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Gemeinsames Lernen nun doch möglich

Gemeinsames Lernen nun doch möglich

Überraschende Wende: Die Integrierte Gesamtschule (IGS) Hermeskeil wird nun doch Schwerpunktschule für Inklusion. Schon ab dem nächsten Schuljahr werden dort Kinder mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam lernen. Zunächst kommen ab 8. September drei Förderkinder an die IGS. Im Vorfeld dieser Entscheidung gab es zwischen dem Land und dem Kreis als Schulträger monatelang Unstimmigkeiten.

Hermeskeil. Die Auskunft von Eveline Dziendziol ist klipp und klar: "Die Hermeskeiler IGS wird Schwerpunktschule. Diese Regelung greift schon ab dem nächsten Schuljahr", sagt die Sprecherin der Aufsichts- und Diensleistungsdirektion (ADD) Trier auf TV-Anfrage. Die ADD ist die Schulaufsichtsbehörde des Landes.Damit steht fest: Künftig werden an der Bildungsstätte im Hochwald Kinder mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam unterrichtet. "Inklusion", heißt das im Fachjargon (siehe Extra).Konkret bedeutet das zunächst, so Rektorin Christa Breidert, dass ab 8. September drei Förderkinder die fünfte Klasse der IGS besuchen werden. Es sind zwei Jungen und ein Mädchen, die von der Grundschule Hermeskeil - sie ist schon seit längerem Schwerpunktschule - an die IGS wechseln. "Wir werden diese Kinder, die nicht körperlich behindert sind, auf zwei Klassen verteilen", sagt Breidert im TV-Gespräch. Damit es mit dem gemeinsamen Unterricht gut klappt, soll sich ein speziell ausgebildeter Förderlehrer intensiv um die drei Kinder kümmern. Breidert geht davon aus, dass dieser Kollege von der Martinus-Förderschule in Reinsfeld an die IGS abgeordnet wird. Beide Schulen stehen in der Trägerschaft des Kreises Trier-Saarburg.Breidert räumt offen ein, "dass wir wegen der ganzen Diskussionen nicht mehr damit gerechnet haben, dass wir nun doch so schnell als Schwerpunktschule beauftragt werden." Die Rektorin fügt jedoch gleich hinzu: "Es ist aber nicht so, dass wir darauf nicht vorbereitet wären. Uns war ja bewusst, dass diese Aufgabe irgendwann auf uns zukommen würde." Denn an Standorten, wo es wie in Hermeskeil schon eine Grundschule mit inklusivem Lernen gibt, sollte später auf einer weiterführenden Schule, gerade an einer IGS, ebenfalls ein solches Angebot bestehen. Das habe der Kreis in baulicher Hinsicht schon in Zusammenhang mit der PCB-Schadstoffsanierung berücksichtigt. Um in der Schule mehr Barrierefreiheit zu schaffen, wurde zum Beispiel ein Fahrstuhl eingebaut. Auch eine Behindertentoilette gibt es bereits.Bis vor wenigen Tagen hatten die Dinge allerdings noch ganz ausgesehen. Denn Ende März hatte das Land die vom Kreis beantragte Ausweisung der Hermeskeiler IGS als Schwerpunktschule abgelehnt. Hintergrund war ein Streit ums Geld. Der Kreis hatte verlangt, dass das Land die zusätzlichen Kosten übernimmt, die an einer Schwerpunktschule zum Beispiel für die Personalkosten der sogenannten Integrationshelfer abgelehnt. Das Bildungsministerium hatte diese Forderung aber zurückgewiesen (der TV berichtete).Bei den Verhandlungen zwischen dem Land und den kommunalen Spitzenverbänden in Rheinland-Pfalz hat es zuletzt aber eine Vereinbarung gegeben, die allerdings formell noch nicht in Kraft ist. Mainz hat angekündigt, dass es pro Jahr landesweit zehn Millionen Euro zusätzlich für die Inklusion an Schulen zur Verfügung stellen will. Davon würde der Kreis Trier-Saarburg, wo es insgesamt fünf Schwerpunktschulen gibt, 250 000 Euro erhalten. Angesichts dieser Verhandlungslage hatte der Kreistag in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, den Antrag auf Einrichtung einer Schwerpunktschule an der IGS in Hermeskeil zu erneuern. Dem hat das Land nun auch stattgegeben. Allerdings betont Landrat Günther Schartz (CDU), dass der Kreis weiterhin Wert auf eine "adäquate finanzielle Ausstattung durch das Land Wert legt. Wir gehen aber davon aus, dass die entsprechenden Mittel tatsächlich auch fließen werden". Im Interesse der Kinder sehe der Kreis "aber die Voraussetzungen zur Einrichtung einer Schwerpunktschule in Hermeskeil konkret als gegeben an und stimmt dieser umfassend zu", so Schartz abschließend.Meinung

