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Gusenburger Dorfgeschichte wird lebendig

Gusenburger Dorfgeschichte wird lebendig

Ab Mittwoch feiert der Ort mit einem mehrtägigen Fest seinen 550. Geburtstag. An der Chronik wird noch gearbeitet.

Gusenburg Rudolf Müller bedauert: "Zum Jubiläum können wir die Chronik nicht fertigstellen." Der Historiker ist federführend in der Aufarbeitung der 550-jährigen Geschichte Gusenburgs, fügt aber sofort hinzu: "So kommen die Feierlichkeiten noch ins Buch." Auf ein Datum, wann die Chronik erscheint, will sich keiner im Team festlegen. Angeregt hat das Projekt der ehemalige Ortsbürgermeister Heinz Schuh, der zwischen 1998 und 2009 die Geschicke des Ortes lenkte. Sein Nachfolger Josef Barthen hat die Idee aufgegriffen und weiterverfolgt.
Schuh und Müller kennen sich aus der Kreispolitik. Mit Müller, dem Leiter der Kreisvolkshochschule, konnte ein studierter Historiker ins Team für die Chronik geholt werden. Rudolf Müller legt Wert auf Teamarbeit und beschreibt die Probleme, die zu Verzögerungen führten: "Der Nachlass des verstorbenen Edmund Schömer hatte nicht den Umfang wie erwartet, obwohl er schon mit der Chronik begonnen hatte." 1964 hatte Schömer schon einmal eine Gusenburger Ortskunde verfasst.
Vor allem der Quellennachweis verursache sehr viel Arbeit, berichtet Müller. Hilfe gibt es von Günter Dellwo, der seit 1970 jährliche Chroniken herausbringt und jetzt fleißiger Sammler von historischen Fotos ist. Die umfangreiche Quellensammlung von Armin Giebel, der erst im Februar gestorben ist und sich um die Kirchengeschichte gekümmert hat, gilt es auszuwerten. Außerdem sind Schulchroniken und Gemeinderatsbeschlüsse vor 1945 bislang nicht auffindbar.
Bis in die frühe Neuzeit und bis zu den Kelten und Römern soll die Geschichte des Ortes zurückverfolgt werden. Hier arbeiten Barbara Weiter-Matysiak und Agnes Weiß mit. Für das Ende der kurfürstlichen Zeit 1794, der Zugehörigkeit zu Frankreich bis 1814, die preußische Epoche bis zur NS-Zeit hat Rudolf Müller den geschichtlichen Regionalforscher Dittmar Lauer mit ins Boot geholt, der sich gerade mit dem dunklen Kapitel deutscher Geschichte gut auskennt.
Teil 3, nach dem Krieg mit dem dörflichen Wandel bis zur modernen Gemeinde, wird Müller gemeinsam mit Günter Dellwo aufarbeiten. Für das kirchliche Leben will der Historiker die Arbeit von Armin Giebel auswerten. Gusenburger Mundart, Brauchtum und Flurbereinigung ist das Thema von Alfons Becker, Ortsbürgermeister von 1989 bis 1994.
Eine Fotoausstellung, die am 15. Juni eröffnet wird, soll noch bis zum 26. Juni täglich von 14 bis 18 Uhr im Bürgerhaus zu sehen sein. "Die 320 Fotos richten sich vor allem an die einheimische Bevölkerung, die ihre Vorfahren auf den Bildern wiedererkennen kann", begründet das Dellwo. Fotos rufen Erinnerungen hervor, aus der Schulzeit, bei Dorffesten oder kirchlichen Feiern. Geplant ist außerdem, Zeitzeugen einzuladen und sie von früher erzählen zu lassen, Geschichte und Geschichten, die in das Buch mit einfließen können.
"Wir werden bei dieser Chronik nichts verschweigen oder auslassen und sachlich die Dinge beim Namen nennen", verspricht Rudolf Müller und bezieht sich dabei auch auf die NS-Zeit.
550 Jahre sei eigentlich ein sehr junges Jubiläum, aber es beziehe sich auf die erste urkundliche Erwähnung von 1467. Das Dorf sei auf jeden Fall wesentlich älter, wie Funde der Gesellschaft für nützliche Forschung 1891 bewiesen haben, die im Landesmuseum Trier konserviert wurden. Bekannt sind zwei römische Tempel auf dem Gebiet des heutigen Gusenburg. Die Flurnamen "Reitschule" und "Roter Hof" weisen auf die frühen Siedler hin.
Man wisse nicht genau, wie viele Einwohner Gusenburg einst hatte, aber eine spätere Abgabenliste von 1542 (eine Art Steuererklärung) enthält ein Dutzend Namen, die wiederum Familien repräsentieren, weiß Müller.
Ein Schwerpunkt wird die Kirchengeschichte sein, mit belegten Vorkommnissen wie dem des Pfarrers Bernhard Hermes. Er widersetzte sich den Anordnungen des preußischen Staates in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts und floh schließlich nach Luxemburg ins Exil. Er hatte nicht Theologie studiert und bekam deshalb ein Berufsverbot auferlegt.
Eine Besonderheit in Gusenburg ist das benachbarte Dorf Grenderich, von dem im 30-jährigen Krieg nur die Kirche übrig blieb. "Wir haben die Kosten für die Chronik auf 30000 Euro limitiert", sagt Ortsbürgermeister Josef Barthen. Ziel sei es, die Hälfte davon durch den Verkauf wieder hereinzuholen und auch Spenden und Sponsoren zu nutzen. Angepeilt ist vom Organisationsteam, circa 350 Seiten und fast so ebenso viele Fotos zu drucken.
Günter Dellwo ruft dazu auf, noch weitere Fotos zur Verfügung zu stellen. Er ist unter Telefon 06503/7337 oder per Mail an guenter.dellwo@t-online erreichbar.
Extra: DAS FESTPROGRAMM VOM 14. BIS 18. JUNI


14. Juni 20 Uhr: Rock-Pop-Nacht mit Corinna, Pauli und dem Musikverein Gusenburg, 21.30 Uhr: Jubiläums-Rock mit Klimaschock; 15. Juni Historischer Markttag mit Rittern, Gauklern und Falknerei, 11 Uhr: Altes Handwerk, 23 Uhr: Live-musik und Feuershow; 16. Juni 19 Uhr: Mundartabend mit Vortrag der Kita, 20.30 Uhr: Mundart-Rock mit der Leiendecker-Bloas; 17. Juni 10.30 Uhr: 1. Gusenburger Dorflauf mit Bambini- und Jugendlauf, Startzeiten: 10.30 Uhr, 11 Uhr und 11.30 Uhr, 19.30 Uhr: Festlicher Gusenburger Dorfabend, anschließend Livemusik mit den California Dreams; 18. Juni 9 Uhr: Festliches Hochamt, 10 Uhr: Fronleichnamsprozession, 11.30 Uhr: Frühschoppenkonzert mit dem Musikverein Geisfeld, 12 Uhr: Mittagessen, 14.30 Uhr: Kaffee und Kuchen, Kinderbelustigung, Luftballonwettbewerb und Bastelaktion, 16 Uhr: Gründung Bambini-Feuerwehr Gusenburg, 17 Uhr: Ziehung Tombola mit Hauptgewinn (1500 Euro), gemütlicher Festausklang.