Glaube im Alltag

Würden Sie, sagen wir, 250 Euro einfach in den Müll werfen? "Nein, sind Sie irre?", werden Sie wohl sagen und an meinem Verstand zweifeln. Zu Recht.

Geld wegwerfen - blöde Idee. Aber seit dieser Woche ist klar: Wir tun es. Sie und ich auch. Immer dann, wenn wir Lebensmittel wegwerfen, weil keiner Appetit darauf hatte und sie im Kühlschrank verdorben sind. Wegwerfen, weil die Druck stelle stört oder das Datum nicht mehr stimmt. Damit landet letztlich bares Geld sinnlos in der Tonne. Schon seit geraumer Zeit achte ich darauf, wie viel ich einkaufe. Es gelingt mir nicht immer, aber ich werde besser, seit mir beim Einkaufen eine biblische Geschichte einfiel. Da gibt es einen Weinbergbesitzer, der an einem Tag zu unterschiedlichen Zeiten Arbeiter einstellt. Am Abend bei der Lohnauszahlung ist die Überraschung groß: alle bekommen den gleichen Lohn - jeder kriegt so viel, dass er davon leben kann, eben keinen Hungerlohn, sondern gutes Geld zum Leben. Natürlich gibt es einen Streit darüber, ob dies gerecht sei. Aber der Weinbergbesitzer ist ein kluger Mann: Er verschwendet sein Geld nicht, hat aber im Blick: Wie viel braucht es wirklich zum Leben? Und diese letzte Frage kommt mir beim Einkaufen immer wieder in den Sinn: Wie viel braucht es wirklich? Für meinen Kühlschrank gilt die Frage genauso wie für die weltweite Perspektive unseres Lebensmittelkonsums. Ich besitze zwar keinen Weinberg, entscheide mit meinem Kaufverhalten aber mit, wie Nahrungsmittel verwertet und verteilt werden. Angesichts dessen, dass immer noch nicht alle Menschen auf der Welt genug zu essen haben, auch hier in Trier, treibt mir unsere Verschwendung an Nahrungsmitteln die Schamesröte ins Gesicht. Vanessa Kluge ist Pfarrerin in Trier-Ehrang.