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Gemeinderat einstimmig für Windenergie

Gemeinderat einstimmig für Windenergie

Mit einem einvernehmlichen Grundsatzbeschluss hat sich der Rascheider Gemeinderat für die Errichtung von Windkraftanlagen auf eigener Gemarkung ausgesprochen. Allerdings ist derzeit ungewiss, ob dieser Wunsch Erfolgsaussichten hat.

Rascheid. In Rascheid weht ein frischer Wind. Und das nicht erst seit der Landtagswahl, bei der gut 20 Prozent der Wähler den Grünen ihre Stimme gaben. Dass die Gemeinde von Windrädern umzingelt ist, selbst aber nicht zu den Nutznießern zählt, ist schon länger Thema im Ort. Schließlich können Standortgemeinden jährlich über bis zu 30 000 Euro Pachteinnahmen verfügen. Der Gemeinderat hat sich daher in seiner jüngsten Sitzung einstimmig für die Errichtung von Windrädern ausgesprochen.

Ob der Grundsatzbeschluss, den gut 20 anwesende Bürger mit Applaus kommentierten, realisiert werden kann, bleibt abzuwarten. Denn noch gilt die Hürde des Raumordnungsplans (siehe Extra). Die starren Ziele sind jedoch umstritten, so dass ab 2014 ein anderer Wind wehen könnte. Um dann nicht von vorneherein abgehängt zu sein, bekunden derzeit etliche Kommunen ihr generelles Interesse.

Optimale Standorte in Rascheid wären laut Ortsbürgermeister Andreas Ludwig an den Windpark von Reinsfeld und Hinzert-Pölert (siehe Extra) angrenzende Flächen. Nahe der Autobahn seien auch keine Probleme wie durch Lärm, Schattenwurf oder ein beeinträchtigtes Landschaftsbild zu befürchten. Die Gemeinderatsmitglieder stimmten dem zu. Die Stromkabel für die sich jetzt dort drehenden Räder seien ja ohnehin auf Rascheider Gemarkung verlegt, sagte Frank Lorscheider. Unabhängig davon lobte er die aktuellen "Solidarpakt"-Bemühungen der Verbandsgemeinde Hermeskeil. Angedacht ist, dass Windkraftgemeinden einen Teil ihrer Pachteinnahmen anderen Gemeinden zur Verfügung stellen. "Das ist das Vernünftigste, was ich seit langem gehört habe", begrüßte Lorscheider das Ende "dieses Krieges auf VG-Ebene".

Rascheider Rat will nicht warten



Bürgermeister Michael Hülpes hofft, dass Standortgemeinden 15 bis 20 Prozent ihrer Pachteinnahmen abgeben. Nutznießer soll nicht die Verbandsgemeinde sein, sondern Orte, die aufgrund ihrer Lage keine Anlagen errichten können. Der Rascheider Rat will jedoch nicht abwarten, ob ein solcher Topf eingerichtet wird. Noch sei das ja nicht beschlossen, gab die erste Beigeordnete Martina Eiden-Marx zu bedenken.

Hülpes erinnerte auch an die Beweggründe des vor Jahren in Rascheid bekundeten Neins zur Windkraft. Damals habe der Schutz des Waldes im Vordergrund gestanden.

Das Argument ist heute wegen der höheren Anlagen kaum mehr von Bedeutung. Gemeindechef Ludwig hatte mit beraten. "Damals war das etwas ganz anderes." Als Beispiel nannte er die dem Rat zur Verfügung gestellten Informationen "zum Ablehnen". So seien Flächen am Sportplatz als einzig mögliche Variante vorgestellt worden - eine Alternative, von der sich der Rat auch heute mit Blick auf das Landschaftsbild distanziert.

Umdenken hat stattgefunden



Hülpes räumte ein, dass nicht erst seit der Reaktorkatastrophe in Japan und der jüngsten Landtagswahl die Sichtweise eine andere sei. Es habe ein Umdenken stattgefunden. Man wolle regenerative Energien nutzen und vorhandene Potenziale ausschöpfen. Außerdem sei es für die Kommunen wichtig, "Einnahmequellen auszuschöpfen". Dem Rascheider Rat, der die VG beauftragte, die erforderlichen Schritte wie die Änderung des Flächennutzungsplanes zu ergreifen, versicherte er: "Wenn sie das haben wollen, werden wir das versuchen."

HINTERGRUND RAUMORDNUNGSPLAN



In der Verbandsgemeinde Hermeskeil drehen sich derzeit 19 Windräder in Reinsfeld, Hinzert-Pölert, Bescheid und Naurath. Reinsfeld will weitere Anlagen errichten. Nachdem Beuren seit Jahren erfolglos für Anlagen kämpft, haben sich inzwischen auch Grimburg und Gusenburg dafür ausgesprochen. Selbst im bisher ablehnend eingestellten Hermeskeil gibt es Überlegungen für das Kasernengelände. Die Genehmigung obliegt der Planungsgemeinschaft Region Trier, die für die Kreise Trier-Saarburg, Bernkastel-Wittlich, Bitburg-Prüm und Vulkaneifel und die Stadt Trier die planungsrechtliche Hoheit hat. Sie erstellt den Regionalen Raumordnungsplan, den sie auch kontinuierlich fortschreibt. Der aktuelle Plan ist seit 2004 für die Dauer von zehn Jahren rechtsgültig. Der Plan legt Ziele und Grundsätze der Raumentwicklung fest. Entscheidungen trifft die Regionalvertretung aus Kreistags- und Stadtratsmitgliedern, Landräten, Bürgermeistern, Vertretern von Kammern und Verbänden. Die Trierer Geschäftsstelle der Planungsgemeinschaft ist der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (Koblenz) angegliedert. urs