Glaube im alltag
Meinung Was Duisburg und Jerusalem gemeinsam haben Ein Jahr ist das jetzt her. Hunderttausende, zumeist junge Menschen, waren am 24. Juli 2010 nach Duisburg gepilgert, um laute Musik zu hören und das Leben zu feiern.
Die Parade der Liebe endet für 21 Opfer im Tunnel des Todes. Der Eingang zum Festgelände überfüllt, Massenpanik - jeder ist sich selbst der Nächste. Die nicht mehr können, werden einfach erdrückt oder zu Tode getrampelt. Mitten im Leben der Tod. Nach den schrecklichen Ereignissen schieben sich Veranstalter, Polizei und Politik die Schuld gegenseitig in die Schuhe, keiner übernimmt die Verantwortung. Mich erinnern diese Ereignisse an eine Geschichte in der Bibel. Ebenfalls eine Parade der Liebe, die im Tod endet. Jesus zieht in Jerusalem ein. Es ist Passah, das größte Fest der Juden. Von allen Orten strömen sie in die Hauptstadt, so auch Jesus und seine Freunde. Und die Menge macht ihnen einen furiosen Empfang und jubelt: "Hosianna!" Aber die Masse ist trügerisch. Bald schreien sie: "Kreuzigt ihn!" Jesus wird gefoltert und getötet. Eben noch Jubel, dann Todesschreie. Und niemand will dafür die Verantwortung übernehmen. Pilatus wäscht sich seine Hände in Unschuld. Einige haben großes Glück gehabt bei der Loveparade. Sanitäter konnten die zu Boden Gegangenen noch reanimieren. Sicherheitskräfte konnten Erschöpfte aus der Menge angeln. Mitten im Tod das Leben. Die Bibel erzählt an dieser Stelle von dem leeren Grab, der Auferstehung. Für andere kam jede Hilfe zu spät. Es bleibt grausam: Mitten im Leben lauert der Tod. Aber Beispiele wie jene aus Duisburg und Jerusalem machen uns hoffen, dass manchmal auch mitten im Tod das Leben lauert. Pfarrer Christoph Urban, Trier