"Glück auf" zum Fünfzigsten

FELL. London, Budapest, Prag, Berlin… Die Musikkapelle Fell hat im Laufe eines halben Jahrhunderts europaweit Fans gewonnen. Doch das Wichtigste: Vom ersten Auftritt an hat sich die Traditionskapelle in die Herzen der Feller Bürger gespielt. Die Kapelle ist weitaus mehr als eine musikalische Gruppe.

Zahlreiche Fotos hängen an den Wänden des Proberaums der Bergmannskapelle Fell. Sie lassen Erinnerungen aufleben, sie erzählen viele Geschichten. "Eine Bergmannskapelle hat es schon im Jahr 1871 in Fell gegeben", sagt Theresia Prümm-Virgin, die erste Vorsitzende des Vereins. Alle Mitglieder waren damals Bergleute und in den zahlreichen Schiefergruben um Fell beschäftigt. Nur acht Musiker überlebten die Kriegsjahre. Sie führten die Kapelle weiter. Der Ruf nach einem größeren Orchester wurde immer lauter. Im Februar 1955 war es soweit: Auf einer von alten Musikern einberufenen Versammlung meldeten sich zahlreiche Interessierte. Der Verein war geboren. Ein Name musste her. Die Gründungsmitglieder tauften das Orchester "Bergmannskappelle Fell". Instrumente für mehrere tausend Mark mussten angeschafft werden. Die Bürgschaft für den dafür notwendigen Kredit übernahmen Josef Wick, Hans Schmitt und Josef Rohr. Die "flüssigen" und risikobereiten Bürger wurden nicht enttäuscht. Während der Fronleichnamsprozession präsentierte sich die Bergmannskapelle erstmals der Öffentlichkeit. Die Belohnung: Viel Applaus, und 150 Bürger unterstützen spontan die junge Kapelle durch ihre Mitgliedschaft. Seitdem begeistert die Traditionskapelle, die in der Ausgehuniform der Bergleute auftritt, mit einem mannigfaltigen Repertoire: Sie spielt moderne Konzerte, ursprüngliche Marsch- und Polkamusik, Klassiker von Eric Clapton und Michael Jackson. Nie vergessen werden die Akteure Auftritte vor dem Berliner Reichstag und den "Prager Winter 1985", ein internationales Wertungsspiel mit 700 Musikern aus der ganzen Welt. "Dort haben wir erfahren, dass Musik die alleinige Weltsprache ist. Sie braucht nicht übersetzt zu werden", sagt Winfried Merz. Einmal gehört, vom Fleck weg als Hofkapelle engagiert und permanent unterstützt hat die Firma Rathscheck, der größte Schieferproduzent Europas, die Feller Traditionskapelle. Viele Höhepunkte und auch Tiefpunkte hat die Kapelle während eines halben Jahrhunderts erlebt. Ende der 60er-Jahre bangte die Kapelle um ihr Bestehen. "Mit der Jugendgruppe ging es wieder bergauf", sagt Theresia Prümm-Virgin. Zurzeit werden zehn junge Leute ausgebildet. 50 Aktive haben bis zu 40 Auftritte im Jahr. Jugendförderung bedeutet im Falle der Bergmannskapelle nicht nur, den Fortbestand einer ausgezeichneten Kapelle zu garantieren, sondern auch Pflegen einer langen Tradition. Die Kapelle ist der Verein, der die meisten Auftritte hat, ist stärkster Werbeträger des Ortes und fördert das stark Identifikation stiftende Brauchtum. Vom 15. bis 17 Juli wird das Jubiläum in Fell auf dem Festplatz in der Dorfmitte gefeiert. Gestartet wird mit einem Rockkonzert mit der Band "Pants Divine", es wird ein Konzert mit einem musikalischen Streifzug durch die letzten 50 Jahre der Bergmannskapelle geben, Ehrenspielen und einen spektakulären "Bergmännischen Festumzug" mit 700 Bergleuten und Musikern. Informationen: www. Bergmannskapelle-fell.de

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