Guildo Horn tritt im Ducsaal in Freudenburg auf

Kultur : Guildo Horn im Freudenburger Ducsaal: Kult-Entertainer im Kultclub

Warum Guildo Horns Auftritt im Freudenburger Ducsaal jetzt schon das Konzert des Jahres im Saarburger Land.

So viel vorweg: Ein Abend mit Guildo Horn ist kein Konzert, sondern ein Naturereignis. Das von seinen Fans respektvoll „Meister“ genannte – als Horst Köhler 1963 in Trier geborene – Multitalent ist sicher einer der bekanntesten und besten Entertainer, die auf deutschen Bühnen unterwegs sind. Normalerweise füllt Guildo die großen Hallen der Republik, in Trier spielt er jedes Jahr das legendäre Weihnachtskonzert in der Europahalle. Nun gefiel es dem Meister, einen kleinen, aber exquisiten Club an der Grenze zum Saarland zu bespielen.

Hautnah, distanzlos sozusagen: Je 280 euphorisierte Menschen füllen am Samstag- und am Sonntagabend den Freudenburger Ducsaal, mit dessen Inhaber Manfred Weber Guildo Horn eine 35-jährige Freundschaft verbindet. Trotzdem ist es das erste Konzert des Trier­ers in Freudenburg: „Es hat sich bisher nie ergeben“, sagt Weber.

Der Meister und seine famose Combo, die Orthopädischen Strümpfe, legen los, als gelte es, dieses Versäumnis nachzuholen. Schon nach wenigen Augenblicken brennt die Luft im wunderbar schummrigen Ambiente des Ducsaals mit den Holzvertäfelungen und der niedrigen Decke. Zu sagen, dass Horn Schlager singt, wäre mächtig zu kurz gegriffen. Er hebt dieses Genre auf eine neue Ebene, befreit von Schmalz, aber trotzdem voller Gefühl interpretiert er die Songs (vor allem aus den 1970ern) auf ein rockige, bluesige oder poppige Art. Oder eben alles gemischt.

Das macht aus „17 Jahr, blondes Haar“, „Immer wieder geht die Sonne auf“ von Udo Jürgens    oder „Wunder gibt es immer wieder“ von Katja Ebstein, tanz- und klatschbare Hymnen. Alles schon mal gehört, nur noch nicht so.

Für manche ist es das erste Guildo-Konzert. René, extra aus Frankfurt angereist, ist begeistert und abgekämpft. Ansonsten kommen überwiegend die Wiederholungstäter, langjährige Freunde aus Trier, Luxemburg und dem Saarland. Das Publikum singt mit, jede Zeile, schön, dass das kein Gegröle ist. Die Bude ist rappel-, aber nicht drangvoll. Schon bald nimmt Guildo ein Bad in der Menge, alles ist so nah, so direkt. Schweiß und Tränen sind sichtbar, riechbar, schmeckbar, eine Performance auf hohem (Spaß-)Niveau. Da mutiert der hartgesottenste Muffelkopf zum Feier-Biest. Die Damen himmeln den zeigefreudigen Sänger sowieso an.

„Gemischte Sauna Ducsaal“, ruft Guildo strahlend. Wie immer verausgabt er sich bis zur Erschöpfung. Alles erscheint ein bisschen wild, ist aber fein durchchoreographiert. Auch die Zugaben sind einwandfrei. So ist das, wenn Vollprofis am Werk sind. Das Grand-Prix-Lied von 1998 „Guildo hat euch lieb“ ist Höhe- und (fast) Schlusspunkt eines denkwürdigen Abends, den hundert Prozent der Besucher mit einem Dauergrinsen verlassen.

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