Graben, um aufzuwühlen

HINZERT-PÖLERT. Es gibt kaum dokumentarische Zeugnisse der Lagerarbeit im SS-Sonderlager und KZ Hinzert. Das soll sich ändern. Das Rheinische Landesmuseum Trier wird parallel zum Bau der Dokumentations- und Begegnungsstätte archäologische Grabungen durchführen.

"30 Jahre hat es gedauert, bis die deutsche Öffentlichkeit von einem kleinen, aber, wie man heute weiß , auch einem der grausamsten Konzentrationslager der Naziherrschaft erfuhr." Mit diesen Worten leitete Moderator Gerald Kessler das vom SWR 2 veranstaltete Diskussionsforum "Graben, um aufzuwühlen" im Bürgerhaus Pölert ein, das mit 50 Gästen voll besetzt war.Jugendgruppen greifen das Thema auf

"Zwischen 1938 und 1945 sind hier 13 000 Menschen gequält worden, 300 Häftlinge sind in Hinzert umgekommen", klärte Kessler die Zuhörer auf. Viele der Häftlinge seien von hier in andere Konzentrationslager verschoben worden, darunter viele Franzosen, Belgier, Polen, Russen und vor allem Luxemburger. Für den Bau der Dokumentations- und Begegnungsstätte liegen inzwischen konkrete Pläne vor (der TV berichtete). Damit werden, so Kessler, die Bemühungen von Dieter Burgard, der als Vorsitzender des Fördervereins Dokumentations- und Begegnungsstätte 1989 seine Arbeit aufnahm, endlich gekrönt. "Insbesondere sind es immer wieder Jugendgruppen, die das Thema KZ Hinzert aufgreifen", so Burgard. "Diese Gruppen und auch viele einzelne Interessierte haben es dann geschafft, Hinzert nach und nach in das Bewusstsein der Menschen zu rücken." Bauen heißt aber Graben. Dies hat die Archäologen auf den Plan gerufen. Hans Peter Kuhnen, Direktor des Rheinischen Landesmuseums in Trier, war zusammen mit Uwe Bader, dem Leiter Gedenkstättenarbeit der Landeszentrale für Politische Bildung Rheinland-Pfalz, ins Bürgerhaus nach Pölert gekommen. Er bestätigte die Notwendigkeit der Grabungen in Hinzert. "Es wäre die erste archäologische Grabung nach Zeugnissen der NS-Zwangsherrschaft in Südwestdeutschland und in Rheinland-Pfalz." Grabungen auf dem Gelände des ehemaligen Außenlagers Rathenow des KZ Sachsenhausen in Brandenburg hätten neben Fundstücken auch die verschollenen Lagerstrukturen zutage gefördert. "Man hat auch von Seiten des Landes die Notwendigkeit gesehen, dass man hier etwas tun muss, um das Gedenken an die Opfer aufrecht zu erhalten", so Bader. Das Lager müsse in seiner Gesamtheit unter Denkmalschutz gestellt werden. Insbesondere für die Luxemburger sei die Gedenkstätte ein nationales Mahnmal, bemerkte Kessler. Der Umgang mit ihr werde in Luxemburg aufmerksam registriert."Wir sind ein Ort, der sich stellt"

In einer sachlichen Diskussion der Podiumsteilnehmer mit Bürgern aus Hinzert und Hobby-Historikern wurde eines klar: "Wir haben mit persönlicher Schuld nichts zu tun. Das, was hier geschehen ist, darf nicht vertuscht werden. Wir sind ein Ort, der sich stellt" ­ so lautete der Tenor. Deshalb sei es sehr wichtig, auf dem Gelände die geplante Dokumentations- und Begegnungsstätte zu errichten. So werde eine Möglichkeit geschaffen, die Jugend an die Hand zu nehmen und pädagogische Arbeit zu leisten, indem das Gewesene anschaulich dargestellt und vermittelt wird. Ortsbürgermeisterin Mathilde Müller stellte fest, dass auch im Dorf Arbeit geleistet werde. "Im Rahmen von Projektarbeiten ist das Thema von den Kindern verarbeitet worden." "Eines hat mich heute beeindruckt", so Moderator Kessler. "Es gab nicht ein einziges Votum gegen die Errichtung der geplanten Stätte." Die Diskussion in Pölert wird heute um 17.05 Uhr in SWR 2 ausgestrahlt.