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Genossenschaft Serrig Lebenswert eG (SeLe) bringt Ideen von Projektgruppen voran

Dorfleben in Serrig : Wie Serrig seine Gemeinschaft stärkt

Die Genossenschaft Serrig Lebenswert (Sele) bringt Ideen von Projektgruppen voran und verbindet Generationen zu einer aktiven Dorfgemeinschaft.

Seit zwei Jahren hat Serrig eine Sele. Die Abkürzung steht für die Genossenschaft Serrig Lebenswert. 65 Mitglieder bringen sich mit rund 100 Anteilen in diese „Firma“ ein, um eine aktive und lebenswerte Dorfgemeinschaft zu fördern.

„Es ist eine Genossenschaft für Daseinsfürsorge, um eine wirtschaftliche Basis für soziales und kreatives Engagement von Gruppen im Dorf zu unterstützen“, erklärt ihr Vorsitzender, der frühere Ortsbürgermeister Egbert Adam. Die Sele soll helfen, Serrig lebenswert zu erhalten und zukunftsfähig zu gestalten.

So werden beispielsweise Anschubfinanzierungen getätigt, wie die 3000 Euro für Stoff, aus dem die Gruppe „Allesnäher“ raffinierte Beutel und andere Behältnisse geschneidert haben. Die Sachen werden auf https://www.saarkind.com/allesnäher angeboten und der Erlös fließt in neue Produkte.

Manche Mitglieder werden als Zweijährige von ihren Eltern angemeldet, andere sind schon 86 Jahre alt. Zwischen 60 Euro für Nichterwerbstätige bis zu 500 Euro für Mitgliedsbetriebe werden im Jahr eingezahlt. Für Familien ist der Beitrag bei 200 Euro im Jahr gedeckelt.

Die Wahl fiel auf eine Genossenschaft, weil sie gegenüber einem Förderverein einen klaren Vorteil bietet. „Ein solcher Verein darf ja keine Gewinne machen“, ist für Vorstandsmitglied Petra Haupert das schlagende Argument. Der Sele fiel es so leicht, die mehr als 50 Apfelbäume der Ortsgemeinde zu pachten, diese zu pflegen und in der diesjährigen Saison aus 1300 Äpfeln Saft pressen zu lassen, der wiederum verkauft wird.

Jedes Jahr wird eine Bilanz erstellt, die im Bundesanzeiger veröffentlicht wird. In der jährlichen Genossenschaftsversammlung berichtet der Vorstand über die Geschäftstätigkeit und die Verwendung des erwirtschafteten Geldes.

Natürlich blieb auch diese Institution nicht von Corona verschont. „Wir sitzen Corona aus, bis alle resistent sind“, gibt Vorsitzender Adam die Richtung vor. Nächstes größeres Projekt ist die Anlage eines Dorfgartens, an dessen Konzeption sich möglichst viele der 1670 Serriger beteiligen sollen.

„Was der Genossenschaft zugute kommt, unterstützt wieder Projekte, mit der die Dorfgemeinschaft gefördert werden kann“, beschreibt der Vorsitzende den Kreislauf, der für jeden Serriger einen Gewinn darstellt.

Gleichwohl ist die Gesellschaftsform einer Genossenschaft nicht für jedes Dorf, das eine aktive Dorfgemeinschaft aufbaut, ideal. Matthias Faß, Berater für aktive Dorfgemeinschaften der Verbandsgemeinde Saarburg-Kell, sagt: „Andere nutzen lieber den Förderverein.“ Das Modell der aktiven Dorfgemeinschaft wurde in Mannebach entwickelt und mit Hilfe seines Erfinders Bernd Gard weiter verbreitet. Es geht darum, dass Bürger zusammen Visionen und Initiativen für ihre künftige Dorfgemeinschaft entwickeln, in der möglichst alle gerne und lange gesund leben können. Am Anfang stehen Infoveranstaltungen und Zukunftswerkstätten. An dem Modell beteiligen sich neben Serrig auch Trassem, Kastel-Staadt, Ayl, Merzkirchen, Taben-Rodt und Saarburg. „Serrig ist mit der Genossenschaft ein tolles Vorbild“, findet Faß. „Seit 2016 wird der Aufbau aktiver Dorfgemeinschaften gefördert“, sagt die Sprecherin der Verbandsgemeinde, Nathalie Hartl. Zuschüsse kommen aus Leader-Mitteln der Europäischen Union.

Neben den aktiven Dorfgemeinschaften haben sich weitere Initiativen gebildet. So gibt es beispielsweise die Nachbarschaftshilfe in Fisch, einen Dorfladen in Mandern, die Initiative Aktives Kell am See oder die Gruppe Hentern blüht auf.

Weitere Informationen zur Genossenschaft im Internet unter www.seleeg.net