Gemeinde Taben feiert 1250 Jahre Überführung des heiligen Quiriakus

Kirche : Großes Fest für den Patron der Kinder

Vor 1250 Jahren erhielt die Kirchengemeinde in Taben einen für sie besonderen Schatz: die Gebeine des heiligen Quiriakus. Der Ort profitierte davon. In Trier war man hingegen froh, die Knochen los zu sein.

Als die Gebeine des Heiligen Quiriakus 769 nach Taben überfuhrt wurden, kam nicht nur ein Schutzpatron in den Ort an der Saar. Die außergewöhnlichen Knochen hatten auch wirtschaftliche Bedeutung. Der Taben-Rodter Bernd Heinz, der sich intensiv mit dem Lokalheiligen beschäftigt und auch ein Buch (siehe unten) geschrieben hat, sagt: „Ohne die Gebeine wäre vermutlich die Propstey in Taben nicht entstanden. Und die Propstey war ein starker Wirtschaftsfaktor.“ Die Mönche hätten Land an die Bauern verpachtet und darauf geachtet, dass keine Missstände entstanden seien.

Taben wurde durch Quiriakus auch zum Pilgerort. Im 10. Jahrhundert ordnete Erzbischof Egbert von Trier für fast fast 30 Pfarreien aus dem Raum zwischen Saar und Mosel eine jährliche Wallfahrt nach Taben an. Bis Ende des 18. Jahrhunderts pilgerten die Gläubigen dorthin. Geblieben ist davon die jährliche Prozession. Zum 1250sten Jahrestag der Überführung der Gebeine wird dieses Ritual  besonders feierlich begangen unter anderem mit einem 100-köpfigen Chor (siehe Info).

Wer war Quiriakus? Quiriakus stammt der Überlieferung nach aus Aquitanien, einer Region im Südwesten von Frankreich. Zum Studium kam er im vierten Jahrhundert zusammen mit Maximinus aus Poitiers nach Trier. Der heilige Agritius hat ihn dort zum Priester geweiht. Als nach Agritius Quiriakus` Freund Maximin 330 Bischof wurde, ernannte dieser ihn zu seinem besonderen Helfer in Seelsorgsaufgaben. Quiriakus  kümmerte sich um die Armen, Hilflosen und Kinder. Dies tat er mit so viel Hingabe, dass schließlich die Menschen in allen Nöten seine Hilfe suchten.

Der Vorplatz der Taben-Rodter Kirche vor der Sanierung für 93 000 Euro. Er wird am Sonntag eingeweiht. Foto: TV/Bernd Heinz

Doch hatte Quiriakus offensichtlich auch Neider. Sie sollen ihn beim Bischof angeschwärzt haben. Sie warfen ihm vor, nachts „mit verrufenen Weibern Umgang zu pflegen“. Dabei waren Quiriakus’ nächtliche Ausflüge ganz anderer Art. Er verehrte die Trierer Heiligen und besuchte die Grüfte, in denen sie beigesetzt waren, um dort zu beten. Kurzzeitig entband der Bischof ihn aufgrund der Vorwürfe von seinen Aufgaben, bis laut Überlieferung ein Engel für Aufklärung sorgte.

Der Vorplatz der Kirche St. Quiriacus und Auctor in Taben-Rodt nach der Sanierung für 93.000 Euro. Foto: TV/Bernd Heinz

Quiriakus starb am 6. März 350 in Trier und wurde bei der Maximinkirche in Trier begraben. Viele Kinder und Kranke kamen zu seinem Grab und sollen durch seine Fürbitte Hilfe gefunden haben. Quiriakus ist Schutzpatron der Kinder oder auch Patron gegen Kinderkrankheiten.

Wieso kamen die Gebeine nach Taben? Auch der Frankenkönig Pippin brachte 768 seinen kranken Enkel Kunibert zum Grab des heiligen Quiriakus. Der Enkel wurde geheilt. Pippin bedankte sich, indem er dem Abt des Klosters Sankt Maximin die Königshöfe Taben und Remich schenkte. Und da sich die Mönche von Maximin, eine der einflussreichsten Abteien des Abendlandes im Mittelalter, angeblich durch die vielen Menschen, die zum Grab des heiligen Quiriakus kamen, gestört fühlten, wurde ein Teil der Gebeine 769 nach Taben verlegt. Zuvor wurde die Propstey (eine Propstei ist ein Kloster, dem ein Propst vorsteht) in Taben als Niederlassung von St. Maximin errichtet.

Was über die Knochen bekannt ist Wenn von den Gebeinen des Quiriakus in Taben die Rede ist, ist damit nur ein Teil der Knochen gemeint. Denn 1674 wurde laut Aufzeichnungen die Hälfte des Leibes nebst Asche im Sarg bei Sankt Maximin in Trier gefunden. In Taben wurden die Gebeine jahrhundertelang nicht im Kloster, sondern in der gemeindeeigenen Pfarrkirche aufbewahrt. Zwischendrin gehörte die Kirche auch einige Zeit der Trierer Abtei St. Maximin. Vor den Wirren des Napoleonischen Krieges wurde der Marmorsarkophag mit den Gebeinen versteckt und erst 1833 wiederentdeckt. Bis dahin soll niemand den Sarg geöffnet haben. 1890 wurden die Gebeine gerichtsmedizinisch untersucht und katalogisiert. Gefunden wurden demnach Bein- und Armknochen, Teile der Hüfte, Stücke einer Rippe und kleinere unbestimmbare Knochenreste. Seit dieser Untersuchung werden die Knochen in einem damals angefertigten, kunstvoll gestalteten Holzschrein aufbewahrt.

Reliquien auch heute gefragt Für Dechant Klaus Feid, seit 23 Jahren Pastor in Taben, ist Quiriakus ein „Mann, der uns auch heute noch viel zu sagen hat“, gerade weil er sich für die Notleidenden eingesetzt hat. Feid erinnert sich daran, dass er zwei Mal den Schrein des Heiligen in der Vergangenheit geöffnet hat, um Reliquien (Stücke der Gebeine) zu entnehmen. Er sagt: „Das ist eine hochoffizielle Sache, das geht nur auf Weisung des Bischofs. Danach wurde der Schrein wieder versiegelt.“ Einmal habe es Anfragen von den Pfarrgemeinden Merzig-Mechern (ebenfalls St. Quiriakus), Beckingen und Wallerfangen gegeben. Zum anderen habe Bischof Ackermann eine Reliquie für seine Hauskapelle erhalten.

Noch ein Heiliger Das kleine Taben – heute hat der Ort Taben-Rodt  790 Einwohner – beherbergt die Gebeine eines zweiten Heiligen: Auctor. Dieser schlägt sich auch im Namen der  Kirche im Ort nieder (St. Quiriakus und Auctor). 1833 hat der damalige Pastor den Schrein mit dem vollständigen Skelett entdeckt, das sich mindestens seit 1070 unter dem Altar befand. Er war in Trier wohl ein Bischof vermutlich in dem Rang eines Weihbischofs. Bernd Heinz sagt: „Um ihn ist es eher ruhig. Er wird nicht so beachtet.“

Die Infos im Text stammen aus dem Buch „Die Kirche des Heiligen Quiriakus in Taben-Rodt“ von Pastor Hermann Josef Liell, das Bernd Heinz überarbeitet und um die „Die Tabener Kirchengeschichte des 19., 20. und 21. Jahrhundert“ ergänzt hat.

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