhelfer dann erst mal als Seelsorger und Psychologe bewähren. Nicht ungefährlich ist sein Job. Vor vielen Jahren stand der Pannenhelfer zwischen seinem und einem liegen gebliebenen Auto auf dem Standstreifen der Autobahn. Er befestigte gerade das Abschleppseil als ein drittes Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit auf das Hintere auffuhr. Doch der gelbe Engel hatte einen Schutzengel. In hohem Bogen wurde er zwischen den Autos heraus in den Graben katapultiert. Der Rettungshubschrauber brachte ihn in die Klinik, die Diagnose: lediglich eine Gehirnerschütterung und Prellungen. "Ich hätte platt sein können wie eine Zeitung", sagt Plein heute. Zum Glück überwiegen aber die heiteren Erlebnisse. Wie zum Beispiel der mitsamt dem Autoschlüssel im Auto eingeschlossene Hund, der partout mit seinen Pfoten verhindern wollte, dass der Pannenhelfer mit einem Draht von außen die Türe öffnet. Oder das in vergleichbarer Situation mit dem Autoschlüssel winkende Kleinkind im Kindersitz. Trotz 30 Jahren Berufserfahrung gibt es eben immer wieder Neues. Das ist das, was Manfred Plein an seinem Job so liebt.

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