Grenzen erkennen und überwinden

TABEN-RODT. Mitten in der Wald-Wiesen-Idylle hinter der Tabener Propstey steht - auf den ersten Blick - ein Gewirr von mächtigen Masten, die irgendwie mit kräftigen Seilen verbunden sind. Auch ein weitmaschiges Netz schwingt im Wind. Gedanken an einen paramilitärischen Übungsplatz kommen auf. Weit gefehlt: Es ist ein Hochseilgarten.

Drüben vom Steinbruch schallt und dröhnt es. Das bringt die Mädchen und Jugendlichen der Feuerwehr Rohrbach bei St. Ingbert nicht durcheinander. In luftiger Höhe demonstrieren sie die Nutzungsmöglichkeiten dieses "Klettergartens". Einer überquert einen stattlichen Balken. Wie verhinderte Artisten wirken zwei andere, die ein Hochseil überqueren, der eine von A nach B, der andere von B nach A - und zwar gleichzeitig. Irgendwo müssen sie aneinander vorbei. Das klappt. Die Untenstehenden spenden Beifall. Keine Gefahr für die Gesundheit

Nichts Halsbrecherisches ist dabei. Denn die "oben" tragen Helme, Klettergurte wie beim Bergstiegen üblich und sind mit Leinen gesichert, die von zwei Mann "Bodenpersonal" mit Argusaugen geführt werden. Christoph Schmitt, der Leiter des Hochseilgartens, klärt auf: "Diese Einrichtung ist im Zusammenhang mit Erlebnispädagogik zu sehen." Aha - dämmert es dem pädagogisch Geschulten - das hat etwas mit "schwer Erziehbaren" zu tun, wie man diese Gruppe von Kindern und Jugendlichen "in grauer Vorzeit" nannte. Heute gelten sie schlichtweg als "problematisch". Um diese Gruppe von Jugendlichen und Kindern kümmern sich die Pallottiner. Ein katholischer Orden in der Propstey in Taben. Sie unterhalten dort eine Grund- und Hauptschule, die bald eine Turnhalle erhält, und einen Kindergarten. Obendrein leisten sie Jugendhilfe. Die Zentrale sitzt im saarländischen Neunkirchen, was die Häufung "saaroisischer" Autokennzeichen in Taben an diesem Tag der Präsentation erklärt. Aber es hatten sich auch genügend Rheinland-Pfälzer eingefunden, der Tabener Ortsbürgermeister Klaus Neuses, Sponsoren des Projektes, darunter der Saarburger Rotary-Club mit dem Präsidenten Henk Groot-Tjooitink, höhere Chargen der Feuerwehren aus dem Kreis Trier-Saarburg, Mitarbeiter der Kreisverwaltung und der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier, die Polizei Saarburg. Prälat Roland Ries, der seine Verbundenheit mit der Caritas dokumentierte, Bürgermeister Günther Schartz (VG Saarburg) sowie der Landtagsabgeordnete Dieter Schmitt (Fisch). Verantwortung und Teamarbeit

Direktor Pater Herbert Heuel erläuterte: "Die über 1000 Jahre alte Propstey war immer gut für Überraschungen. Nach segensreichem Wirken der Benediktiner, deren Kloster mit den Reliquien des Kinder- und Jugendheiligen Quiriakus eine Wallfahrtsstätte mit großer Ausstrahlung war, haben ab 1931 die Karmelitinnen das Werk der Mönche segensreich weitergeführt. Nachwuchsmangel führte dazu, dass ab 1998 die Pallottiner in die Bresche sprangen." Und der Hochseilgarten? Der soll über persönliche, hautnahe Erfahrung Verantwortung und Teamarbeit erlernen helfen. Christoph Schmitt erklärt: "Kinder lernen Grenzen kennen und überwinden, lernen Vertrauen und Verlässlichkeit. Das alles entwickelt die Persönlichkeit, führt zu Entwicklungsschüben." Heuel ergänzt: "Da können selbst Erwachsene von profitieren." Selbstverständlich steht geschultes Personal zur Verfügung, so dass Anfragen und weitere Informationen jederzeit beantwortet und erteilt werden können. Die Telefon-Nummer lautet: 06582/914040.