Glaube im alltag

Meinung Pfingstgeschenke "Pfingsten ist wie Weihnachten, nur ohne Geschenke", heißt es auf einer Postkarte. Ich glaube das nicht.

Denn bei Pfingsten denke ich immer an unseren Sommerurlaub 1979 in Portugal. An einem Abend sind wir einem sehr feinen Restaurant. Keiner von uns kann Portugiesisch. Die Speisekartenlektüre wird zum Abenteuer. Nicht alles lässt sich ableiten. Mein Vater interessiert sich für ein Gericht mit einem nicht zu enträtselnden Namen. Der Kellner will die Bestellung aufnehmen. Mein Vater fragt auf Englisch, Französisch, Deutsch. Der Kellner spricht nur seine Muttersprache. Beide bemühen sich, dem anderen verständlich zu werden, jeder schaut den anderen aufmerksam an. Irgendwie muss das Rätsel ja zu lösen sein. Dann kommen Gesten hinzu. Eine kleine Scharade. Zum Himmel wird gezeigt. Plötzlich hebt mein Vater dezent die Arme, ahmt eine Flugbewegung nach und fragt leise: "Gurr-gurr?" Das Gesicht des Kellners hellt sich auf. Er nickt freudig. "Ah, Taube", sagt mein Vater. "Si, Paloma!", sagt der Kellner. Diese Geschichte zeigt mir, Verständigung ist möglich über alle sprachlichen und menschlichen Grenzen hinweg. Verständigung ist möglich, wo Menschen einander aufmerksam begegnen, wo Geduld, Freundlichkeit und Sanftmütigkeit regieren. Wo Menschen sich selbst nicht ganz so wichtig nehmen. Kurz, da wo diese Früchte des heiligen Geistes, wie Paulus im Galaterbrief schreibt, im Alltag wirken, da finde ich, ist schon Pfingsten. Deswegen freue ich mich auf das Fest - und auf die ökumenischen Gottesdienste am Pfingst-montag. Von wegen da gibt es keine Geschenke! Pfarrerin Vanessa Kluge, Trier-Ehrang