Erfreuliche NachrichtDie Entscheidung kommt zwar reichlich kurzfristig. Nach dem vielen Hin und Her der vergangenen Monate ist es aber dennoch eine erfreuliche Nachricht, dass sich Land und Kreis geeinigt haben und damit der Weg für die Einrichtung einer Schwerpunktschule an der Hermeskeiler IGS frei ist. Denn gerade beim Thema Bildung sieht es besonders bescheiden aus, wenn ein hehres Ziel - über das sich vom Grundsatz her beide Seiten einig sind - deshalb in weite Ferne rückt, weil ums Geld geschachert wird. Nun ist dieser Streit beigelegt. Die frühere Aussage von Landrat Günther Schartz, dass "eine gute Sache wegen unklarer Vorgaben zerredet wird", hat keine Gültigkeit mehr. An der Hermeskeiler IGS lernen ab September Kinder mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam. Dem Grundsatz, gleiche Bildungschancen für alle zu schaffen, wird damit ein Stück weit mehr Genüge getan. Sicher, die Inklusion ist ein schwieriges und sensibles Thema. An Schulen, wo sie schon seit längerem praktiziert wird, sind die Erfahrungen uneinheitlich. Es kommt doch sehr auf den Einzelfall an, ob ein Förderkind im Unterricht zurechtkommt und gut in seiner Klasse integriert ist. Wie sich das in Hermeskeil entwickeln wird, kann nur die Zukunft weisen. Der Schule und vor allem den drei Förderkindern kann man aber eins wünschen: Viel Glück! a.munsteiner@volksfreund.deExtra

Die IGS Hermeskeil nimmt ab dem nächsten Schuljahr drei Förderkinder auf. TV-Foto: Axel Munsteiner

In Deutschland ist seit März 2009 die UN-Konvention bezüglich der Rechte von Menschen mit Behinderung in Kraft. Dies ist auch die Grundlage für die Veränderungen in der Schullandschaft in Rheinland-Pfalz. Der Mainzer Landtag hat vor einer Woche eine Novelle des Schulgesetzes beschlossen, die seit 1. August Gültigkeit hat. Das Gesetz schreibt den freien Willen der Eltern bei der Schulwahl fest. Sie können entscheiden, ob sie ein Kind mit Beeinträchtigungen auf eine spezielle Förderschule oder in eine der landesweit rund 260 Schwerpunktschulen schicken, wo inklusives Lernen möglich ist. Bei diesen Bildungsstätten handelt es sich um Regelschulen. Im Kreis Trier-Saarburg werden derzeit rund 500 Kinder in Förderschulen unterrichtet. Eine von ihnen ist die Martinusschule in Reinsfeld, wo knapp 120 Kinder unterrichtet werden. Kreisweit gibt es bislang vier Schwerpunktschulen. Es sind die Grundschulen Hermeskeil, Schweich und Konz St. Johann. In Konz ist auch die Realschule plus Schwerpunktschule. Letztere steht als weiterführende Schule ebenso in der Trägerschaft des Kreises wie die IGS Hermeskeil, die nun als fünfte Schwerpunktschule im Raum Trier-Saarburg hinzukommt. Die Hermeskeiler IGS besuchen rund 700 Schüler. Am 8. September starten dort 87 Fünftklässler.ax