Gesang ist sein Lebenselixier

Fit bleiben durch Singen, das funktioniert bei dem gebürtigen Norddeutschen Friedrich Onischke sehr gut. Die Kameradschaft unter Sängern ist sein Lebensquell. Nach jeder Probe beim Gesangverein Lyra Könen fühlt sich der zweite Tenor beschwingt und froh.

Konz-Könen. "80 Jahre singen, das ist in ganz Deutschland sehr selten, vielleicht sogar einzigartig", weiß Sarah Rhode, die beim Deutschen Chorverband (DCV) in Berlin für die Organisation von Ehrungen verdienter Sänger zwar zuständig ist, aber keine Statistik darüber führt. Friedrich Onischke ist 98 Jahre alt und singt schon seit acht Jahrzehnten in verschiedenen Chören. Sein Gesangsverein Lyra Könen ist stolz auf ihn.
Seine früheste Erinnerung als Sänger hat er aus seiner Schulzeit: "Die Schule lag direkt neben dem Friedhof. Da mussten wir Kinder bei Beerdigungen immer singen." Außerdem führte der Schulweg durch einen Wald, so dass er und seine Mitschüler sich die Angst mit Gesang vertrieben haben. Der sei ihm in die Wiege gelegt worden: "Meine Mutter Maria hat den ganzen Tag über viel gesungen."
Für den gebürtigen Niedersachsen ist der Gesangsverein Lyra der dritte Chor, in dem er seine Stimme im zweiten Tenor erhebt. 1949 kam er der Liebe wegen nach Könen. "Unser Friedrich war ein halbes Jahrhundert Kassierer beim Verein", nennt Vorsitzender Rudolf Hauser ein weiteres Verdienst des Jubilars. Viele Jahre lang bedeutete das: "Jeden Monat bei jedem Mitglied 50 Pfennig kassieren und je eine Marke ins Mitgliedsheft kleben." Auch im Dorfleben engagiert sich Onischke, beispielsweise in der Bürgerinitiative für die Umgehung der Ortsdurchfahrt.
Aber die "seelische Wirkung" des Gesangs und das körperliche Wohlbefinden ist Onischke am wichtigsten: "Nach jedem Einsingen bekomme ich prima Luft." Nach jeder Probe fühle er sich richtig leicht. Fit hält er sich auch durch Spaziergänge, denn frische Luft sei immer gesund. Seine Devise lautet: "Wenn du was anfängst, must du auch dabei bleiben."
Die gute Gesellschaft und Kameradschaft fällt ihm umso leichter, weil das Vereinslokal nur wenige Schritte von seiner Wohnung entfernt ist. Da trifft er die netten und hilfsbereiten Menschen vom Verein. Bevorzugt werden seit früher Kindheit deutsche Volkslieder, denn: "Die Leute sollen doch verstehen, was gesungen wird." Englisch singen, sei was für Engländer, witzelt er, und falls doch, sollte vorher wenigstens der Sinn des Textes geklärt sein. "Friedrich passt mit seiner Stimme gut in den Chor", sagt Schriftführer Alfons Steinmetz, der als Bass im Chor direkt neben im steht. Allerdings: Für ein solch lange Mitgliedschaft gibt es keine Ehrennadel oder -medaille. Daher wird eine spezielle Urkunde ausgestellt, unterschrieben vom Präsident des Deutschen Chorverbandes Henning Scherf.