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Großer Sturm und warmer Geldregen

Großer Sturm und warmer Geldregen

Genau vor einem Jahr rauschte "Kyrill" übers Land und hinterließ vielerorts vor allem in den Waldgebieten eine große Spur der Verwüstung. Auch im Hochwald lagen nach dem Orkantief vom 18. Januar 2007 Zehntausende Festmeter Holz am Boden. Doch die Forstexperten betonen: "Wir sind damals noch glimpflich davongekommen."

Hermeskeil/Kell am See. Wer heute im Hochwald unterwegs ist, erkennt an einigen Stellen noch unschwer die sichtbaren Spuren, die der Orkan "Kyrill" vor einem Jahr hinterlassen hat. Ein exemplarisches Beispiel dafür ist die Windwurffläche am "Forsthaus Königsfeld" bei Geisfeld. Größeren Kahlschlag richtete "Kyrill" auch im Bereich Bescheid/Beuren an. "Der nördliche Rand des Osburger Hochwalds war bei uns eindeutig ein Schadensschwerpunkt", bilanziert Bernhard Buss, der Leiter des Forstamts Hochwald. In seinem Zuständigkeitsbereich, der die Verbandsgemeinden (VG) Hermeskeil und Ruwer umfasst, brachte der Orkan insgesamt 35 000 Festmeter Holz zu Fall. "Das entspricht etwa einem Drittel des normalen Hiebsatzes in unserem Forstamt", so Buss. Sturm kam in günstiger Situation auf dem Holzmarkt

Von den rund 24 000 Festmetern, die im Forstamt Saarburg plötzlich am Boden lagen, entfallen allein 18 000 auf die Reviere in der VG Kell. Dennoch betont dessen Chef Helmut Lieser: "Wir sind verglichen mit dem Nordosten von Rheinland-Pfalz, wo einige Forstämter mehr als 200 000 Festmeter Windwurfholz hatten, noch glimpflich davongekommen." Auch habe "Kyrill" im Hochwald bei weitem nicht so schlimm gewütet, wie die Stürme "Vivian" und "Wiebke" im Jahr 1990.Buss weist zudem darauf hin, das "Kyrill zu einem Zeitpunkt kam, als auf dem Markt eine große Nachfrage an Fichtenholz herrschte und die Preise hoch waren." Weil es den Forstleuten bei ihrer übrigens nicht ungefährlichen Arbeit gelang, das gefallene Holz vergleichsweise schnell aufzuarbeiten - im Forstamt Saarburg war man damit Ende März, im Forstamt Hochwald im Juni/Juli 2007 weitgehend fertig - konnte es noch gut vermarktet und in bestehende Verträge mit Großabnehmern untergebracht werden. "Kyrill" zerstörte Produktionsvorräte

Das führte mitunter dazu, dass sich Gemeinden wegen "Kyrill" über einen unerwartet starken, warmen Geldregen freuen konnten. So endete das Forstjahr 2007 im Schillinger Wald plötzlich mit einem Überschuss von 110 000 Euro, in Bescheid wurde aus dem ursprünglich eingeplanten Plus von 7000 Euro ein saftiger Gewinn von 50 000 Euro. Bei oberflächlicher Betrachtung könnten diese positiven Bilanzen zu der Frage führen: "Sollten sich die Waldbesitzer öfter einen Orkan wie ,Kyrill' wünschen?" Buss' klare Antwort lautet "Nein", und er verweist auf die Kehrseite der Medaille: "Was umgefallen ist, sind unsere Produktionsvorräte." Die immer häufiger werdenden Sturmereignisse gefährden zudem laut Buss das in der Forstwirtschaft geltende "Prinzip der Nachhaltigkeit", wonach nicht mehr Bäume gefällt werden sollen als nachwachsen.Und welche Lehren ziehen die Forst-Experten ein Jahr nach "Kyrill"? Für Buss ist klar: "Das sind Vorboten klimatischer Änderungen, die uns den klaren Hinweis geben, dass wir weg von den Fichten-Monokulturen müssen." Bei der Aufforstung sollten verstärkt widerstandsfähigere und besser auf den Klimawechsel angepasste Arten wie Douglasie und Weißtanne oder Laubbäume wie Eiche und Buche zum Einsatz kommen. Denn die Konsequenz aus "Kyrill" und Co. heißt für Buss: "Unsere Wälder müssen vielfältiger und artenreicher werden."Region Seite 13