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Gemeinsam sind die Dorfbewohner stark

Gemeinsam sind die Dorfbewohner stark

Die Menschen werden immer älter, viele von ihnen aber auch im Alter immer ärmer. Deshalb kämpft der Mannebacher Ortschef Bernd Gard seit Jahren für ein effektiveres Miteinander im Dorf. In Trassem, neben Kastel-Staadt und Fisch einer von drei Modellgemeinden in der Verbandsgemeinde Saarburg, warb er leidenschaftlich für ein Projekt, das die Zukunft der Orte sichern soll.

Trassem. "Die Gesundheit gehört in die Kommune." "Bürgerpotenziale müssen geweckt werden." "Der Bürgermeister der Zukunft ist Manager für die Lebensqualität der Bürger": Mit solchen Sätzen will Bernd Gard die Menschen in den Dörfern aufrütteln. Der ehrenamtliche Beauftragte für das Saarburger Modell, ein Vorzeigeprojekt zur Zukunftssicherung der Dörfer in der Verbandsgemeinde Saarburg, hat in Trassem einem leidenschaftlichen Vortrag gehalten. So will er die Bewohner des Dorfes auf die Zukunftswerkstatt am 4. Juni vorbereiten (siehe Extra).
Dorfbewohner werden älter


Rund 40 der knapp 1200 Einwohner waren gekommen. Etwa drei Viertel von ihnen waren spontan bereit, in Arbeitsgruppen mitzuwirken. "Der Ortsgemeinderat Trassem hat einstimmig beschlossen, am Aktivierungsprogramm der Verbandsgemeinde Saarburg teilzunehmen", erklärt Ortsbürgermeister Roland Konter den Bürgern. Der Vortrag von Gard ist ein Impulsreferat, das die Problematik aufzeigt, die auf alle Dörfer zurollt: "In 20 Jahren wird die Hälfte der Trassemer über 50 Jahre alt sein, darunter viele über 80 Jahre."
Jetzt sollen die Bürger bestimmen, wie die Lebensqualität erhalten werden soll. Gard befürchtet bei der immer stärker auseinanderklaffenden Schere von Arm und Reich eine "Kernschmelze der Gesellschaft".
In einem Ausschnitt aus dem Fernsehfilm "Aufstand der Alten" wird eine "Grundversorgung" der Alten gezeigt, in einem riesigen Saal, wo alle nur noch vor sich hin vegetieren, weil die Rente nicht für eine bessere Versorgung reicht.
Bernd Gard ist der Auffassung: "Eine starke Gemeinschaft, ein gutes Miteinander ist die beste Rentenversicherung." Und: "Die Politik fährt auf Sicht. Wir sollten auf Weitsicht fahren." Mannebach hat dabei schon jahrelange Erfahrung mit dem Mobilitätsmodell, der Gesundheitshütte, Aktionen für Kinder, Seniorenbegleitern und weiteren neuen Ideen von Gard, der sich für eine umfassende psychosoziale Gesundheit von Körper, Geist und Seele ausspricht. "Wir müssen uns selbst helfen, wir schaffen das", sagt der Aktivist angesichts einer steigenden Armutsquote in Anlehnung an ein mittlerweile berühmtes Zitat der Bundeskanzlerin. Geworben wird für eine aktive Nachbarschaftshilfe, auch digital im Internet.
"Wir müssen vernetzt denken", sagt Gard und fügt hinzu: "Ein Dorf, das nicht weiß, was es will, muss nehmen, was es bekommt." Fünf Dorfberater helfen Gard mittlerweile dabei. Die Stelle einer professionellen Kraft wird ausgeschrieben. Trassem hat nach Gards Einschätzung großes Potenzial, allein schon wegen der Infrastruktur mit 150 Hotelbetten und einer grandiosen Natur ringsum.
Dabei sieht Gard das Walderlebniszentrum als ebenso wichtig an wie eine lebendige Pfarrei, und zählt spontan auch gleich ein paar Visionen auf: Musikfest, Friedensfest, neue Traditionen entwickeln. "Sie alle werden dabei gebraucht", sagt Ortschef Konter am Schluss. Vieles sei in Trassem gut, aber bei weitem nicht alles.
Extra

Am 4. Juni startet um 9.30 Uhr im Trassemer Bürgerhaus die Zukunftswerkstatt, die von Sophia Lungershausen und Bernd Gard geleitet wird. Die Diplomgeografin ist Mitglied im sechsköpfigen Dorfberaterteam. Neue Ideen zur Belebung des Dorflebens sollen dabei von den Betroffenen selbst entwickelt werden. Gard fordert: "Übernehmen Sie Verantwortung für eine starke Gemeinschaft." Bereits am 14. Mai beginnt diese Zukunftswerkstatt um 9 Uhr im Bürgerhaus Kastel-Staadt. Von der EU bekommt die Verbandsgemeinde Saarburg 120 000 Euro für das Projekt Aktive Dorfgemeinschaften. Die Stelle eines professionellen Dorfberaters wird noch ausgeschrieben. doth