Gemeinsam gegen die Angst

Dialog statt Angst: Darum geht es bei den Interkulturellen Wochen in Konz. Vom 7. September bis zum 28. Oktober sind insgesamt 14 Vorträge, Lesungen, Märchenstunden und andere Veranstaltungen geplant. Zurzeit sei dieses Engagement wichtiger denn je, meint Thomas Zuche vom Interkulturellen Netzwerk Konz.

Konz. "Unser Ziel ist eine Stadt, in der jeder ohne Angst verschieden sein kann." Dominik Schnith zitiert den berühmten deutschen Philosophen Theodor W. Adorno, um zu zeigen, was das Interkulturelle Netzwerk (IN) Konz erreichen will. Für den großen deutschen Denker war die Freiheit von Angst das Ideal einer emanzipierten Gesellschaft. Ein Ideal, von dem Konz zurzeit weit entfernt zu sein scheint. Dafür sprechen zumindest die Vorfälle der vergangenen Monate, in denen mutmaßlich rechte Aktivisten bei mehreren Aktionen islamfeindliche Parolen per Graffiti, Banner oder Aufkleber verbreitet haben (der TV berichtete). Der negative Höhepunkt: Unbekannte bewarfen Anfang August die Albukhary-Moschee in Karthaus mit Steinen. Ein Fenster wurde zerstört, die Fassade beschädigt. Auch dort vermutet die Polizei einen rechten Hintergrund. Allerdings gibt es laut Pressestelle der Polizei in Trier noch keine Spuren zu den Tätern.
Angesichts dieser Vorfälle erscheint das obengenannte Ziel des Interkulturellen Netzwerks in weiter Ferne. Doch Netzwerksprecher Thomas Zuche gibt sich kämpferisch: "Gerade die Vorfälle der vergangenen Monate zeigen, dass unser Engagement wichtiger denn je ist." Und der Zusammenschluss aus fast 20 Vereinen, Verbänden und Glaubensgemeinschaften hat für die kommenden siebeneinhalb Wochen zwischen Mittwoch, 7. September, und Freitag, 28. Oktober, 14 Veranstaltungen organisiert (siehe Hintergrund).
Hauptorganisatoren sind Thomas Zuche und Dominik Schnith vom IN Konz. Die Interkulturellen Wochen seien dabei keine Reaktion auf die Aktionen der Rechten, sagt Schnith. "Es geht darum, die Leute zusammenzubringen und ihnen die Angst zu nehmen." Dass es dreimal so viele Veranstaltungen wie im Vorjahr gebe, sei vor allem zusätzlichen Mitteln aus dem Bundesförderprogramm "Demokratie leben" zu verdanken. Dadurch könnten auch externe Autoren wie Daniel Bax nach Konz gebracht werden.
Trotz der langjährigen Erfahrung mit Integrationsarbeit in der VG Konz, die als sehr international gilt (siehe Extra), sieht Schnith neue Herausforderungen durch den Zuzug der vielen Flüchtlinge. "Jahrelang haben sich die Leute nur wenige Gedanken über Integration gemacht", erläutert er. Lange habe es einen positiven Grundkonsens bei Integrationsfragen gegeben. Die Stimmungslage in der Bevölkerung habe sich aber verändert. Es kursiere Unverständnis und Angst. "Umso wichtiger ist es, im Dalog zu bleiben", hebt er die Bedeutung der Interkulturellen Wochen hervor.
Die Konzer Verwaltung unterstütze das IN bei der Veranstaltungsreihe, betont Michael Naunheim, Pressesprecher der Verwaltung. Um ausländische Bürger in der Stadt Konz kümmere sich zudem ein Beirat für Migration und Integration. Vorsitzende des Beirats ist Elena Stankevitsch. Gisela Krämer, Beauftragte für Migration und Integration des Kreises Trier-Saarburg, komme ebenfalls aus Konz. An jedem ersten Montag im Monat von 15 bis 16 Uhr berät sie Menschen in Sachen Integration.Extra

