"Guck', wo Du bleibst"

AACH/HOHENSONNE. Bis zu 25 000 Fahrzeuge, davon 4000 Lastwagen, rollen täglich auf der B51 durch Hohensonne. Für die Anwohner eine unerträgliche Belastung. Eine Briefaktion an die politischen Mandatsträger der Region trägt erste Früchte.

"Deutschland ist wiedervereint - Hohensonne nicht." Dieses Schild, aufgestellt an der B51, drückt sehr genau das Anliegen der Bürger von Hohensonne aus. "Wir fordern eine Umgehung für den Ortsteil Hohensonne", erklärt Ortsbürgermeister Josef Krein. Die Planungen für die Ortsumgehung bestünden schon seit Jahren, nun seien sie plötzlich nicht mehr relevant. "Mainz hat die Umgehungen für Hohensonne, Helenenberg und Neuhaus nicht mehr für den Berliner Bundesverkehrswegeplan empfohlen", sagt Krein, "das können wir so nicht hinnehmen." Eine sofortige Entschärfung der Situation sei durch die Sperrung der B51 für den Schwerlastverkehr möglich, fordert Krein. Dies sei vom Kreis Bitburg auch beschlossen, jedoch vom Kreis Trier-Saarburg mit dem Hinweis auf das überlastete Moseltaldreieck abgelehnt worden. Mit einer Briefaktion an verschiedene Regionalpolitiker machten die aufgebrachten Anwohner, deren Ortsteil von der B51 in zwei Teile getrennt wird, ihrem Unmut Luft. Sie forderten einen Lokaltermin. Der Bundestagsabgeordnete Bernhard Kaster, Dieter Schmitt, Mitglied des Landtages, und Verbandsbürgermeister Wolfgang Reiland folgten der Einladung und machten sich gemeinsam mit den Betroffenen ein Bild von der Situation in Hohensonne. "Man kann sich das gar nicht vorstellen, seit 20 Jahren jeden Tag Radau. Es gibt überhaupt keine Ruhepausen mehr", schildert ein Anwohner die Situation. "Ich sitze am Sonntagmorgen in meiner Küche und zähle aus dem Fenster 27 LKW", ergänzt seine Nachbarin. Das Abbiegen in die Seitenstraßen sei lebensgefährlich, berichtet ein Anderer. "Die LKW-Fahrer meinen, sie seien auf der Autobahn und fahren dicht auf. Wenn man dann bremst und abbiegen will, sind Hupe, Lichthupe und Stinkefinger noch das Harmloseste, was einem passieren kann." Viele Anwohner sind zu dem Treffen gekommen. Bei stürmischem Wetter steht die Gruppe direkt an der Bundesstraße, ständig donnern Laster vorbei. "Ich kenne die Situation", erklärt Bernhard Kaster, "das ist Autobahnverkehr." Die Umgehung, erklärt Kaster, sei ursprünglich für die Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan vorgesehen gewesen, nun habe er aber festgestellt, dass sie kein Bestandteil davon mehr ist. Überhaupt seien für die Region gravierende Abstriche wie der Moselaufstieg und die Nordumfahrung gemacht worden. Ihm sei in Berlin im Gespräch mit Staatssekretär Karl Diller mitgeteilt worden, dass eine Aufnahme gar nicht nötig sei, die Umfahrung könne auch anders finanziert werden. Dem wiederum widersprach Landeswirtschaftsminister Bauckhage mit dem Hinweis, dass eine Debatte in Berlin unmöglich ist, da die Umfahrung nicht für den Bundesverkehrswegeplan angemeldet ist. Auch der Optimismus von Dieter Schmitt hält sich in Grenzen. Das Dilemma sei, dass für solche Projekte in der Region Opposition und Regierung nicht an einem Strang ziehen. "Guck', wo Du bleibst", hieße die Devise. Es stünden jedoch neue Gespräche in Mainz an. "Die Landesregierung hat die Umgehung nicht für den Verkehrswegeplan vorgesehen. Wenn sich das nicht ändert, passiert bis 2015 nichts mehr." Auch Verbandsbürgermeister Reiland setzt auf Gespräche. In vier bis sechs Wochen werde man sich in Koblenz mit Vertretern aus Mainz, Mandatsträgern der Region und dem Landesbetrieb Straßen und Verkehr an einen Tisch setzen. Den betroffenen Bürgern rät Dieter Schmitt: "Bilden Sie eine Bürgerinitiative." Auf das Thema aufmerksam machen sei die beste Möglichkeit, etwas zu bewegen.