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Gunter Demnig verlegt Stolpersteine in Konz und Wasserliesch.

Geschichte : Erinnern mit Kopf und Herz

Künstler Gunter Demnig verlegt Stolpersteine in Konz und Wasserliesch zum Gedenken an Nazi-Opfer.

Gunter Demnig ist kein Mann der großen Worte. Still arbeitet er an der Verlegung seiner gold-glänzenden Stolpersteine, die im Pflaster an Opfer der Nazi-Diktatur erinnern sollen. „Hier wohnte Max Glass“, ist ins Messing vor dem Haus in der Römerstraße 49 in Konz-Karthaus eingraviert.

Während der Arbeit mit Mörtel und Kelle musizieren Gymnasiasten, und Vincent Maron vom Zentrum SchmitZ e.V. Trier erinnert daran, wer Max Glass war: geboren am 11. Dezember 1902 bei Stuttgart, von Beruf Eisendreher und homosexuell, wegen „versuchter Unzucht“ eingesperrt und im November 1941 im KZ Buchenwald an „akuter Herzschwäche“ gestorben. Für Bürgermeister Joachim Weber ist der Stolperstein auch ein Meilenstein, denn: „Die homosexuellen Opfer sind bislang viel zu wenig beachtet worden.“ Schüler einer Arbeitsgemeinschaft am Gymnasium klagen an: „Es war eine Zeit, als Liebende zu Verbrechern wurden.“

Weiter reist der Künstler nach Wasserliesch. Hier gibt es gleich zwei Adressen mit jüdischen Opfern, die Reinigerstraße 32 und die Hauptstraße 34a, mit zusammen acht Stolpersteinen, die jetzt ein bleibendes Mahnmal im Pflaster bilden.

Nina Kallenborn und Andrea Stoffel betreuten die Klasse 10b des Gymnasiums, die sich im bilingualen Unterricht mit der Geschichte der Opfer befasste und auch zweisprachige Plakate dafür entwarf, die vor Ort während der Verlegung aufgestellt waren.

Der Enkel einer Freundin der Betroffenen Berthilde Kaufmann, Tobias Haupenthal, ist nah dran an diesen Schicksalen. „Wenn man die Situation von damals von der Oma erzählt bekommen hat, ist diese Form des Gedenkens doch das Minimalste, was man tun kann“, findet der 41-Jährige.  

Die 92-Jährige Anni Dühr hat zwar nur in den Wasserliescher Ortsteil Reinig geheiratet, bekam aber genug des Schreckens von ihrem Mann erzählt. Sonst ein intelligenter Mensch, musste dieser sehr unter seinem Sprachfehler leiden.

Schülerin Lucy Tittizer hatte für das Projekt der 10b Einblick in Akten beim Amt für Wiedergutmachung in Saarburg. Die 15-Jährige sagt: „Wenn man die Originaldokumente sieht, wird erst so richtig klar, wie schlimm das alles war.“ Für dieses große Engagement dankte Ortsbürgermeister Thomas Thelen.

Der ehemalige Religions- und Deutschlehrer Willi Körtels aus Ober­emmel bezeichnet das Projekt zum Thema Judentum als bedeutend. „Bis zu 600 Opfer gab es allein im Landkreis Trier-Saarburg, allein 127 aus Konz, Könen, Wawern, Wiltingen, Filzen und Oberemmel“, weiß er aus seiner Forschung, die er auch in Büchern veröffentlicht hat. Inzwischen sei eine rege Kultur der Gedenkarbeit entstanden, die in jeden Wohnort ehemaliger jüdischer Mitbürger reichte.

 Max Glass lebte im Haus in der Römerstraße 49 in Konz-Karthaus. Seine sexuelle Orientierung wurde ihm in der Nazi-Diktatur zum Verhängnis.
Max Glass lebte im Haus in der Römerstraße 49 in Konz-Karthaus. Seine sexuelle Orientierung wurde ihm in der Nazi-Diktatur zum Verhängnis. Foto: Herbert Thormeyer

Leider liege die Zahl der Antisemiten in der Bevölkerung immer noch bei rund 20 Prozent.