Interkultureller Frauentreff: Mittwoch, 7. September, 9.45 Uhr, Konzer-Doktor-Bürgersaal, Veranstalter: Frauentreff Konz, Infos: www.frauentreff-konz.comInterkulturelles Frühstück: Montag, 14. September, 9 Uhr, Pfarrheim St. Nikolaus, Veranstalter: Gisela Krämer, Migrationsbeauftragte des Kreises Trier-Saarburg, und interkulturelle Fachkräfte der Konzer Kindertagesstätten. Spielenachmittag (Unterschiede entdecken, Gemeinsamkeiten finden): Mittwoch, 21. September, 15 Uhr, Konstantinstraße 50, Veranstalter: Sozialraumzentrum Konz. Schnupperabend zu Integrationslotsen: Donnerstag, 22. September, 19.30 Uhr, Caritas-Beratungsstelle für Flüchtlinge, Beethovengalerie, Veranstalter: Thomas Zuche, Ehrenamtskoordinator der Caritas in der VG Konz, und katholisches Dekanat Konz-Saarburg. Internationales Frauenfest: Samstag, 24. September, 19 Uhr, Bürgerhaus Konz-Krettnach, Veranstalter: Beirat für Migration und Integration, Iris Molter-Abel (Gleichstellungsbeauftragte der VG Konz). "Migrationshintergrund her - und zwar für alle" - Lesung/Kabarett mit Werner Felten (Konz/Berlin): Dienstag, 27. September, Kleiner Saal im Kloster Karthaus, Veranstalter: Caritasverband, Interkulturelles Netzwerk Konz. Tag der offenen Moschee: Konz hat gleich zwei islamische Gebetsräume, weil es eine arabische und eine türkische Gemeinde gibt. Am Montag, 3. Oktober, öffnet sowohl die arabische Albukhary-Moschee, Brunostraße 93, von 11 bis 12.30 Uhr, des Islamischen Vereins Konz als auch die Haci-Bayram-Moschee, Dammstraße 2, 14 bis 18 Uhr, der Türkisch-Islamischen Gemeinde ihre Türen für Besucher. Interreligiöses Friedensgebet: Montag, 3. Oktober, 18 Uhr, Marktplatz Konz, Veranstalter Christlich-Islamischer Dialog des Interkulturellen Netzwerks. Interkulturelle Lesestunde: Dienstag, 4. Oktober, 10 Uhr, Kloster Karthaus, Veranstalter: Grundschule St. Johann. Interkulturelle Märchenstunde: Dienstag, 4. Oktober, 14 Uhr, Kloster Karthaus, Veranstalter: Grundschule St. Johann, Kitas Arche Noah und St. Johann. "Für mehr Menschenwürde in der Flüchtlingsarbeit" - Vortrag von Mussié Mesghinna (Aachen): Mittwoch, 5. Oktober, 19.30 Uhr, Konzer-Doktor-Bürgersaal, Veranstalter: Caritas-Ehrenamtskoordinator Thomas Zuche, katholisches Dekanat Konz-Saarburg. Wer hat Angst ums Abendland? - Lesung mit Daniel Bax: Freitag, 7. Oktober, 19.30 Uhr, Pfarrheim St. Nikolaus, Veranstalter: Caritasverband, Interkulturelles Netzwerk Konz. Filmabend - schwarzrotgold.tv: Mittwoch, 12. Oktober, 19.30 Uhr, Kolpingheim Karthaus, Römerstraße 173, Veranstalter: Interkulturelles Netzwerk Konz, Koordinierungs- und Fachstelle der lokalen Partnerschaft für Demokratie in der VG Konz. Interkulturelle Kompetenz mit Susanne Bourgeois (Workshop): Freitag, 28. Oktober, 14 bis 20 Uhr, Kloster Karthaus, Veranstalter: Caritas-Ehrenamtskoordinator Thomas Zuche, und katholisches Dekanat Konz-Saarburg, Anmeldung per E-Mail an zuche.thomas@caritas-region-trier.de cmkExtra

12,9 Prozent der 32 488 Bürger in der Verbandsgemeinde (VG) Konz haben keinen deutschen Pass. Deutschlandweit liegt der durchschnittliche Ausländeranteil laut neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamts bei 10,5 Prozent. Die größte Gruppe Nicht-Deutscher in der VG Konz stammt aus Luxemburg (822). Danach folgen Polen (313), Franzosen (284), Syrer (234) und Türken (193). cmk