Gemeinsam gegen das Vergessen

Für eine verbesserte Kooperation in der gemeinsamen Gedenkstätten- und Erinnerungsarbeit in der Großregion haben sich die Mitglieder des Interregionalen Parlamentarierrates und Fachleute in ihrer Sitzung am gestrigen Freitag in der Gedenkstätte Hinzert ausgesprochen. Gedenken dürfe nicht allein dem Staat überlassen bleiben.

Hinzert-Pölert. Unter dem Vorsitz des Landtagsabgeordneten Dieter Burgard befasste sich die Runde an historischer Stätte des ehemaligen KZ Hinzert erstmals mit der Verbesserung der grenzüberschreitenden Gedenkstätten- und Erinnerungsarbeit. Man will mehr Initiative privater Gruppen fördern und vor allem mehr Lehrerfortbildung anstreben.

Zunächst erläuterte jedoch der Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, Dieter Schiffmann, die "Funktion" des ehemaligen KZ Hinzert und die Besonderheiten der Gedenkstätte mit preisgekrönter Architektur. "Wir wollen hier ein besonderes Erbe sensibel vermitteln", sagte Schiffmann und schlug sogleich ein Partnerschaftsabkommen für die Gedenkstätten in der Großregion vor.

"Unser friedliches Europa hat eine Geschichte der Schlachtfelder", bedauerte Dieter Burgard in seiner Begrüßung. Bis heute seien noch nicht alle Verbrecher zur Rechenschaft gezogen worden. Neue Schilder werden auf der Autobahn auf die Gedenkstätte Hinzert aufmerksam machen.

Paul Dostert von Dokumentationszentrum für den luxemburgischen Widerstand stellte fest: "Die Hauptleidensorte liegen in der Großregion".

Der Präsident des Komitees zur Erinnerung an den Widerstand in Luxemburg, Albert Hansen, sprach sich dafür aus, die Schulen stärker in die Erinnerungsarbeit einzuspannen und dafür auch die Lehrerausbildung zu verbessern. "In Luxemburg wird da schon viel getan", stellte dazu der luxemburger Zwangsarbeitsforscher Steve Kayser fest.

Charles Goerens von der Luxemburger Abgeordnetenkammer meinte ebenfalls: "Lehrpläne dürfen nicht neutral bleiben". In vielen Geschichtsbüchern stünden unhaltbare Tatsachen. Seine Befürchtung: "1929 gab es schon einmal eine Wirtschaftskrise, nach der die Situation mit demokratischen Mitteln eskalierte." Gabi Borst vom Kultusministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens zeigte auf, was in Belgien schon alles angeboten wird. Valérie Drechsler vom französischen Verteidigungsministerium findet: "Gedenken sollte keine Grenzen haben" und hob die Möglichkeiten des Internets mit vielsprachiger Übersetzung hervor.

Burkhard Jellonek von der saarländischen Landeszentrale für politische Bildung ist dafür, die Jugend mit neuen Zugängen für dieses Thema zu begeistern, etwa mit einem digitalen Gedenkstättenführer.

Léon Walry vom Wallonischen Parlament schlug einen "Weg der Erinnerung" vor, der in das touristische Angebot integriert ist. Walry sprach sich auch für eine "Pflicht zum Gedenken" und ein Gesamtverzeichnis der Gedenkstätten aus. Angesichts von immer weniger Zeitzeugen müsse man aufpassen, dass es nicht zu einem "geschichtlichen Alzheimer" kommt.

Jetzt wird eine Beschlussempfehlung für die IPR- Plenarsitzung am 5. Dezember in Luxemburg erstellt. Von dort sollen weitere grenzüberschreitende Impulse für die Gedenk- und Erinnerungsarbeit in der Großregion ausgehen. Extra Der Interregionale Parlamentarier- Rat (IPR) mit 50 Mitgliedern wurde 1986 gegründet. Er ist die beratende parlamentarische Versammlung der Großregion Saarland-Lothringen-Luxemburg-Rheinland-Pfalz- Wallonien, Französische und Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens. Ziel ist die Entwicklung langfristiger Perspektiven der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.

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