Gemeinde Neuhütten beschließt im Doppelhaushalt Projekte zur Dorfentwicklung.

Kommunalpolitik : Großes Engagement – kleine Kapitaldecke

Neuhütten kommt an Investitionen nicht vorbei – für die positive Dorfentwicklung wie als Nationalparkgemeinde.

Der Haushaltsplan für 2019 und 2020 sorgt für betroffene Mienen im Neuhüttener Ortsgemeinderat. Das Thema habe ihnen Sorgen bereitet, kommentierte Ortsbürgermeister Peter Koltes, der erst seit Juli im Amt ist. Denn wohl schon 2023 wird Neuhüttens Eigenkapital aufgebraucht sein. Errechnet wird es in kommunalen Haushalten aus Vermögenswerten wie Gebäuden oder Gemeindewald abzüglich Schulden. Ende 2020 sind es voraussichtlich nur noch 365 000 Euro – bei Schulden von 1,4 Millionen Euro, davon 473 000 Euro für Investitionskredite.

Dennoch muss die Gemeinde weiterhin investieren. So etwa in die Zweckverbands-Kindertagesstätte im Ort. 2020 sollen dort für 33 000 Euro die Toiletten saniert werden, wofür der Haushalt insgesamt 38 048 Euro vorsieht. 

Kaum aufschiebbar sind auch je 15 000 Euro für ein Urnenbaumgrabfeld in Neuhütten und Mobiliar fürs Bürgerhaus Muhl, die neue Nationalpark-Service-Station. Und mit 5000 Euro Planungskosten in 2020 für den Ausbau der Landesstraßen-Ortsdurchfahrt aus Richtung Züsch kündigen sich weitere dringende Investitionen an. Hinzu kommen Ausgaben wie 10 000 Euro für Dorferneuerungskonzepte und 2500 Euro für drei Vereine, Kulturträger des Dorfes. 7000 Euro für den Bebauungsplan Nationalparkcamp Muhl werden von einer „fast vollständigen Förderung“ abhängig gemacht.

Weitere Anregungen für die Ortsentwicklung erhofft sich der Rat von Dorferneuerungskonzepten. Zwei Kaiserslauterner Fachbüros präsentierten erste Ideen, die mit Fördergeld – für die Gemeinde wie für private Eigentümer – realisiert werden könnten. Julia Kaiser, Büro Stadtgespräch, sieht für Neuhütten Potential im Dorfplatz, einer bisher kaum genutzten Grünfläche. Fürs Bürgerhaus ist sie gespannt auf Anregungen, was sich dort verbessern ließe. Ihre Ansätze basieren auf Eindrücken einer Ortsbegehung und Erhebungen von Dorfmoderatorin Beate Stoff. Für Muhl, wo ein Sanierungsgebiet ausgewiesen wird, sieht Planer Hans-Jürgen Wolf, Büro Wolf, dank noch erhaltener ursprünglicher Bauweisen gute Gestaltungsmöglichkeiten.

Wegen eines Standortnachtteils, insbesondere von Muhl, hofft die Gemeinde auf die Telekom-Aktion „Wir jagen Funklöcher“. Die erforderliche Bewerbung beschloss der Rat ebenso einstimmig wie den Haushalt und die Besetzung von Ausschüssen. In dem Ausschuss für Jugend wie in dem für „Dorfentwicklung und Nationalpark“ wollen sich Rats- und Nicht-Ratsmitglieder gemeinsam engagieren.

Über den aktuellen Stand in Sachen Außengebietsentwässerung informierte Alexandra Thömmes, Dorfbegleiterin auch für Züsch. Ihren Recherchen nach scheint es doch noch Hoffnung zu geben, dass auch der zweite Bauabschnitt realisiert werden kann. Die „Wege des Wassers“ sind mit insgesamt zehn Stationen, darunter ein Gewässer-Spielplatz, geplant. Die Entscheidung des Landes, nur noch Hochwasserschutzkonzepte zu fördern, bremste das Projekt 2018 aus. Unabhängig davon ergaben sich laut Thömmes aus einer Bürgerbefragung anlässlich einer Veranstaltung viele Anregungen – auch für die Dorferneuerung. Leider habe sich aber keine Verstärkung für das Vierer-Team des Bürgerbüros gefunden.

Nachgerückt im Rat ist für den verstorbenen Udo Schirra der zweite Beigeordnete Hartmut Hoffmann aus Muhl. Wie berichtet, wurde er in der konstituierenden Sitzung ohne Ratsmandat einstimmig gewählt. Eingangs der Sitzung würdigte Koltes zudem die Leistung seines Vorgängers Peter Kretz und die der neun mit ihm ausgeschiedenen Ratsmitglieder.

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