Gemeinden wollen Tourismuskonzept ausbauen

Gemeinden wollen Tourismuskonzept ausbauen

Vom Ausstieg des Kreises Trier-Saarburg aus diversen Touristik-Organisationen ist auch der Verein "Erholungsgebiet Hochwald" betroffen. Ihm fehlen durch diese Kündigung künftig pro Jahr 28 000 Euro in der Kasse. Die verbleibenden Mitgliedsgemeinden wollen den Verein, der sich zum Beispiel um die Pflege der Wanderwege kümmert, aber unbedingt am Leben erhalten.

Hermeskeil/Kell/Waldrach. Die schriftliche Kündigung zum 1. Januar 2012 liegt dem Verein "Erholungsgebiet Hochwald" schon vor. Der verschuldete Kreis Trier-Saarburg wird ab diesem Termin kein Mitglied mehr im 1967 gegründeten Verein sein. Das hat der Kreistag kürzlich beschlossen (der TV berichtete). "Wir bedauern diese Entscheidung, haben aber Verständnis dafür, dass der Kreis sparen muss. Jetzt stellt sich die Frage, wie es weitergehen soll. Der Verein übernimmt ja wichtige Aufgaben, die wir dauerhaft sichern müssen." Das sagt Werner Angsten. Der Keller Bürgermeister führt die Geschäfte des Vereins, der für ein 390 Quadratkilometer großes Gebiet in den Verbandsgemeinden (VG) Hermeskeil und Kell sowie Teilen der VG Ruwer zuständig ist. Der Verein ist unter anderem für die Pflege und Unterhaltung des Ruwer-Hochwald-Radwegs und des Saar-Hunsrück-Steigs mit den Traumschleifen zuständig. Dabei ist es vor allem ein Mann, der dem Verein sein Gesicht gibt und diese Aufgaben erfüllt: Seit 1999 ist der Rascheider Andreas Ludwig Wegewart des Vereins. Seine Arbeit wird den VG-Chefs hoch gelobt: "Er ist unverzichtbar", sagt Bernhard Busch (Ruwer). Als "Glücksfall für den Verein" bezeichnet ihn Angsten. Michael Hülpes (Hermeskeil) sagt: "Er muss uns unbedingt erhalten bleiben."
Doch wegen der Entscheidung des Kreises gibt es nun ein finanzielles Problem. Für das laufende Geschäft hatte der Verein bisher ein jährliches Budget von 64 000 Euro. In diesem Betrag sind neben den Geräte- auch die Lohnkosten Ludwigs enthalten. Da nun aber mit dem Kreis der größte Beitragszahler austritt, fehlen 28 000 Euro in der Kasse. Einig sind sich alle Rathaus-Chefs darin, dass diese Lücke geschlossen werden soll, damit man Ludwig zum Jahresende nicht entlassen muss. Die Keller Geschäftsstelle hat bereits ein neues Verteilungsmodell ausgearbeitet, mit dem die Verbandsgemeinden durch höhere Beitragszahlungen den Ausfall des Kreises ausgleichen können (siehe Extra). "Wir sind dazu bereit, unseren Ansatz aufzustocken", sagt Busch dem TV.
Angsten bezeichnet diesen Vorschlag jedoch nur als "Übergangslösung. Wir sollten die Gelegenheit beim Schopfe packen und darüber nachdenken, wie wir den Fremdenverkehr im Hochwald neu organisieren können." Hülpes sieht das genau so: "Für Urlauber spielen VG-Grenzen doch überhaupt keine Rolle." Angsten und Hülpes halten einen alle drei Verbandsgemeinde übergreifenden Touristikverein oder eine Touristikgesellschaft weiterhin für sinnvoll. Hülpes verweist als Vorbild auf die Saar-Obermosel-Touristik, unter deren Dach die VG Konz und die VG Saarburg gemeinsame Sache machen. "Diese Idee sollte man nicht verwerfen. Es ist aber so, dass wir ein Zeitproblem haben. Bis Ende 2011 werden wir keine neue touristische Organisationsform hinbekommen", sagt Busch. In der VG Ruwer kommt zudem erschwerend hinzu, dass ihre Orte teils im Hochwald, teils im Ruwertal liegen und daher touristisch in zwei verschiedene Richtungen orientiert sind. Bei einem Spitzengespräch am 9. August wollen die drei Bürgermeister über das weitere Vorgehen reden.
Dem Verein Erholungsgebiet Hochwald gehören drei VG, 35 Ortsgemeinden und 50 private Mitglieder - etwa Gastronomen - an. Bisher hat der Kreis bei einem jährlichen Gesamtbudget von 64 000 Euro einen Betrag von 28 038 Euro gezahlt. Die VG Kell steuert 4000 Euro bei, die VG Hermeskeil 3600 Euro und die VG Ruwer 2200 Euro. Die 35 Ortsgemeinden zahlen insgesamt 20 600 Euro. Vorgeschlagen wird, den Beitrag der drei VG von 0,25 auf 0,96 Euro pro Hektar zu erhöhen. Kell müsste dann 15 377 Euro, Hermeskeil 13 966 Euro und Ruwer 8568 Euro zahlen. ax

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