Großes Lob für Konzer Holzhäuser: Wohnraum für Flüchtlingsfamilien ist fast fertig

Großes Lob für Konzer Holzhäuser: Wohnraum für Flüchtlingsfamilien ist fast fertig

Der Chef des Deutschen Städte- und Gemeindebunds hat sich die Holzhäuser für Flüchtlinge in Konz vor Ort angesehen und lobt sie in höchsten Tönen. Zugleich warnt er davor, dass die Herkulesaufgabe der Integration noch auf die Kommunen zukommt.

Konz. Es riecht nach frisch verarbeitetem Holz, als Architekt Manfred Müller die Tür des weißen Holzhauses aufstößt. Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB), und Winfried Manns, Geschäftsführer des rheinland-pfälzischen Pendants, betreten das neue Holzhaus in der Konzer Saarstraße - beide sind positiv überrascht von dem fertigen Haus. An den Nachbarhäusern sind noch mehrere Arbeiter regionaler Firmen zugange. Später sollen in den insgesamt drei zweistöckigen Gebäuden aus Fichtenholz auf jeweils 50 Quadratmetern drei fünfköpfige Flüchtlingsfamilien untergebracht werden.

In dem ersten fertigen Haus stehen schon jetzt zwei Schlafzimmer, ein Bad und ein Wohn-Küchen-Bereich für die Bewohner bereit. Wann die ersten Mieter einziehen, ist allerdings noch nicht klar.
Die Verbandsgemeinde (VG) Konz hat das Projekt bezahlt. Pro Holzhaus fallen 77 000 Euro an. Zum Vergleich rechnet Architekt Müller vor, dass ein vergleichbarer Wohncontainer mit 100 000 Euro zu Buche schlage. Die Ausstattung bei den Holzhäusern ist inklusive: ein Doppel-, ein Etagen- und ein Einzelbett ebenfalls aus Holz, eine Küche mit Herd, Dunstabzugshaube und Kühlschrank sowie eine Wärmepumpe für die Heizung. Als er das Haus betritt, witzelt der Konzer Bürgermeister Karl-Heinz Frieden wegen des Holzgeruchs: "Das ist ja fast Urlaubsatmosphäre."

"Absolut vorbildlich"

Irgendwann fällt der Satz, der ihn, Manns und Müller stolz machen dürfte: "Wir halten das Projekt für absolut vorbildlich", sagt Landsberg, der für 14 000 Städte, Kreise und Gemeinden in ganz Deutschland zuständig ist. In Konz sei es gelungen, preiswert, schön und schnell dezentrale Unterkünfte für Flüchtlinge zu errichten. Das sei trotz rückläufiger Flüchtlingszahlen wichtig. Die Herkulesaufgabe der Integration stehe noch bevor: "Je schneller das Bundesamt für Migration die Verfahren abarbeitet, desto schneller kommen die Flüchtlinge in den Kommunen an", führt Landsberg aus. Dort fehle es an Wohnraum. Deutschlandweit sind 2015 laut Landsberg 270 000 neue Wohnungen gebaut worden - 350 000 bis 400 000 seien eigentlich erforderlich gewesen.

Der kommunale Spitzenfunktionär fordert den Bund auf, die geplante Wohnsitzauflage für anerkannte Asylbewerber umzusetzen. Dadurch werden die Flüchtlinge an Wohnorte gebunden. "Wir brauchen deutschlandweit eine gerechte Verteilung, um Ghettos in Ballungszentren zu vermeiden und die Integration voranzutreiben", sagt Landsberg. Vom Bund fordert er mehr Geld, denn aus seiner Sicht kommen 25 Milliarden Euro Integrationskosten auf die deutschen Kommunen zu.
Geld würde auch Frieden annehmen. Gerade wegen der Lage an der luxemburgischen Grenze im Speckgürtel der Stadt Trier sei der Wohnraum in und um Konz teuer und rar, beschreibt er die regionalen Besonderheiten. Die Mietpreise entwickelten sich negativ für die Kommunen. Gerade das Anmieten von Hotels für Flüchtlinge sei sehr teuer. Seine Folgerung: "Wir brauchen Eigentum."Extra

Karl-Heinz Frieden, Bürgermeister der VG Konz, Winfried Manns, Geschäftsführer des rheinland-pfälzischen Städte- und Gemeindebundes und Gerd Landsberg vom Deutschen Städte- und Gemeindebund besichtigen die Küche des ersten fertigen Holzhauses für Flüchtlinge in Konz. Foto: Friedemann Vetter (ClickMe)

Der ehemalige Bürgermeister der Verbandsgemeinde Konz, Winfried Manns, hat die Idee zusammen mit dem Konzer Architekten Gerd Kintzinger ausgetüftelt. Dann haben sie mit dem Architekten Manfred Müller einen Experten für Holzbau ins Boot geholt. Die Häuser in der Saarstraße entsprechen modernsten Vorgaben in Sachen Wärmedämmung und Energiesparen. Sie bestehen jeweils aus vier Holzmodulen, die alle mit Holz aus der Region konstruiert worden sind. "Wir wollten ein würdiges Übergangszuhause schaffen", sagt Müller. Dass regionale Firmen an dem Projekt verdienten, trage zur Akzeptanz der Flüchtlinge bei. Sollten die Häuser nicht mehr gebraucht werden, können sie laut Müller problemlos demontiert und anderweitig genutzt werden - zum Beispiel als Gartenhaus oder als kleines Einfamilienhaus. cmk

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