Geschichte zum Anfassen

KONZ-KÖNEN. (jka) Die Vergangenheit um einen herum nicht vergessen – das war ein Ziel der Führung auf dem jüdischen Friedhof in Konz-Könen anlässlich des Europäischen Tags des jüdischen Denkmals am Sonntag.

Man muss schon genau wissen, wo es lang geht, auch wenn inzwischen Hinweisschilder an der Straße den Weg zum jüdischen Friedhof in Konz-Könen weisen. Hinter Gärten, an einem kleinen Fußweg, liegt das alte Tor. Dahinter, unter großen Bäumen, stehen 15 Grabsteine. Anlässlich des Europäischen Tags des jüdischen Denkmals trafen sich dort am Sonntagnachmittag etwa 30 Interessierte, um Bruno Lauscher zuzuhören. Und der wusste einiges zu erzählen. Vieles davon stammt aus dem Buch "Geschichte der Juden von Könen" von Willi Körtels, das vom Förderverein Synagoge Könen herausgegeben wurde. Der Friedhof, wahrscheinlich im Jahr 1849 angelegt, wurde in der Reichspogromnacht 1938 zerstört und 1955 auf Betreiben der jüdischen Kultusgemeinde Trier neu errichtet. Heute stehen dort 15 intakte Grabsteine, die neu aufgebaut wurden, einige zerstörte Steine liegen noch unter der Erde. Doch nicht nur die Steine mit ihren Inschriften waren Thema der Führung, sondern die vielen Auswärtigen sowie einige Könener erfuhren auch, dass die Könener jüdische Gemeinde eine der größten im Landkreis war. Von den rund 700 Einwohnern des Ortes waren vor dem Zweiten Weltkrieg etwa 100 Juden, die rund um die Synagoge und den Friedhof lebten. "Es war ein sehr intaktes Zusammenleben hier in Könen vor dem Zweiten Weltkrieg", betonte Bruno Lauscher. Und er erzählte von Gesprächen mit alten Könener Bürgern, die noch von Freundschaften, von jüdischen Liedern, die sie noch singen konnten berichteten. Geschichte zum Anfassen war es, und genau darauf kam es den Veranstaltern auch an: "Entscheidend ist es, die Könener Geschichte lebendig zu machen", sagte Bruno Lauscher, der im Ort aufgewachsen ist. Auch die Besucher, viele Ältere, aber auch Jüngere und einige Kinder, waren von der Veranstaltung begeistert, die sich weniger als klassische Führung denn mehr als Gedankenaustausch und Gespräch entwickelte. So standen viele noch lange nach der Führung zusammen und sprachen miteinander. "Ich habe auch schon das Buch gelesen und fand das heute sehr interessant hier", sagte Martina Carl, die aus Könen stammt und den Friedhof noch aus ihrer Kindheit kennt. "Ich war zuletzt auf dem Friedhof, als es noch durcheinander war", berichtete eine andere Könenerin. Die Führung, die zum zweiten Mal stattgefunden hat, ist nur ein Teil dieses Lebendigmachens der Dorfgeschichte. Dass seit Kurzem die Hinweisschilder von der Straße aus den Weg zum Friedhof anzeigen, war der erste Schritt, der auf Betreiben des Fördervereins Synagoge Könen gemacht wurde. Man habe aber noch mehr vor, so Lauscher. "Schön wäre es, zum Beispiel eine Gedenkplakette am Friedhof zu installieren,um deutlich zu machen: "Hier wird nicht vergessen."