Gründe für den hohen Wasserpreis

Gründe für den hohen Wasserpreis

Das Konzer Wasser ist im Vergleich mit den Preisen in anderen Kommunen auf den ersten Blick das teuerste. Die Gründe für die Kalkulation erläutern die Experten aus der Konzer Verwaltung.

Konz. Wasser - das ist für so manch einen Konzer inzwischen ein Reizwort. Auf der einen Seite gibt es die Einführung der wiederkehrenden Beiträge beim Schmutzwasser ab 2009 und beim Wasser ab 2010. Damit kommen zwar die Geldbeutel vieler Kunden noch recht glimpflich davon. Es gibt allerdings auch solche Bürger in der Verbandsgemeinde Konz, die tiefer in die Tasche greifen müssen, weil sie ein großes und/oder unbebautes Grundstück besitzen (der TV berichtete). Das ist Reizthema Nummer eins.

Nummer zwei ist der Preisvergleich mit anderen Kommunen. "In Konz fließt am meisten Geld ins Wasser" titelte der TV im März. Demnach muss eine Konzer Durchschnittsfamilie im Versorgungsbereich I fürs Wasser rund 380 Euro, fürs Abwasser 602 Euro bezahlen. In Schweich ist der Gesamtpreis rund 400 Euro niedriger. Eine Reihe von Leserbriefen erreichte daraufhin die TV-Redaktion. Einige Fragen daraus hat der TV Joachim Weber, erstem Beigeordneter der Verbandsgemeinde, Stefan Oberbillig, Leiter der Konzer Verbandsgemeindewerke, und seinem Stellvertreter Wolfgang Grün vorgelegt.

Eine allgemeine Frage: Warum ist das Konzer Wasser so teuer?

Es gibt nach Angaben von Weber mehrere Gründe dafür, warum sich der Wasserpreis in Konz von anderen abhebt. Unter anderem hänge das mit den Erneuerungsbeiträgen zusammen. Wenn irgendwo eine Straße aufgerissen werde, um Rohre zu erneuern, müssten beispielsweise in Saarburg die Anlieger einen Einmalbetrag bezahlen. In Konz dominiere das Solidaritätsprinzip. Die Kosten werden auf den für alle gültigen Wasserpreis geschlagen.

Zweiter Grund: Es gebe im Vergleich zu anderen Landstrichen relativ viele Täler, Höhen und viel freies Gelände. "Wir müssen viel pumpen", sagt Oberbillig. Ruwer dagegen komme fast ohne Pumpwerke aus. Im Konzer Land gebe es 36 solcher Anlagen, zuzüglich der Hochbehälter. Außerdem kommen weite Wege zwischen den Anlagen hinzu. Die erstmalige Herstellung sowie die Wartung der Infrastruktur tragen zum hohen Wasserpreis bei.

Schuldenberg beeinflusst Wasserpreis



Und dann gibt es da auch noch "den Verlustvortrag" der Werke, also die millionenhohen Schulden. Sie wurden zum einen angehäuft, weil der Wasserpreis über Jahre hinweg nicht den Kosten angepasst worden ist. Zum anderen spiele laut Grün auch der Bau der Kläranlage an der Saarmündung eine Rolle. Im Gegensatz zum Bauprojekt in Schweich ist die Konzer Anlage genau dann entstanden, als das Land seine Förderung dafür zurückgeschraubt hat. Die Kläranlage sei nur zu einem Drittel vom Land gefördert worden. Durch die Schulden sei die Zinsbelastung in Konz überdurchschnittlich hoch. Die Betriebskosten dagegen liegen unter dem Landesdurchschnitt.

Leser Franz Bodem aus Wawern geht davon aus, dass die Anlagen der Werke überdimensioniert sind.

Die Größe einer Kläranlage werde bemessen nach der Schmutzfracht, die dort ankomme, erklärt Werksleiter Oberbillig. Das Konzer Klärwerk an der Saarmündung sei ursprünglich für 27 000 Einwohnerwerte konzipiert worden. Das ist nicht gleichzusetzen mit 27 000 Einwohnern, weil beispielsweise Kleinbetriebe mit zehn bis 20 Einwohnerwerten eingestuft werden. Aufgrund diverser Messungen und der steigenden Einwohnerzahlen wurde die Kläranlage vor vier Jahren erweitert. Aktuell ist sie nach Angaben Oberbilligs für 54 000 Einwohnerwerte ausgelegt.

Damit sie besser ausgelastet ist, werden inzwischen auch Abwässer wie aus Tawern, Wellen und aus dem Jeuchen nach Konz transportiert. Pellingen, Nittel und Wiltingen verfügen über eine eigene Kläranlage. Diese Abwässer nach Konz zu bringen, sei wegen topographischer Gegebenheiten und der Distanz zu Konz nicht zu leisten.

Klemens Rutsch aus der VG Irrel: Wäre es nicht möglich, nur das Niederschlagswasser abzurechnen, das nicht versickert oder gesammelt wird, sondern wirklich in den Kanal fließt?

"Wir haben die gesetzliche Verpflichtung, das ganze Niederschlagswasser entsorgen zu können", sagt Oberbillig. Dementsprechend seien auch die Anlagen konzipiert und gebaut worden. Stellvertreter Grün ergänzt, dass es mit einem riesigen Verwaltungsakt verbunden wäre zu erfassen, wo wie viel Wasser versickere.

Bei der Einführung des neuen Entgeltsystems habe sich die Verwaltung an die rechtlichen Vorgaben des Kommunalabgabengesetzes gehalten, sagt Weber. "Spielraum, die Gegebenheiten differenzierter zu betrachten, gibt es nicht."

Anlage gegen das "harte" Rohwasser



Leser Max-Gerhard Brauer aus Könen berichtet von seinen Erfahrungen mit schlechter Wasserqualität.

"Die Qualität des Wassers wird ständig überprüft", sagt Joachim Weber. Das erfolge durch unabhängige Stellen, aber auch in einem eigenen Labor. Zudem gehöre Konz zu den wenigen Kommunen im Land, die wegen des "harten" Rohwassers über eine eigene Entkarbonisierungsanlage verfüge. Durch diverse Vorgänge soll dabei der Kalk (auch bekannt als Calciumcarbonat) reduziert und die Wasserhärte auf einem für Mensch und Maschinen verträglichen Niveau gehalten werden. Auch durch eine geringe Beigabe von Salzsäure werde der Kalkgehalt reduziert. Aber: "Unseren Rohren macht das gar nichts", sagt Oberbillig.

Sind die Kosten der Entkarbonisierungsanlage auch verantwortlich für den hohen Wasserpreis?

Die Anlage stamme aus den 70er Jahren, werde also seit 40 Jahren abgeschrieben. "Es sind gewisse Kosten da, aber spürbar ist das nicht", sagt Weber.

EXTRA
Widerspruch beim Kreisrechtsausschuss: Dass die neue Berechnung der Abwasser- und Wassergebühren im Konzer Land gerecht sein soll, bezweifelt neben vielen weiteren Kritikern auch der Oberemmeler Richard Bidinger. Er hat beim Kreisrechtsausschuss Widerspruch eingereicht (der Trierische Volksfreund berichtete). "Der Widerspruch liegt dem Kreisrechtsausschuss vor, ist aber noch nicht behandelt worden", sagt Thomas Müller, Pressesprecher der Kreisverwaltung, auf TV-Anfrage. Wann es Thema wird, wird sich vermutlich bald klären. (api)

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