Unternehmen: Großer Bruder soll kleiner Klinik helfen

Unternehmen : Großer Bruder soll kleiner Klinik helfen

Der Kreis und das Landeskrankenhaus wollen zusammenarbeiten, um die Saarburger Klinik langfristig zu sichern. Defizite werden das Haus dennoch mindestens eine Weile begleiten. Eine Sanierung und ein Teilneubau stehen auf der Prioritätenliste ganz oben.

In nicht-öffentlicher Sitzung hat der Kreistag Trier-Saarburg vergangene Woche den Weg frei gemacht für eine Kooperation des Saarburger Kreiskrankenhauses mit dem Landeskrankenhaus. Die Anstalt öffentlichen Rechts mit Sitz in Andernach ist der größte Krankenhausträger im psychiatrisch-psychotherapeutischen und neurologischen Bereich in Rheinland-Pfalz. Ihr soll die Geschäftsbesorgung übertragen werden.

Konkret bedeutet das: Gerald Gaß, Geschäftsführer des Landeskrankenhauses, übernimmt diese Leitungsfunktion auch in Saarburg. Zentrale Fachabteilungen des Landeskrankenhauses unterstützen künftig wichtige Aufgaben wie Qualitätsmanagement, Controlling, Medizincontrolling und Budgetverhandlungen mit den Krankenkassen.

Der Landkreis bleibt Träger des Hauses. Landrat Günther Schartz sagte bei einer Pressekonferenz am Dienstag: „Das Saarburger Krankenhaus kann organisatorisch nicht alles alleine regeln. Dafür sind wir auf Dauer zu klein. Deshalb haben wir nach einem Partner gesucht.“  Ihm sei wichtig gewesen, einen Partner aus dem öffentlichen Bereich zu finden. Der Kooperationsvertrag soll im Mai unterschrieben werden.

Gaß erläuterte, dass das Landeskrankenhaus die Anfrage des Landrats vor zehn Monaten intensiv geprüft habe. Gaß: „Das Ergebnis lautet: Eine Zusammenarbeit ist möglich und erfolgversprechend. Ziel ist es, den Krankenhausstandort in Saarburg langfristig zu sichern.“ Das Landeskrankenhaus ist Träger von 17 Standorten mit 2000 Betten. In Saarburg sind rund  200 Betten genutzt. Laut dem Geschäftsführer, der auch Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft ist, hat der Träger nur eines Hauses kaum eine Chance, wirtschaftlich zu arbeiten. Auch für die Fachkräftesicherung sieht Gaß große Vorteile für Saarburg. So verfüge das Landeskrankenhaus über eine eigene Fortbildungsakademie, habe Erfahrung in Telemedizin und könne viele Kooperationen im Land und den gesamten Verbund für die Ausbildung nutzen.

Um das Krankenhaus, das ein Haus der ärztlichen Grundversorgung bleibt, weiterzuentwickeln, sollen wie bereits angekündigt künftig Schwerpunkte in den Bereichen Geriatrie und Psychiatrie gesetzt werden. So rechnet der derzeitige Geschäftsführer Joachim Christmann damit, dass das Land noch in diesem Jahr 60 Betten für eine Fachabteilung Psychiatrie und Psychotherapie bewilligt, in der die 20 Betten der bestehenden Psychosomatik aufgehen sollen. Für die Geriatrie sind bereits 30 Betten bewilligt. Auch baulich soll einiges in Saarburg passieren. Der Kreistag hat mit seinem Grundsatzbeschluss einem umfangreichen Sanierungs- und Teilneubauprogramm zugestimmt. Laut Christmann will man sich zunächst allein auf die Klinik konzentrieren und rund 50 Millionen Euro in einen Teilneubau mit 150 Betten sowie die Sanierung älterer Gebäudeteile investieren. Dafür werden Zuschüsse des Landes erwartet. Die Mitarbeiterzahl soll bei 600 bestehen bleiben.

Bauliche und medizinische Weiter­entwicklung haben Kreisverwaltung und Landeskrankenhaus in einem Businessplan festgehalten, der bis 2026 umgesetzt werden soll. Christmann: „Bis dahin steht hoffentlich der Teilneubau.“ Die Verantwortlichen versprechen sich von dem Neubau optimierte Stationen. Derzeit seien die Strukturen ungünstig, was mehr Pflegepersonal binde.

Der Kreistag hat im übrigen zugestimmt, die Defizite zum Erhalt und der Modernisierung des Krankenhauses auch in Zukunft vollständig zu tragen. In diesem Jahr ist ein Defizit von 4,9 Millionen Euro eingeplant. Doch wann sind die Zeiten der Defizite vorbei? Landrat Schartz wagt eine vorsichtige Prognose: „Wir hoffen, dass dies in der Mitte des nächsten Jahrzehnts passiert.“

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