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Gemeinderat Wincheringen lehnt viergeschossige Bebauung am Europaplatz ab

Kommunalpolitik : Keine viergeschossigen Gebäude am Europa-Platz

Der Ortsgemeinderat Wincheringen besteht auf Einhaltung seiner Bebauungspläne. 

Der Europa-Platz wird nicht zugebaut. Bebauungspläne sollen in Wincheringen nicht durch häufige Ausnahmen aufgeweicht werden. Und Wincheringens Ortsteil Bilzingen hat mit Andreas Vallendar einen neuen stellvertretenden Ortsvorsteher. Um 21 Uhr begann der öffentliche Teil der Sitzung des Ortsgemeinderats Wincheringen. Da steckten den Ratsmitgliedern schon 90 Minuten Diskussion im nichtöffentlichen Teil in den Knochen, wo es unter anderem um Grundstücksangelegenheiten ging.

Bauen, Bebauungspläne und das zukünftige Erscheinungsbild Wincheringens waren dann auch die wichtigsten Themen in der öffentlichen Sitzung. Zunächst noch ganz allgemein unter dem Stichwort „Aufbau sorgender Ortsgemeinschaften“. Damit sind insbesondere soziale Projekte gemeint, bei denen es um Mobilität, Gesundheit und Steigerung der Attraktivität des Dorflebens geht, um dem demografischen Wandel entgegenzuwirken.

Mit dem demografischen Wandel ist in der Regel verbunden, dass die jungen Menschen fortziehen in die Städte und das Dorfleben Stück für Stück verödet. In den Ortskernen herrscht dann Leerstand von Häusern, und die Infrastruktur (Läden, ärztliche Versorgung) wird schlechter.

In Wincheringen sieht die Situation nach Einschätzung des Ortsgemeinderats aber so aus, dass das starke Bevölkerungswachstum eher ein Problem in Bezug auf den sozialen Zusammenhalt im Dorf sei. „Viele der Neubürger wollten sich gar nicht in Vereinen organisieren und das Dorfleben prägen, da sie einen anderen Lebensentwurf hätten“, war eine Analyse.

Da das zwar großzügig geförderte Projekt „Aufbau sorgender Ortsgemeinschaften“ – angesetzt sind 160 000 Euro für fünf Jahre, der Wincheringer Eigenanteil läge bei etwa  3 500 Euro – viel Engagement verlange und die Zielrichtung in einigen Teilen an der Wincheringer Realität vorbeiliefe, konnte sich der Rat nicht zu einem Beschluss pro oder contra Teilnahme an dem Projekt entscheiden. Ortsbürgermeister Elmar Schömann machte auch deutlich, dass er sich nicht maßgeblich an der Arbeit beteiligen könne, die eine erfolgreiche Mitwirkung an dem Aufbau sorgender Dorfgemeinschaften mit sich bringen würde. Spontan erklärte sich auch kein weiteres Ratsmitglied bereit, die Arbeit zu übernehmen – die Folge: Wiedervorlage in einer der nächsten Sitzungen.

Bei den weiteren Tagesordnungspunkten ging es dann um konkrete Baumaßnahmen. Zunächst vermeldete Schömann, dass die Planungsbehörden SGD Nord und die Kreisverwaltung keine Einwände gegen den Standort eines geplanten großflächigen Supermarkts unterhalb des Europa-Platzes hätten. Das interkommunale Einzelhandelskonzept, das Wincheringen und Nittel zur Zusammenarbeit verpflichte, wurde um die Ausweisung der Fläche ergänzt. Jetzt muss der Ortsgemeinderat Nittel zustimmen, was aber eine Formsache sei, denn er hatte sich die Zustimmung zu den eigenen Plänen für eine Supermarktansiedlung und die notwenige Zustimmung durch Wincheringen damit „erkauft“, dass man Wincheringen zusicherte, bei der Ausweisung von geeigneten Flächen keinen Widerspruch einzulegen.

Plänen eines Investors, am Europa-Platz auf der zum Tal offenen Seite vierstöckige Gebäude mit einer Tiefgarage zu errichten, in denen 48 Wohneinheiten und drei Gewerbeeinheiten untergebracht werden sollen, erteilte der Rat eine deutliche Absage (zehn zu drei Stimmen). Der Bebauungsplan sähe maximal drei Geschosse vor. Außerdem solle eine Bebauung keine Abschottung des Platzes zur Aussicht ins Moseltal mit sich bringen.

Weitere Ablehnungen von Bauanträgen, bei denen eine Abweichung vom gültigen Bebauungsplan die Begründung war, betrafen einen Treppenhausturm bei einem Neubau in der Frankfurter Allee und den Bau eines Sichtschutzzaunes. Der Zaun sei zu hoch, außerdem wären in dem betreffenden Gebiet überhaupt keine Sichtschutzzäune zugelassen. Die Zustimmung des Nachbarn fiele da nicht ins Gewicht.

Zustimmung gab es dagegen bei der Erweiterung einer Garage, wenn auch nur knapp (neun Stimmen dafür, fünf dagegen) und der Erhöhung einer Traufhöhe um einen halben Meter, um eine Sichtblende für eine Photovoltaik-Anlage zu ermöglichen.