Gemeinde Irsch bewirbt sich um Zuschüsse für autonom fahrende Kleinbusse

Mobilität : Ohne Fahrer unterwegs – Irsch bewirbt sich um Zuschüsse für selbst fahrende Kleinbusse

Irsch bewirbt sich um ein Kleinbussystem, People Mover genannt, das Bürger in autonom fahrenden Mobilen nach Saarburg und zurück bringen soll. Zur Finanzierung hofft die Gemeinde auf hohe Bundeszuschüsse.

Wozu die Fastnacht nicht alles gut sein kann. Sie könnte Irsch zu einem Vorreiter in Sachen Mobilität der Zukunft machen. Wie beides zusammenhängt, erklärt der Irscher Ortsbürgermeister Jürgen Haag: „Die Karnevalsgesellschaft Närrisches Saarschiff hat für ihr Begegnungshaus Forum Humorum Zuschussmittel bekommen. Bei der Übergabe haben wir zufällig von dem LandMobil-Projekt erfahren“, informiert Haag in der ersten Arbeitssitzung des neu gewählten Ortsgemeinderats. Bewusst habe man das Thema aus dem Wahlkampf herausgehalten. Kreis und Verbandsgemeinde seien aber informiert gewesen.

Es geht darum, selbst fahrende Kleinbusse einzuführen, die insbesondere ältere Menschen von A nach B bringen könnten. Haag verteilt den Ratsmitgliedern Pläne, wo ein Fuhrpark für solche autonom fahrenden Busse eingerichtet werden könnte und welche Strecken die sogenannten People Mover befahren könnten. „Vorbild ist Bad Birnbach in Bayern, wo ein solches Fahrzeug bereits im Einsatz ist, allerdings nur über eine Strecke von 1,3 Kilometern“, erklärt der Ortschef.

Von Irsch aus könnten mit den People Movern das Saarburger Schulzentrum und der Bahnhof fahrplanunabhängig vor allem für Menschen erreichbar sein, die kein Auto haben oder nicht mehr Auto fahren können. Sogar Schoden und Zerf rücken bereits für einen Anschluss ins Blickfeld. Ein erster Antrag, der noch bis Mitte September  – vor allem bei der Finanzierung – verfeinert werden muss, ist gestellt. Haag sagt: „Wenn das klappt, sind wir eine von 44 Gemeinden in ganz Deutschland, in denen das eingeführt wird.“

Mit dem Modell- und Demonstrationsvorhaben „LandMobil – unterwegs in ländlichen Räumen“ unterstützt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft beispielhafte Projekte, die geeignet sind, die Mobilität der Menschen in den ländlichen Räumen zu verbessern. Die Gemeinde Irsch rechnet mit rund 200 000 Euro Gesamtkosten für die Einführung der Kleinbusse und hat bei einer Förderquote von 90 Prozent Zuschüsse in Höhe von 180 000 Euro beantragt. Parallel will sich die Gemeinde den Sachverstand der Verbandsgemeinde, von Hochschulen und Herstellerfirmen sichern. „Letztere könnten doch Irsch kostengünstig Fahrzeuge zur Verfügung stellen, um sie in der Praxis zu testen“, wünscht sich der Ortschef.

Dass die Umsetzung begleitet werden muss, zeigt allein die Tatsache, dass es nicht nur ums Geld geht, sondern auch um Akzeptanz und Schwellenangst, vor allem bei älteren Menschen. Mobilität unter Beachtung ökologischer Aspekte soll zu einem Bewusstseinswandel führen.

Die 1550 Einwohner können zurzeit nur auf einen wenig ausgebauten öffentlichen Personennahverkehr zurückgreifen. Hinzu kommt das demografische Problem mit 400 Menschen, die 70 Jahre und älter sind. Das autonom fahrende Kleinbus-System soll an allen Wochentagen von montags bis freitags von 5 bis 22 Uhr, samstags von 8 bis 20 Uhr und sonntags von 10 bis 20 Uhr für Jung und Alt Abhilfe schaffen. Gerade für ältere Menschen, die im neu entstehenden Wohnpark noch dazu kommen, wäre es jedoch eine Umstellung. Denn anzufordern sind die Fahrzeuge nur per App auf dem Smartphone.

„Es könnten auch neue Arbeitsplätze für die Pflege der Fahrzeuge oder Betreuung der Fahrgäste entstehen“, sagt der Irscher Ortschef. Ein neuer Fuhrparkpavillon müsste errichtet und die Trasse des vorhandenen Wirtschaftsweges mit Induktionsschleifen und Beleuchtung ausgestattet werden.

„Das Thema ist in aller Munde“, stellt Helmut Steuer (CDU) fest. Er findet das System gut, denn jeder werde ja immer älter und immobiler. „Das ist Werbung für uns und zukunftsweisend“, freut sich Manfred Kurz (FWG). Jetzt soll eine Arbeitsgruppe aus allen Fraktionen gebildet werden, die bei der Umsetzung beratend mithilft. Jürgen Haag findet: „Selbst wenn es nicht klappt, haben wir es wenigstens versucht.“

Mehr von Volksfreund