Geschichten vom Verlassen und Verlassenwerden

Geschichten vom Verlassen und Verlassenwerden

Eine lebende Legende hat die 80 Zuschauer in der proppenvollen, ehemaligen Wawerner Synagoge mit Gesang und Gitarrenspiel begeistert. Lloyd Cole, in den 1980ern mit seiner Band The Commotions unterwegs, hat sich vom Popstar zum Singer-Songwriter gemausert.

Wawern. Ein bisschen grau sind die Haare schon geworden, seine Stimme hat aber immer noch die gleiche Strahlkraft wie in den 1980er Jahren, als der mittlerweile 52-jährige Lloyd Cole mit seiner Band The Commotions (Der Aufruhr) von England aus für Furore gesorgt hat. Die exzessiven Zeiten mit Stage-Diving sind definitiv vorbei, der Engländer ist mittlerweile in Massachusetts (USA) mit seiner Familie sesshaft geworden. Aber anscheinend fühlt er sich auf großen Bühnen immer noch wohler als in der intimen und hautnahen Atmosphäre der ehemaligen Synagoge in Wawern: "You are too close", entschuldigt er sich bei den rund 80 Zuhörern für seine Zurückhaltung.
Sparsam sind die Gesten und die Emotionen, die er zeigt, die Songs brillant. Folk, Rock, Pop und ein wenig Blues klingen da an, seine Texte sind tiefgründig. Er erzählt Geschichten vom Verlassen und Verlassenwerden, weise, melancholisch und dennoch voller Lebensfreude. Bunt mischt er Songs von seinem neuen Album "Standards" mit Liedern wie "Rattlesnakes", die ihn vor fast 30 Jahren berühmt gemacht haben. Eindringlich spielt er die akustische Gitarre dazu, das muss reichen. Und es ist gut so, der Mann braucht keine große Show oder Gesten, um sein Publikum zu überzeugen, rund 80 Leute spenden Applaus, der sich anhört wie "Tausende", sagt Cole. Fast zwei Stunden spielt er, nippt zuweilen an seinem Glühwein. Draußen ist es nasskalt, in der pastellfarben ausgeleuchteten Synagoge wärmen sich die Zuschauer der Generation 40-plus an sich selbst, an der Musik und wohl auch an ihren Erinnerungen an die Zeiten des Aufruhrs.
Cool, fast stoisch absolviert Llyod Cole sein Programm, ab und zu blitzt sein britischer Humor auf: "1967 hatte ich eine Affäre mit Janis Joplin, da war ich allerdings erst sechs!" DT