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Gemeinde Reinsfeld hat neue Hausaufgaben zum Gewerbepark vor sich

Einwände zum Großprojekt ausgewertet : Beim Gewerbepark muss die Gemeinde Reinsfeld noch Hausaufgaben erledigen

Welche Einwände von Behörden und Nachbarn gibt es gegen das geplante Reinsfelder Gewerbegebiet? Darüber hat der Gemeinderat diskutiert. Nach einem Hinweis von Archäologen steht fest: Eine weitere Untersuchung ist nötig.

In unmittelbarer Nähe zur Autobahn A 1 plant die Gemeinde Reinsfeld ein Gewerbe- und Industriegebiet. Seit Mitte März steht der Entwurf eines Bebauungsplans für das etwa zehn Hektar große Gelände zwischen der L 151 und der Hunsrückhöhenstraße B 407 (siehe Grafik). Der Reinsfelder Gemeinderat hat sich vor kurzem mit den Einwänden befasst, die Behörden und Nachbarkommunen im Rahmen ihrer frühzeitigen Beteiligung übermittelt haben. Das Ergebnis: Es kommen noch weitere Hausaufgaben auf die Reinsfelder zu.

Die Einwände Andreas Heinke vom Ingenieurbüro Paulus & Partner aus Wadern stellte dem Rat die Stellungnahmen vor. Der Großteil davon beinhalte keine Bedenken gegen das Projekt, sagte Heinke. Aus manchen ergebe sich jedoch Handlungsbedarf. So habe die Landwirtschaftskammer auf einen Feldweg hingewiesen, der wegen des Gewerbe- und Industrieparks Hochwald künftig wegfalle. Die in der Umgebung tätigen Landwirte müssten dadurch Umwege in Kauf nehmen. Der Rat entschied daraufhin einstimmig, eine alternative Route für die Landwirte auszubauen.

Die Gewerbeaufsicht in Trier teilte mit, dass im geplanten Windpark bei Reinsfeld inzwischen Windräder beantragt seien. Deren Auswirkung sei im vorgelegten Schallgutachten zum Gewerbepark noch nicht berücksichtigt. Das Gutachten müsse daher angepasst werden.

Ein weiterer Hinweis kam von der Generaldirektion Kulturelles Erbe. Wie Ortsbürgermeister Uwe Roßmann (SPD) berichtete, gibt es im Gewerbepark-Areal zehn „Verdachtsflächen“, wo archäologische Funde möglich wären. Bevor dort also der erste Bagger anrolle, müsse der Boden untersucht werden mittels einer geophysikalischen Prospektion. Dabei würden wie bei einem Bodenradar die obersten Erdschichten durchleuchtet, erläuterte Planer Heinke. Falls man etwas aufspüre, werde dann intensiver gesucht – was das Projekt verzögern würde. Ein Nebeneffekt: Auch Kampfmittel unter der Erde wie Weltkriegsbomben würden so aufgespürt. Die Verwaltung in Hermeskeil hat bereits vier Firmen kontaktiert. Die mit dem günstigsten Angebot könnte für etwa 9500 Euro ab dem 11. November die Untersuchung starten. „Wir haben keine andere Wahl“, erklärte der Ortschef. Der Rat stimmte dem Auftrag zu.

Tags zuvor hatte der Stadtrat Hermeskeil über seine Stellungnahme beraten und trotz grundsätzlicher Zustimmung zwei Anregungen übermittelt. Dabei ging es um die Entfernung von 500 Metern zum Hermeskeiler Stadtteil Höfchen, die aus Lärmschutzgründen als zu gering betrachtet wurde. Der zweite Kritikpunkt war die geplante Zufahrt über die B 407, durch die der Ruwer-Hochwald-Radweg „zerschnitten“ werde. Nach Meinung einiger Stadtpolitiker wäre eine Zufahrt über die L 151 besser und sinnvoller. Zu Punkt eins verwies Planer Heinke auf das Schallgutachten, das die Nähe zu Höfchen einbezogen habe. Zur Zufahrt sagte der Ortschef, dass der Landesbetrieb Mobilität diese Alternative vor Jahren verworfen habe: „Wir werden den LBM nicht dazu bewegen, diese Meinung zu ändern.“

Offene Fragen Laut Roßmann wird für den Gewerbepark mit einem Gesamtkostenvolumen von fünf Millionen Euro gerechnet. Damit lägen auch die Kosten für die Detailplanung so hoch, dass möglicherweise ein europaweites Ausschreibungsverfahren erforderlich sei. Der EU-Schwellenwert für die Erschließungsplanung liegt bei 221 000 Euro. Ob diese Schwelle eventuell durch eine Aufteilung in Gewerke unterschritten werden könne, müsse die Verwaltung noch prüfen. „Das muss rechtlich sauber sein, weil ja auch Fördermittel des Landes für die Erschließung in Aussicht gestellt sind“, sagte Friedbert Knop von der VG-Verwaltung.

Unklar ist nach wie vor die Finanzierung des Projekts. Laut Roßmann hat die Kreisverwaltung Trier-Saarburg Bedenken, dass sich die Gemeinde Reinsfeld damit übernehmen könnte. Der Kreis lehne bisher die Genehmigung von Krediten ab. Der Kreis habe ein abschnittweises Vorgehen angeregt. Die Ratsmitglieder waren sich schnell einig, dass dies nicht wirtschaftlich wäre. Selbst bei einer Teilerschließung würden laut dem VG-Werkleiter Andreas Schmitt bereits rund drei Viertel der Kosten anfallen. Stefanie Schömer, Wirtschaftsfördererin der VG, schätzte das Risiko als gering ein, dass die Gemeinde auf den Flächen sitzenbleiben könnte. Im Kreis gebe es nur noch sehr wenige verfügbare Gewerbeflächen. Die Verkehrsanbindung in Reinsfeld sei ideal, der Quadratmeterpreis für die Grundstücke liege vermutlich „in der Region im Mittelfeld“. Der Rat beschloss, sich möglichst im November um ein Gespräch im Kreishaus gemeinsam mit den Wirtschaftsförderungsexperten von Kreis und VG zu bemühen.