Gemeinderat Zerf strebt neues Bauland in Oberzerf an

Dorfentwicklung : Gemeinderat strebt neues Baugebiet in Oberzerf an

Die Zerfer Lokalpolitiker sind sich einig, dass im Ort dringend weiteres Bauland geschaffen werden muss. Was der beste Standort dafür wäre, dazu gab es unterschiedliche Meinungen.

Die Nachfrage nach Baugrundstücken in Zerf ist groß. Nach drei Jahren seien so gut wie alle Bauplätze am Sonnenhang vergeben und bebaut, berichtete Ortsbürgermeister Rainer Hansen (CDU) im Gemeinderat. Im August sei daher die Entscheidung gefallen, ein weiteres Gebiet anzupacken.

Als Standort wählte eine Ratsmehrheit am Donnerstagabend den Bereich Langfuhr im Ortsteil Oberzerf aus (siehe Grafik). Dem ging eine längere Diskussion voraus. Der Ortschef hatte zunächst erklärt, dass der Bau- und der Entwicklungsausschuss sich auf die Untersuchung von zwei Optionen verständigt hätten: „Schulstraße III“ oberhalb des Sonnenhangs und Langfuhr in Oberzerf. Nach Prüfung der Werke könnten beide Gebiete zum Bauland werden. Die Hanglage im Bereich Schulstraße sei jedoch kritisch zu sehen. Steile Böschungen könnten bei Starkregen Probleme bereiten.

Leobert Bodem erklärte, die CDU-Fraktion habe zentrale Faktoren wie eine günstige Ver- und Entsorgung des Gebiets, die verkehrliche Erschließung, den möglichen Grundstückspreis und das weitere Entwicklungspotenzial gegeneinander abgewogen. Der Bereich Langfuhr habe sich als „bessere, günstigere Variante“ durchgesetzt. Die Gemeinde sei nun „zum schnellen Handeln gezwungen“. Damit spielte Bodem auf eine Sonderregelung im Baugesetzbuch (Paragraf 13b) an. Diese ermöglicht es den Gemeinden, in einem beschleunigten Verfahren Baugebiete an ihren Ortsrändern zu schaffen. Allerdings muss der Beschluss dazu bis Jahresende veröffentlicht sein.

In Oberzerf in einem Bereich zwischen den Bundesstraßen B407 und B268 will die Gemeinde Zerf ein Neubaugebiet entwickeln. Foto: TV/Schramm, Johannes

Laut Jürgen Dixius, Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Saarburg-Kell, ist die Amtsblatt-Ausgabe vom 13. Dezember dafür die letzte Möglichkeit. Vorher müsse die Verwaltung noch einige Arbeit leisten. Der VG-Chef appellierte an den Zerfer Rat, wie andere VG-Orte diese Chance zu nutzen. Zerf werde davon profitieren, dass in Zukunft Oberzentren wie Trier und Gemeinden an der Luxemburger Grenze den Bedarf an Bauland womöglich nicht decken könnten.

Michael Finkler (Neue Liste) kritisierte das Vorgehen von CDU und Gemeinsam für Zerf (GfZ). In den Ausschüssen seien zwar Argumente benannt worden. Man habe sie aber nie wirklich gegenübergestellt und gewichtet. Finkler brachte als drittes Gebiet „Auf Triesch“ oberhalb der Trierer Straße ins Spiel. Er verteilte den Ratsmitgliedern und einem Dutzend Zuhörer eine von ihm gefertigte Liste. Darauf hatte er für alle drei Gebiete Kriterien wie Lage, Erschließbarkeit, Entwicklungspotenzial und derzeitige Nutzung mit Punkten von eins (sehr schlecht) bis fünf (sehr gut) bewertet. Der „Triesch“ schnitt dabei am besten ab. Er habe versucht, „objektiv an die Sache ranzugehen“, betonte Finkler. Bislang seien zum „Triesch“ viele „schwache Argumente“ genannt worden – wie eine zu schmale Zufahrt oder die Feuchtigkeit des Gebiets –, die zu widerlegen oder zu lösen seien. Zudem könnten dort weitere Flächen einbezogen werden, die für ein Senioren-Wohnprojekt reserviert waren (siehe Info). Der Bereich Langfuhr, ergänzte Finkler, liege an zwei Bundesstraßen: „Das bedeutet Lärm.“

Unterstützung kam von der SPD. Karl Ewald Burg sagte, für den „Triesch“ gebe es schon eine Planung. Angesichts des Zeitdrucks könne man dieses Gebiet wohl am ehesten rechtzeitig umsetzen. Johannes Bustert (CDU) und Theo Hasse (GfZ) warnten dagegen vor Schwierigkeiten bei der Entwässerung. Um diese zu regeln, müsse man einen Teil der Trierer Straße „noch mal aufreißen und neu verrohren“, sagte Hasse. Die Gewerbetreibenden hätten aber nach drei Jahren Sperrung für den Ausbau der Straße „die Schnauze voll“, erklärte Hasse und nannte Finklers Liste „subjektiv“. Zwar gebe es auch zur Langfuhr Negatives zu sagen, „aber das ist beherrschbar“. Dort sei eine verkehrliche Erschließung über die Bundesstraßen möglich, ohne den Ort zu belasten, ergänzte Ortschef Hansen. Der Lärm-Aspekt sei „technisch in den Griff zu kriegen“.

Michael Finkler beantragte, das Gebiet „Auf Triesch“ weiterzuverfolgen. Theo Hasse forderte, dies abzulehnen. Letzterem Vorschlag folgte der Rat bei vier Nein-Stimmen. Das Abstimmungsergebnis zur Langfuhr lautete: zehn Ja, drei Nein, eine Enthaltung. 

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