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Georgische Fechtkunst mit der Faust

Georgische Fechtkunst mit der Faust

HERMESKEIL. Es ist lange her, dass in Hermeskeil - im sportlichen Sinn - geboxt wurde. In den frühen 60ern war der Boxclub Hermeskeil aufgelöst worden. Der Turnverein Hermeskeil brachte den Faustkampf wieder zurück in den Hochwald und hat damit großen Erfolg. Mehr als 600 Zuschauer sahen die Rheinland-Boxmeisterschaften in der Hochwaldhalle.

Die Vorfreude war groß. Als im August 2002 die Abteilung Boxen im Hermeskeiler Turnverein entstand, war sie sofort Thema Nummer 1 in der Sport-Szene. Der Mann, dem diese Neugründung zu verdanken war, ist selbst bereits eine Legende - und das mit gerade mal 32 Jahren. Wer wissen will, wie gut der seit vier Jahren in Hermeskeil lebende Georgier Nugsar Abramischwili wirklich ist, braucht nur einen Punkt der imposanten Erfolgsliste dieses Mannes zu kennen: Vor vier Jahren gewann er den Titel des Rheinland-Meisters im Weltergewicht (bis 69 Kilo). Seitdem war er bei den Rheinland-Meisterschaften nicht mehr zugelassen, weil er seinen potenziellen Gegnern ganz einfach zu sehr überlegen war. Es war Abramischwili, der das Boxen wieder in den Hochwald gebracht hat. Mit jungen Talenten aus der Region hat der georgische Faustkämpfer in wenigen Monaten eine Truppe von beeindruckender Schlagkraft aufgestellt. Wobei es dem Turnverein Hermeskeil nicht nur auf den sportlichen Erfolg ankommt. "Es geht uns auch um die Integration von Mitbürgern ausländischer Abstammung", betont der Vorsitzende Ulrich Schmitt. Wobei es natürlich ein substanzloses Vorurteil ist, dass Russen von Natur aus besser Boxen können. Davon spricht auch niemand. Fakt ist: Die von Abramischwili geleitete Vereinsarbeit macht die Hochwälder russischer Herkunft nicht nur zu beliebten Mitgliedern und Leistungsträgern eines multilingualen und -nationalen Teams. Begeisterte Zuschauer sahen mitreißende Kämpfe in zehn Gewichtsklassen vom Fliegengewicht (bis 51 Kilogramm) bis zum Schwergewicht (bis 91 Kilogramm). Trotz beeindruckender Form und Konsequenz im Ring verlor der amtierende Junioren-Rheinlandmeister Artur Bojarkin aus Hermeskeil seinen Titel. Dafür schlug ein anderes Talent aus Hermeskeil zu: Frank Fox siegte im Jugend-Federgewicht. Der zwölfjährige Fox und der 22-jährige Bojarkin gelten als die größten Talente unter der Obhut von Abramischwili. Natürlich stiegt der erfahrene Georgier auch selbst in den Ring. Dreimal an einem Abend. Ein Pensum, das Nerven und Kondition eines Normalsterblichen bei weiten überfordern würde. Leichte Kost für "Nobri"

"Nobri", wie Nugsar Abramischwili in Hermeskeil genannt wird, kam damit offenbar klar. Die ersten beiden Gegner zwang er zur Aufgabe. Die Kämpfe begannen mit einer freundlichen ersten Runde, in der er dem Gegner noch etwas Aktionsfreiraum ließ. Danach war jedoch Schluss mit lustig. Der Georgier verwandelte sich vom freundlichen Sparringspartner in einen Gegner mit schmerzhafter Präzision und Konsequenz, bis die gegnerische Ecke das Handtuch warf - das traditionelle Zeichen der Aufgabe. Nur sein letzter Kampf ging über die volle Distanz - was aber eher auf die Tatsache zurückzuführen war, dass Abramischwili die Sache sportlich sah und seinen Gegner nicht ohne Grund strafen oder verletzen wollte. Ivan Horn vom Boxclub Neuwied blieb nichts als Tapferkeit gegen einen Ausnahmekämpfer. Abramischwili siegte mit 21:7 klar nach Punkten, er hat damit 230 Kämpfe absolviert und davon 187 gewonnen, 63 davon durch KO. Er war mehrfach georgischer und sowjetischer Meister und boxt in der Bundesliga.