Gemeinde Irsch macht Gas aus Gras

Gemeinde Irsch macht Gas aus Gras

Nachdem die Gemeinde Irsch entschieden hat, im Neubaugebiet "Ober Gebert" ein Nahwärmenetz aufzubauen, will sie nun noch einen Schritt weitergehen: Der Brennstoff, mit dem das Netz betrieben wird, soll gewissermaßen aus eigenem Anbau kommen. Eine Biogasanlage soll ihn liefern.

Irsch. Es war zweifellos Idealismus im Spiel, als die Gemeinde Irsch beschlossen hat, im Neubaugebiet "Ober Gebert" ein Nahwärmenetz aufzubauen. Immerhin hatte sie den Bauherren damit die Entscheidung für jeweils individuelle Heizsysteme abgenommen, fordern doch die Stadtwerke Trier (SWT) als Betreiber des Netzes einen Anschlusszwang für alle gemeindeeigenen Grundstücke. Andernorts schreckte diese Regelung ab, etwa in Merzkirchen, wo ebenfalls ein Neubaugebiet entstehen soll - ohne Nahwärme.

Landwirte aus dem Umland sollen Gras und Mais liefern



Ein Hauptargument für Nahwärme, mit dem die SWT werben, ist die bessere Ausnutzung der eingesetzten Brennstoffe und damit eine umweltschonendere Energiegewinnung. So soll in Irsch ein mit Gas betriebenes Blockheizkraftwerk (BHKW) Strom erzeugen, der verkauft wird, und gleichzeitig Warm- sowie Heizwasser liefern, das durch isolierte Leitungen zu den Häusern gelangt. Nun will die Gemeinde noch weitergehen: Das Gas, mit dem das BHKW im Baugebiet "Ober Gebert" betrieben wird, soll gewissermaßen aus eigener Produktion aus einer Biogasanlage kommen, die Gras und Mais von Landwirten aus dem Umland verarbeitet. Um das zu realisieren, haben sich die Irscher die Hamburger Epuron GmbH ins Boot geholt. Die Firma ist spezialisiert auf Strom- und Wärmegewinnungs-Anlagen, die sich auf erneuerbare Energien (Wind, Wasserkraft, Sonne, Biomasse) stützen.

In der jüngsten Gemeinderatssitzung stellte Epuron-Projektentwickler Felix Theopold das Biogas-Konzept für Irsch vor. Danach soll am Ortsrand auf einem Wiesengelände im Bezirk "Auf der Spein" eine 1,6 Hektar große Biogas-Produktionsstätte gebaut werden. "Die Randlage ist wichtig, da die Herstellung von Biogas nicht unmittelbar an der Wohnbebauung stattfinden darf", erklärt Theopold. Hinzu komme die verkehrsgünstige Lage auf der Spein. Von dort soll das Gas durch eine rund zwei Kilometer lange Leitung in den Ort gepumpt werden.

Nachdem sich die Gemeinde grundsätzlich für das Vorhaben ausgesprochen hat, sollen nun Gespräche mit Landwirten aus der Umgebung geführt werden, die die Anlage - sollte sie gebaut werden - beliefern könnten. Später soll ein Bebauungsplan die rechtlichen Voraussetzungen schaffen. Finanziert und betrieben werden soll die Biogasanlage von Epuron. Ein Liefervertrag mit den Stadtwerken soll die Versorgung des Nahwärmenetzes regeln.

Extra Biogas ist ein brennbares Gas, das bei der Vergärung von Biomasse (etwa Gras oder Mais) entsteht. Es enthält neben anderen Bestandteilen vor allem Methan, das in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) verbrannt werden kann. Biogas zählt - da es aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen wird - neben Wasserkraft, Wind und Strom aus Photovoltaik anlagen zu den sogenannten erneuerbaren Energien. (hpü)