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Museum: Gesichter und ihre Schicksale

Museum : Gesichter und ihre Schicksale

Saisoneröffnung im Roscheider Hof: Erste Nachfahren von mehr als 80 porträtierten Menschen wurden gefunden. Eine Fotoausstellung mit besonderem Bezug zur Heimatgeschichte.

„Als ich das Bild sah, kamen mir die Tränen“, gesteht Günter Hoffmann. Er hat das Foto seines vor 21 Jahren verstorbenen Vaters Peter in der Ausstellung von Porträts von ehemaligen Zettelmeyer-Mitarbeitern im Roscheider Hof entdeckt und es war passiert. „Sofort ist die ganze Kindheit und Jugend wieder da“, sagt der heute 63-Jährige.

Auch Karl Christmann entdeckt seinen Vater Willi, der 47 Jahre lang in der Finanzbuchhaltung des Baumaschinenherstellers gearbeitet hat. „Es ist ein ganz besonderes Gefühl, vor einem Bild zu stehen, auf dem der Vater, Jahrgang 1923, so jung aussieht“, ist der 61-Jährige völlig ergriffen.

Er will sich auf jeden Fall einen Abzug bestellen und dieses Foto in Ehren halten. Alle Bilder sind das Werk von Industriegrafiker und Porträtfotograf Erich Prinz, der den Auftrag der Firma Zettelmeyer, die Mitarbeiter abzulichten, in den unmittelbaren Nachkriegsjahren gerne angenommen hat.

„Mein Vater hatte als einer der wenigen eine Kamera und kam auch an Filme ran“, erzählt der Sohn, Peter, mittlerweile fast 78 Jahre alt. Er kann sich noch gut erinnern: „Ich durfte als Bub schon in der vier Quadratmeter großen Dunkelkammer mitarbeiten.“ Zur Ausstellungseröffnung hat er die Kamera mitgebracht, mit der sein Vater einst arbeitete.

Die Fotos entstanden in keinem Studio mit großer Blitzanlage. In einem hellen Raum wurde ein weißes Bettlaken an der Wand aufgehängt, die Kamera auf ein Stativ gestellt und der Abzulichtende musste möglichst stillhalten, damit das Foto nicht verwackelt war.

Aber der Sohn ist auch stolz auf das, was der Vater weiter geschaffen hat. Beispiele seiner grafischen Tätigkeit sind in Glasvitrinen ausgestellt, und der Sohn sagt: „Das muss man sich mal vorstellen, diese Bilder von Maschinen oder dieses Getriebe sind alle von Hand gezeichnet.“

Ausstellungsleiter Markus Berberich unterstreicht die Bedeutung der Ausstellung: „Hier geht es nicht um berühmte Persönlichkeiten, sondern um die einfachen Menschen, die Deutschland nach dem Krieg wieder aufgebaut und das Wirtschaftswunder vorbereitet haben.“

Um den Schicksalen auf die Spur zu kommen, lädt die Geschäftsführerin des Roscheider Hof, Ursula Ninfa,  Menschen in diese Ausstellung ein, die noch bis zum 20. November zu sehen ist. In ausliegenden Fragebögen kann Auskunft gegeben werden, wer einen seiner Vorfahren erkannt hat und welche Geschichte hinter dem Gesicht steckt. „Wenn wir genügend Material zusammenhaben, gibt es eine weitere Dokumentation oder vielleicht sogar ein Buch“, kündigt sie an. Man wolle sich mit den Menschen in Verbindung setzen, die den Fragebogen ausgefüllt haben.

Weiter kündigt die Geschäftsführerin des Volkskunde- und Freilichtmuseums an, dass die Dauerausstellung um drei Abteilungen erweitert wird: Eine Schirmwerkstatt ab April, eine Modelleisenbahnanlage ab Mai und eine Druckereiwerkstatt ab Herbst.

 Industriegrafiker Erich Prinz ernährte seine Familie unter anderem mit Fotografieren.
Industriegrafiker Erich Prinz ernährte seine Familie unter anderem mit Fotografieren. Foto: Herbert Thormeyer

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.roscheiderhof.de.