Gläubige reden über neue Gestalt der Kirche

Gläubige reden über neue Gestalt der Kirche

Über 100 katholische Gläubige haben sich darüber informiert, wie sich die nächsten Schritte beim "Projekt 2020" auf das Dekanat Hermeskeil-Waldrach auswirken, zu dem auch Trier-Ruwer gehört. An der Basis werden einige Punkte der Strukturreform im Bistum Trier kritisch gesehen. Vor allem klagen die Kirchenmitglieder über den großen Zeitdruck.

Hermeskeil/Waldrach/Ruwer. "Bei allen Schwierigkeiten, die uns ins Haus stehen, dürfen wir eins nicht vergessen. Wir leben in einer kirchlichen Situation, die Veränderungen notwendig macht. Wir können nicht mehr so weitermachen wie bisher." Diesen Appell gab Dechant Clemens Grünebach am Ende des Informationsabends im Hermeskeiler Johanneshaus den über 100 Gläubigen aus dem ganzen Dekanat Hermeskeil-Waldrach mit auf den Heimweg.

Vertreter des Bistums Trier hatten zuvor circa drei Stunden lang die nächsten Reformschritte beim "Projekt 2020" vorgestellt. Schon in diesem Jahr soll dabei die Neubildung von Pfarreiengemeinschaften umgesetzt werden. Stichtag dafür ist der 1. September 2011.

Diese größeren seelsorgerischen Einheiten sind im Dekanat faktisch schon entstanden. In diesem Punkt sind die Vorgaben des Bistums also bereits erfüllt (siehe Extra).

Die Veränderungen betreffen aber auch das Innenleben. So werden die kirchlichen Gremien neu strukturiert, und zwar im Zuge der im Oktober anstehenden Wahlen für den Pfarrgemeinderat -er kümmert sich um pastorale Angelegenheiten wie die Jugendarbeit, den Besuchsdienst von Kranken oder macht Vorschläge zur Gestaltung von Gottesdiensten -und den Verwaltungsrat, der für finanzielle Fragen zuständig ist.

Erstmals will das Bistum dabei die Möglichkeit schaffen, von der bisherigen Zweiteilung abzuweichen. Zeichnet sich ab, dass nicht genügend Kandidaten da sind, können die Pfarreien auf ein Ein-Kammer-System umsteigen und einen sogenannten Kirchengemeinderat einführen. "Das werden viele Pfarreien so machen", war sich Zuhörer Detlef Arend sicher.

Mehrfach kritisiert wurde jedoch, dass dieser Wechsel bereits bis zum 15. Mai beim Bistum beantragt werden muss. Unmut wurde auch darüber laut, dass künftig die Vorsitzenden der Pfarrgemeinderäte nur noch einmal wiedergewählt werden dürfen, sie also nur noch acht Jahre am Stück dieses Amt ausüben können. Viel Diskussionsstoff lieferten auch die vom Bistum geplanten Veränderungen, die die Pfarreien in finanzieller Hinsicht betreffen. Es geht dabei um die Einführung der sogenannten Schlüsselzuweisungen (siehe Stichwort).

"Mir macht das Sorgen", betonte Norbert Willems aus Lampaden mit Blick auf die Sparpläne des Bistums. "Wir müssen dann irgendwann als Gemeindegremium über Kündigungen oder Stellenkürzungen entscheiden. Da sage ich nur: viel Spaß dabei!"

Ein Zuhörer aus Beuren wollte wissen, woher das Geld kommt, wenn beispielsweise das Dach der Kirche repariert werden muss.

Das habe mit den Schlüsselzuweisungen, die für den laufenden Betrieb gedacht sind, nichts zu tun, betonte Raimund Haubrich vom Bistum. In diesem Fall könne die Pfarrei wie bisher einen Zuschussantrag in Trier stellen.

Für Rainer Justen, Pfarrer im Seelsorgebezirk Waldrach, steht fest. "Die Umsetzung der neuen Strukturen wird viel Unruhe bringen. Ich frage mich, ob es unbedingt nötig ist, die Veränderungen in so gedrängter Zeit zu machen." Dem stimmte Ursula Eiden vom Pfarrgemeinderat Ruwer ausdrücklich zu.

Bistums-Vertreter Gundo Lames versicherte, dass er die Anregung, am Zeitplan zu arbeiten, mit nach Trier nehmen werde. Er betonte aber auch: "Es ist uns allen klar, dass wir einen schwierigen Prozess durchmachen. Irgendwann kommt aber der Zeitpunkt, an dem man durch das Nadelöhr gehen muss." StichwortReform der Pfarreifinanzen: Die einzelnen Kirchengemeinden in einer Pfarreiengemeinschaft bleiben zwar auch nach der Umsetzung des Projekts "2020" rechtlich eigenständig. Sie werden aber in einem größeren Verbund zusammengefasst: den Kirchengemeindeverband. Bisher war es so, dass die einzelnen Gemeinden vom Bistum Bedarfszuweisungen erhalten haben. Künftig wird das Bistum aber dem Kirchengemeindeverband eine pauschale Schlüsselzuweisung auszahlen, die der Finanzierung der Personalkosten - etwa für die Mitarbeiter der Pfarrsekretariate oder des liturgischen Dienstes - und der Sachkosten, beispielsweise für die Unterhaltung der Pfarrhäuser und Kirchen - dient. Der Verband entscheidet dann nach eigenem Ermessen, wie das Geld auf die einzelnen Gemeinden verteilt wird. Die Höhe der Schlüsselzuweisung richtet sich unter anderem nach der Zahl der Pfarreien und der Zahl der Gläubigen im jeweiligen Verband. 2012 ist noch keine Senkung der Zuschüsse geplant. Wegen des Sparkurses gehen sie aber bistumsweit von 2013 bis 2016 stufenweise um insgesamt 4,3 Millionen Euro zurück.ExtraDekanat Hermeskeil-Waldrach: Insgesamt leben im Dekanat Hermeskeil-Waldrach 36 018 Katholiken. Sie verteilen sich auf folgende Pfarreiengemeinschaften (PG): Hermeskeil mit 9132 Katholiken und acht Einzelpfarreien. Sie ist im Mai 2010 durch den Weggang von Pastor Ingo Flach aus Beuren aus den zwei PG Hermeskeil und Beuren entstanden. Pastor ist Clemens Grünebach. Seelsorgebezirk Waldrach mit 16 508 Katholiken und zwölf Einzelpfarreien. Der Seelsorgebezirk ist am 1. September 2010 aus den drei PG Osburg, Pluwig und Trier-Ruwer/Waldrach entstanden. Pfarrer sind dort Erwin Recktenwald, Rainer Justen und Thomas Corten. Schillingen mit 10 378 Katholiken und neun Einzelpfarreien. Formal wird der Zusammenschluss mit der PG Zerf-Greimerath-Hentern zwar erst am 1. September 2011 erfolgen. Seit dem Weggang von Pastor Bernhard Stankowitz hat dort aber bereits seit 2009 der Schillinger Pfarrer Thomas Linnartz kommissarisch das vakante Amt übernommen.

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