Gut verankert
Seit 30 Jahren besteht die Lebensberatung Saarburg in diesem Jahr. Ihre Existenzberechtigung dürften inzwischen selbst die größten Zweifler akzeptiert haben: In den zurückliegenden zwei Jahrzehnten haben sich die Anmeldezahlen der Ratsuchenden verdreifacht. Probleme nach Trennung und Scheidung sind der Bereich, der die Mitarbeiter der Einrichtung am stärksten beschäftigt.
Konz/Saarburg. Versteckt in einem unauffälligen Gebäude am Schloßberg hat die Lebensberatung Saarburg ihren Sitz. Wer das Haus aufsucht, fällt nicht auf - schließlich könnte der Besucher auch etwas in der KFZ-Zulassungsstelle zu erledigen haben, die ebenfalls in dem Haus untergebracht ist. Dass seit der ersten Stunde - damals noch im alten Rathaus und unter der Bezeichnung "Erziehungs-, Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle" - stetig mehr Menschen den Weg in diese Anlaufstation gesucht haben, belegen die Zahlen. "Im Vergleich zu 2007 haben wir bis jetzt 2008 bereits 25 Prozent mehr Anmeldungen", erläutert Josef Junk, seit 1983 Leiter der Saarburger Lebensberatung. "Seit 1987 hat sich die Zeit der Anmeldungen mit 400 verdreifacht." Da Familien bei der Anmeldung nur einfach gezählt werden, liegt die Zahl der tatsächlichen Beratungen weitaus höher. 1068 Kinder, Jugendliche und Erwachsene seien 2007 von Junk und seinen fünf Mitarbeiterinnen - allesamt diplomierte Pädagoginnen mit unterschiedlichen Zusatzqualifikationen - betreut worden. Stark verändert habe sich im Laufe der Jahre, was an Beratung abgefragt wird. In den ersten Jahren habe Erziehungsberatung den weitaus größten Teil ausgemacht. Birgit Wald, Beraterin "der ersten Stunde" in der Saarburger Einrichtung, berichtet von einem weiteren Feld, das am Anfang "zu bestellen" war: "Großes Thema waren alleinerziehende berufstätige Mütter, die damals noch sehr wenige Unterbringungsmöglichkeiten für ihre Kinder und dadurch große Probleme hatten." Auch die Herangehensweise habe sich gewandelt: "Damals arbeitete man sehr defizitorientiert", erläutert Stephanie Pfeiffer. ",Wo fehlt was, wer trägt Schuld an der unglücklichen Situation?' waren Fragen, denen man nachgegangen ist. Heute gehen wir lösungsorientiert vor, holen die Betroffenen an einen Tisch und arbeiten die Chancen und Ressourcen im Beziehungsgeflecht heraus." Drogen auch in Saarburg ein Thema
Heute machten Probleme nach Trennung und Scheidung den eindeutig größten Anteil an der Arbeit der Saarburger Fachleute aus. "Anfang der 90er Jahre gab es in Saarburg einen eklatanten Anstieg der Scheidungen", erinnert sich Josef Junk. "Neben diesem Thema beschäftigen wir uns in Saarburg auch viel mit Frauen, die überhaupt nicht mehr wissen, wie sie mit ihren Babys und Kleinkindern umgehen sollen und mit Jugendlichen, die Schulprobleme haben." Von Schulseite gerne verschwiegen, benennen Junk und seine Kolleginnen ein weiteres Feld: "Natürlich spielt auch in Saarburg das Thema Drogen eine Rolle", so Junk. "Mir hat mal ein Dealer gesagt, dass 40 Prozent aller Jugendlichen hier Drogen probieren." Generell gelte: "Die Menschen bei uns brauchen sich nicht glücklich zu reden. In der Saarburger Lebensberatung bekommen wir gesellschaftliche Trends und Entgleisungen früh mit." Den großen Vorteil der Saarburger Einrichtung sehen Junk und sein Team "in der guten Verankerung innerhalb der Bevölkerung, den kurzen Wegen und der guten Vernetzung mit anderen Einrichtungen".Termine können telefonisch unter 06581/2097 zu folgenden Zeiten ausgemacht werden: montags bis freitags von 8.30 bis 12.30 Uhr, montags und dienstags von 14 bis 17.30 Uhr. Meinung Zu Recht mit im BootExtra Die Lebensberatung Saarburg ist eine von 20 Einrichtungen des Bistums Trier und deckt den Bereich der Verbandsgemeinden Saarburg und Konz ab. Als Besonderheit innerhalb des Bistums ist die Saarburger Institution eine integrierte Erziehungs- und Ehe-Beratungsstelle mit involvierter Jugendhilfe. 55 Prozent der Kosten übernimmt das Bistum. Die verbleibenden 45 Prozent teilen sich das Land, der Kreis sowie die beiden Verbandsgemeinden. Die kostenfreien Beratungen laufen in der Geschäftsstelle am Schloßberg 3.