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Genetischer Zwilling verzweifelt gesucht: Gusenburgerin leidet an Krebs und braucht Stammzellspende

Genetischer Zwilling verzweifelt gesucht: Gusenburgerin leidet an Krebs und braucht Stammzellspende

Die Diagnose Blutkrebs hat das Leben von Hedi Reinartz schlagartig verändert. Eine Stammzellspende ist für die verheiratete Mutter aus Gusenburg (Landkreis Trier-Saarburg) die einzige Überlebenschance. Bislang war die weltweite Suche nach dem genetischen Zwilling erfolglos. Eine Aktion am 21. Mai in der Grenderichhalle soll nun helfen, doch noch einen Lebensretter zu finden.

Erst vor kurzem ist Hedi Reinartz von der Sparkasse Trier in den Ruhestand verabschiedet worden. Auf ihr neues Rentnerinnen-Dasein hat sie sich gefreut. Auf Spaziergänge mit ihrem Mann und ihrem Hund Basti. Auf gemütliche Abende auf der Terrasse oder das Umdekorieren ihres Hauses in Gusenburg. Doch das alles ist jetzt schlagartig nicht mehr möglich. Im Januar kam die schockierende Diagnose: Hedi hat Blutkrebs.

"Im Dezember hatten wir ihren Geburtstag gefeiert. Da schien noch alles in Ordnung", erinnert sich Hedis Bruder, Andreas Weber. Die Diagnose habe die gesamte Familie "sehr hart getroffen". Nach mehreren Behandlungen hätten ihnen die Ärzte inzwischen klargemacht: "Hedi braucht eine Stammzell-Spende, das ist ihre einzige Chance."

Merkmale müssen exakt passen

Bislang verlief die weltweite Suche allerdings erfolglos. Denn einen passenden Spender zu finden, ist schwierig. Dafür müssen bestimmte genetische Merkmale bei Spender und Empfänger exakt übereinstimmen, die sogenannten Humanen Leukozyten Antigene (HLA). Laut Pamela Kölbl von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) in Köln gibt es jedoch etwa 13.000 verschiedene HLA-Varianten. Deshalb kämen auch Familienangehörige nur bedingt als Spender infrage: "Bei Geschwistern ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten. Aber auch hier stimmen leider oft die Gewebemerkmale nicht überein." Um für Hedi dennoch schnell ihren genetischen Zwilling zu finden, der ihr die lebensrettenden Zellen spendet, hat die Familie mit Hilfe der DKMS eine große Registrierungs-Aktion auf die Beine gestellt. Am kommenden Samstag, 21. Mai, können von 11 bis 16 Uhr in der Gusenburger Grenderichhalle Menschen ihr Blut testen und prüfen lassen, ob sie als Stammzellspender für Hedi oder auch für andere Patienten mit Blutkrebs infrage kämen. Wer sich registrieren lässt, wird in die Spenderdatei der DKMS aufgenommen (siehe Hintergrund).

Zwei DKMS-Mitarbeiter werden die Aktion begleiten. Sie stellen auch das notwendige Material für die Registrierung und weisen die ehrenamtlichen Helfer ein. Laut Hedis Tochter Angie ist die Hilfsbreitschaft groß, rund 50 Menschen werden im Einsatz sein - vom Arzt bis zum Standhelfer. "Wir verkaufen Kuchen und Getränke, damit wir etwas Geld beisteuern", sagt Angie. Denn Spenden sind willkommen, da die Typisierung, also die Untersuchung im Labor, pro Probe 40 Euro kostet (siehe Extra). Wer sich am Samstag registrieren lassen wolle, müsse gesund und zwischen 17 und 55 Jahren alt sein, erklärt Pamela Kölbl von der DKMS und erläutert den Ablauf: "Nach dem Ausfüllen einer Einverständniserklärung werden dem Spender fünf Milliliter Blut abgenommen, damit dessen Gewebemerkmale im Labor bestimmt werden können."

