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Gesetzliche Werte um ein Vielfaches überschritten

Expertin analysiert Gutachten : Gesetzliche Werte um ein Vielfaches überschritten

Professorin Heike Bradl, Fachbereich Umwelttechnik am Umweltcampus Birkenfeld, hat sich die in dem Wellener Gutachten vorliegenden Werte genauer angesehen. „Einige Prüfwerte sind um das 10 000-fache überschritten“, sagt sie.

Zur Erklärung: Die Prüfwerte sind keine absoluten Grenzwerte, die direkt dazu führen, dass Material umgehend entsorgt werden muss. Aber Gutachter schauen genauer auf die Auswirkungen von den Stoffen auf Grundwasser, Pflanzen oder Menschen, wenn die Werte erreicht sind.

Im Wellener Gutachten wurden 1) Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW – aus Diesel und Öl), 2) polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK – kommt in Teer und Asphalt vor), 3) polychlorierte Biphenyle (PCB – seit 1989 verboten, wurden vorher vor allem in Kondensatoren genutzt) und 4) Phenol untersucht. „Diese Substanzen sind alle hochtoxisch und krebserregend“, sagt Bradl.

Die Prüfwerte für diese Substanzen sind in der Bundesbodenschutz- sowie der Altlastenverordnung festgelegt. In Böden gilt für MKW 200 Milligramm (mg) pro Kilogramm. Unter der Dolohalle wurden laut dem Gutachten 32 000 mg/kg festgestellt – mehr als das 150-fache des Grenzwerts. Bei PAK gilt ein Grenzwert von 10 mg/kg. Gemessen wurden in Wellen 17 000 mg/kg, das 1700-fache.

Für PCB sind die Grenzwerte in Rheinland-Pfalz laut der Expertin im sogenannten Alex-Merkblatt geregelt: Im Boden sollten demnach nicht mehr als 3 mg/kg PCB vorkommen. Gemessen wurden in Wellen 32 0000 mg/kg, mehr als das 10 000-Fache des Grenzwerts. Auch im Wasser wurden in dem Wellener Gutachten laut der Wissenschaftlerin die erlaubten Prüfwerte überschritten. Nur bei Phenol liege die gemessene Konzentration mit weniger als 0,1 Mikrogramm unter dem Prüfwert von 2 Mikrogramm/kg.

Das Fazit der Umweltwissenschaftlerin: „Insgesamt handelt es sich um eine massive Boden- und Wasserkontamination, die entsprechend fachgerecht zu sanieren ist.“ Eine akute Gefahr für die Menschen in Wellen sieht die Umwelttechnikerin aber nicht, weil die Stoffe nicht mobil sind und zum Beispiel nicht ins Grundwasser eindringen können. Zudem werde das Gelände weiter als Betriebsgelände, nicht als Wohngebiet oder ähnliches genutzt.

Trotzdem hält Bradl die Aussage des Unternehmens, dass die Stoffe keinerlei Gefahr darstellten, für „Schönfärberei“.

Sobald der Boden nicht mehr versiegelt ist, wird die Gefahr größer. Bradl: „Solange das unter einer Betonplatte steckt, besteht keine akute Gefahr. Aber die Stoffe sind hochtoxisch.“