Schulen: Giftfasern verzögern Großprojekt in Konz

Schulen : Giftfasern verzögern Großprojekt in Konz

Fast 40 Millionen Euro fließen in die Sanierung der Gebäude am Schulzentrum. Schon im ersten Jahr des Großprojekts gibt es Verzögerungen. Ein Grund: Es wurden gesundheitsschädigende Stoffe in der Saar-Mosel-Halle gefunden.

Die Fassade der Saar-Mosel-Halle in Konz ist seit mehreren Monaten eingerüstet. Der Gebäudekomplex mit großer Sporthalle, kleinerer Gymnastikhalle sowie etlichen weiteren Räumen wird für 5,9 Millionen Euro von Grund auf saniert: innen und außen. Das ist aber nicht das Ende der Fahnenstange. Insgesamt steckt der Kreis Trier-Saarburg als Schulträger in sechs Abschnitten bis 2024 sogar 39,4 Millionen Euro in einen Neubau sowie die mehr oder weniger sanierungsbedürftigen Gebäude des Schulzentrums. Die meisten davon wurden in den 1960er und 1970er Jahren errichtet. Nur die Mensa (2006) und einige Klassenräume in der Realschule plus (2009) sind neueren Datums. In einer früheren Kalkulation ging der Kreis von 34,4 Millionen Euro Gesamtkosten aus. Darin war aber laut Kreis nicht die jährliche Preissteigerung in der Baubranche enthalten.

Schwieriger Start Josef Goebel aus Konz hat die Arbeiten an der Saar-Mosel-Halle genau verfolgt. „Bei allen Leuten, die ich kenne und mit denen ich darüber gesprochen habe, gibt es vollkommenes Unverständnis über die extrem langsame Sanierung“, schreibt er an den TV. „Für mich sieht das sehr nach Terminverzögerungen und Kostenüberschreitungen aus.“ Während Goebel keine Probleme mit einer Namensnennung hat, wollen andere Zweifler nicht öffentlich auftreten. Aber Zweifel an den Fähigkeiten der Planer, die Zeiten für das Großprojekt einzuhalten, werden in mehreren Gesprächen laut. Sehr deutlich wird vor allem eines: Die Sanierung ist für alle Beteiligten eine Herausforderung. Und auf eine TV-Anfrage erklärt die Kreisverwaltung Trier-Saarburg, warum es schon im ersten Jahr des Mammutprojekts zu Verzögerungen kommt.
Saar-Mosel-Halle
Pressesprecherin Martina Bosch sagt: „Die Sanierung der Saar-Mosel-Halle verschiebt sich gegenüber dem ursprünglichen Zeitplan um etwa drei bis vier Monate.“ Eigentlich sollte die Halle Mitte 2019 fertig werden. Nun wird nur die große Sporthalle im Mai fertig. An der Gymnastikhalle, die ebenfalls in dem Gebäude ist, wird noch bis Oktober gearbeitet.

Ein Grund: Die Arbeiter haben künstliche Mineralfasern (KMF) in einer Wand sowie in Dämmungen und Ummantelungen von Rohren gefunden. KMF gibt es zum Beispiel in Form von Platten, Matten oder Mineralwolle. Bei der Entsorgung müssen die Baufirmen vorsichtig vorgehen. KMF ist zwar nicht ganz so gefährlich wie Asbest, aber es kann Haut- und Atemwegsreizungen verursachen. Manche Fasern haben laut Umweltbundesamt zudem „krebserzeugendes Potenzial“.

Schulzentrum_Konz. Foto: TV/Lambrecht, Jana

Wegen des Fundes musste ein Auftrag für Abbrucharbeiten um 39 000 Euro erweitert werden von 295 000 Euro auf 334 000 Euro. Laut Kreis müssen die Gebäudeteile mit den Fasern von nicht belasteten Bereichen getrennt werden. Arbeiter, die nicht mit der Entsorgung beschäftigt sind, dürfen sich nicht in der Nähe des Materials aufhalten. Bosch: „Daher konnten nicht – wie geplant – mehrere Firmen zeitgleich in diesen Bereichen arbeiten.“

Bei Abbruch der Deckenverkleidungen seien zudem statische Probleme aufgefallen. Bevor weitergearbeitet werden konnte, musste das behoben werden. Wegen starker Auslastung der beteiligten Firmen habe sich das Projekt zusätzlich verzögert.

Weitere Probleme Bisher gab es bei jedem Teilabschnitt Probleme. In den Schülertoilettenanlagen an der Realschule plus waren wegen des Bodenaufbaus sowie des schlechten Zustands der Grundleitungen laut Kreis neue Planungen notwendig. Zudem habe es wegen der Auslastung der Handwerksfirmen lange gedauert, Angebote für die geänderten Leistungen einzuholen, sagt Bosch. Sowohl beim Bau einer neuen Cafeteria in der Realschule plus als auch beim Umbau der Bibliothek im Gymnasium verzögerte sich die Lieferung neuer Möbel (siehe Info).

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