Wer schon registriert sei, müsse sein Blut nicht erneut testen lassen. "Einmal aufgenommene Daten stehen auch weiterhin weltweit für Patienten zur Verfügung." Aus diesem Grund konnte Andreas Weidert (43) aus Hermeskeil im April Stammzellen an eine ihm unbekannte 19-jährige Amerikanerin spenden. Der Baggerfahrer hatte sich vor zwei Jahren bei der Stefan-Morsch-Stiftung registrieren lassen, die wie die DKMS weltweit nach Spendern für Blutkrebs-Patienten sucht (der TV berichtete am 26. April). Die Typisierung sei aufwendig, sagt Kölbl. Die komplette Auswertung der Aktion könne bis zu fünf Wochen dauern. Wird dabei ein Spender für Hedi gefunden, kann es schnell gehen: Der Kandidat muss sich dann fünf Tage lang ein Medikament spritzen, das die Produktion der Stammzellen im Blut anregt. Dabei können laut DKMS "grippeähnliche Symptome" aufkommen. Die Zellen würden dann in 80 Prozent der Fälle direkt aus dem Blut entnommen, das dauere vier bis acht Stunden. Hedis Familie hofft, dass möglichst viele Menschen am 21. Mai nach Gusenburg kommen. "Viele hier aus der Region sind schon typisiert, weil es in der Vergangenheit schon einige Aktionen gab", sagt Andreas Weber. "Aber ein passender Spender war eben bisher noch nicht dabei." Jeder Einzelne, der sich registrieren lasse, erhöhe die Chance, dass Hedi weiterleben könne.Extra

Nach Auskunft der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) erkranken pro Jahr weltweit mehr als 917.000 Menschen an Blutkrebs. In Deutschland sind es täglich etwa 30 Menschen. Für sie sucht und vermittelt die gemeinnützige Non-Profit-Organisation DKMS mit Sitz in Köln Stammzellspender. Deren Spende bedeutet häufig die einzige Überlebenschance für die Patienten. Mit weltweit insgesamt mehr als sechs Millionen registrierten potenziellen Spendern (davon rund vier Millionen in Deutschland) und mehr als 55.000 ermöglichten Stammzelltransplantationen ist die DKMS der weltweit größte Stammzellspenderdateien-Verbund. Gegründet wurde sie 1991. Partnerorganisationen gibt es in den USA (Delete Blood Cancer), Polen (DKMS Polska), Spanien (Fundación DKMS España) und in Großbritannien (Delete Blood Cancer UK). Übrigens: Am 28. Mai ist World Blood Cancer Day. An diesem weltweiten Aktionstag im Kampf gegen Blutkrebs zeigen Menschen überall auf der Welt Solidarität mit Blutkrebspatienten. Weitere Informationen unter www.worldbloodcancerday.org und www.dkms.de cwebHintergrund

 Familie und Freunde von Hedi haben eine Aktion vorbereitet, mit der sie einen Stammzell-Spender für die an Leukämie erkrankte Gusenburgerin finden wollen. Von links: Michael Weber, Angie Reinartz, Erwin Weber, Alina Paulus und Andreas Weber.
Familie und Freunde von Hedi haben eine Aktion vorbereitet, mit der sie einen Stammzell-Spender für die an Leukämie erkrankte Gusenburgerin finden wollen. Von links: Michael Weber, Angie Reinartz, Erwin Weber, Alina Paulus und Andreas Weber. Foto: Christa Weber

Wer nicht am 21. Mai zur Registrierung in die Gusenburger Grenderichhalle kommen kann, kann trotzdem helfen. Auch Geldspenden sind wichtig, weil laut der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) jede Registrierung eines möglichen Stammzell-Spenders rund 40 Euro kostet. Die gemeinnützige Gesellschaft bittet daher um Spenden: DKMS-Spendenkonto, IBAN DE07 5855 0130 0001 0829 65, BIC TRISDE55XXX, Stichwort: Hedi. Für die Aufnahme in die Datei muss man auch nicht unbedingt zu einer Typisierungsaktion gehen. Man kann sich auch online bei der DKMS registrieren. Dann bekommt man ein Set mit einem Wattestäbchen geschickt, mit dem man einen Abstrich von der eigenen Wangenschleimhaut vornimmt und das Stäbchen dann an die DKMS zurückschickt. cweb