Grabsteine mahnen zur Toleranz

ZERF. (hm) Ester Hermann, geborene Isai, Abraham Hermann und Johanette Meyer sind einige der Namen, die auf den Grabsteinen des jüdischen Friedhofs in Zerf eingraviert sind und von vergangenen Zeiten zeugen.

"Der jüdische Friedhof in Zerf ist uns eine Stätte der Erinnerung und Mahnung. Sie ist Erinnerung an die jüdischen Mitbürger, die während des Holocausts aus ihrem Heimatort vertrieben oder in Lager verschleppt, grausam gequält und ermordet wurden", sagt Ortsbürgermeister Manfred Rommelfanger. Viele Einzelschicksale, auch die ganzer Familien sind mit den Grabstellen des jüdischen Friedhofs in Zerf verknüpft. Unscheinbar, aber gepflegt liegen die im Eigentum der Synagogen-Gemeinde Trier befindlichen elf Grabstellen oberhalb der Ruwer im Mühlenflur, umfriedet von einer Buchenhecke. Der Friedhof liegt in der Pflegschaft der Ortsgemeinde, der Gemeindearbeiter achtet auf einen guten Zustand. In die elf Steine der Gräber, zwei davon Kindergräber, sind typisch jüdische Namen eingraviert. Ester, Abraham oder Isai lauten sie. Schicksale aus einer unsäglichen Zeit kommen beim Betrachten in Erinnerung. In den 30er-Jahren wohnten mehrere jüdische Familien in Zerf, betrieben Viehhandel oder hatten in einem Fall ein Lebensmittelgeschäft. Niemand in Zerf, so ist in Chroniken zu lesen, habe in den jüdischen Mitbürgern etwas anders gesehen als "Menschen wie du und ich". Mit der Machtergreifung wurde alles anders

Das änderte sich nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten schlagartig, wie Chronist Edgar Christoffel in seinem Buch "Der Hochwaldort Zerf am Fuße des Hunsrücks" berichtet. Beispielsweise wurde Männern, die über zehn Jahre Mitglied in der Feuerwehr waren, mitgeteilt, dass ihre Mitgliedschaft ab sofort erloschen sei. Auch inaktive Mitglieder waren von diesem Ausschluss betroffen, obwohl sie in Zerf geboren und aufgewachsen waren. Nun waren sie plötzlich Ausgestoßene und gehörten nicht mehr zur Dorfgemeinschaft. Christoffel: "Beschimpfungen und Demütigungen gab es auch für die Zerfer Juden, allerdings so vereinzelt, dass die Bevölkerung dies gar nicht wahrnahm, sondern nur diejenigen, die dies zufällig sahen." Einige Familien emigrierten 1938 nach Amerika, andere flohen beim Einmarsch der Deutschen 1940 von Luxemburg, wo sie sich von Zerf aus nieder gelassen hatten, in den unbesetzten Teil Frankreichs, später von dort aus in die Schweiz. Andere jedoch wollten Zerf nicht verlassen. Ihr Weg war vorgezeichnet. Sie wurden in ein Lager deportiert und dort ermordet, wie Christoffel berichtet. Manche Häuser, in denen die jüdischen Mitbürger wohnten, existieren nicht mehr. Eine Synagoge gab es in Zerf nicht. Deshalb hielten die Juden zu Beginn der Jahrhundertwende ihren Gottesdienst in einem Haus in Niederzerf ab. Ende der 20er-Jahre kauften sie ein Haus an der Ecke Bahnhofstraße/Trierer Straße und richteten dieses als Synagoge ein. Diese wurde 1930 nach einem feierlichen Umzug, an dem auch die Juden aus Pellingen, Greimerath und Schillingen teilnahmen, ihrer Bestimmung übergeben. Den Gottesdienst hielt der Vorsteher der jüdischen Gemeinde von Zerf.Friedhof soll ständige Mahnung sein

Das Schicksal der Zerfer Juden ist in einzelnen Fällen bekannt. Einigen gelang die Emigration nach Amerika, andere wurden in Lager verschleppt und dort ermordet. Das Los der anderen, deren weiteren Weg man nicht verfolgen konnte, kann man nur erahnen. Heute zeugen nur noch die Grabsteine von den Menschen, die als ganz normale Zerfer Bürger plötzlich zu Ausgestoßenen in den eigenen Reihen wurden. Rommelfanger: "Dieser Friedhof soll eine ständige Mahnung zur Toleranz gegenüber Menschen anderen Glaubens oder anderer kultureller Herkunft sein."