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Gutachter: Geplante Windkraftanlage gefährdet seltene Mopsfledermaus nicht

Waldweiler. Die Gemeinde Waldweiler und ihre saarländischen Nachbarn aus Weiskirchen müssen nicht befürchten, dass streng geschützte Tiere ihre Windkraftpläne auf dem Hochwaldkamm zunichtemachen. Das ist das Ergebnis eines Artenschutzgutachtens, das am Dienstag vorgestellt wurde. Vor der Verwirklichung des länderübergreifenden Windparks stehen aber noch einige Hürden. Axel Munsteiner

Waldweiler. "Wenn sich diese Vermutungen bestätigen, dann können wir hier alles einpacken." Das sagte der Waldweilerer Ortsbürgermeister Manfred Rauber (SPD) unlängst im TV, als Gerüchte über eine drohende Gefahr für mehrere Windkraftstandorte im Hochwald hochkochten.
Denn es wurde gemutmaßt, dass deren Umfeld der Lebensraum von mehreren streng geschützten Tieren wie Wildkatze, Rotmilan und vor allem Mopsfledermaus sein könnte. Bei einem bedeutenden Vorkommen der letztgenannten Kreatur müssten Tabuzonen mit einem Radius von fünf Kilometern eingehalten werden. Dort wäre der Bau von Rädern verboten.
Wegen dieser Vorschriften des Artenschutzes stand auch der länderübergreifende Windpark am Teufelskopf/Schimmelkopf auf der Kippe. Diese Bedenken sind die Gemeinden Waldweiler und Weiskirchen nun los. Am Dienstagabend wurde das Ergebnis der faunistischen Untersuchung präsentiert.
40 000 Euro Gutachten


Das 40 000 Euro teure Gutachten hatten die Investoren der Windkraftfirma Juwi bei einem externen Fachbüro in Auftrag gegeben. Dessen Vertreter Martin Steverding betonte, dass man neun Monate lang den Bereich am Grenzkamm genau unter die Lupe genommen hat, um die Anzahl seltener Tiere herauszufinden.
So haben die Experten allein 29 Begehungen gemacht, um mit Ultraschalldetektoren Fledermäuse aufzuspüren. Laut Steverding ist die Mopsfledermaus aber nur vereinzelt aufgetaucht. Gemessen an allen gezählten Fledermausarten mache diese Gattung nur 0,2 Prozent aus. Ein größeres Vorkommen - eine sogenannte Wochenstube - sei sehr unwahrscheinlich. Der nächste Horst eines ebenfalls seltenen Rotmilans wurde in 1,7 Kilometer Entfernung von einem geplanten Windrad entdeckt - das ist außerhalb der Abstandsempfehlung der staatlichen Vogelschutzwarte von 1,5 Kilometer.
Aufgrund der vorkommenden Tierarten gibt es beim geplanten Bau der Windräder auf dem Hochwaldkamm zwar sehr wohl Konflikte, und man müsse bei dem Projekt auch mit Auflagen rechnen, so Steverding.
So könnte es passieren, dass die Räder an einigen Tagen abgestellt werden müssen, wenn Zugvögel bei schlechtem Wetter den Hochwald überfliegen. Entscheidend war jedoch die Aussage, "dass wir keine Tierart festgestellt haben, die ein K.o.-Kriterium für eine Anlage bedeuten würde". Der Waldweilerer Rat beschloss daher einstimmig, die Verwirklichung des Windparks voranzutreiben.
Vor allem stellte das Gremium eine klare Forderung an die Verbandsgemeinde (VG) Kell. Sie soll bis Ende März den Teufelskopf verbindlich als möglichen Standort für Windenergie ausweisen. Die VG entscheidet durch die Änderung ihres Flächennutzungsplans, an welchen Stellen sich künftig Räder drehen sollen.
Fünf Standorte in Diskussion


Zurzeit stehen in der VG fünf Standorte zur Debatte. Der Bau neuer Anlagen muss dann auch noch von der Kreisverwaltung genehmigt werden. Juwi ist bereit, den Behörden das Gutachten für das weitere Verfahren zur Verfügung zu stellen. Es ist aber offen, ob der Kreis diese Untersuchung als verwertbar ansieht.
Und es gibt noch andere Klippen. Eine davon ist die Haltung der Waldweilerer Nachbarorte. Schillingen und Mandern haben sich gegen Windräder in der Kernzone des Naturparks Saar-Hunsrück ausgesprochen, womit auch der Teufelskopf gemeint ist. Bei der Änderung des VG-Flächennutzungsplans ist von dieser Seite Gegenwind zu erwarten.
Sollte der Standort nicht berücksichtigt werden, kündigt Rauber schon vorab "härtere Schritte" an. "Dann müssten wir unser Projekt nötigenfalls durch ein Zielabweichungsverfahren rechtlich einfordern. Das würden wir allerdings bedauern." Klar ist: Die saarländische Gemeinde Weiskirchen muss sich bei ihren Rädern nicht an die rheinland-pfälzischen Regularien halten. Bürgermeister Werner Hero (CDU) sagt auf TV-Anfrage: "Wir gehen davon aus, dass wir mit der Änderung unseres Flächennutzungsplans bis zum Ende des zweiten Quartals fertig sind. Dann könnten wir im Herbst mit den Rodungsarbeiten beginnen, und die Anlagen würden Mitte 2014 stehen."
Extra

Der länderübergreifende Windpark auf dem Kamm des Schwarzwälder Hochwalds soll aus sieben Anlagen bestehen. Vier Räder würden sich auf dem Gebiet der Gemeinde Weiskirchen im Bereich des Schimmelkopfs drehen. Sie liegen außerhalb der Kernzone des Naturparks Saar-Hunsrück, weil es im Saarland keine Naturpark-Kernzonen gibt. Am nur einige Hundert Meter entfernten Teufelskopf sieht das anders aus. Die drei geplanten Räder auf Waldweilerer Gebiet liegen innerhalb der Kernzone. Anders als in der Vergangenheit ist das aber kein Grund für ein generelles Verbot mehr. Erst kürzlich hatte Karl Keilen vom Mainzer Wirtschaftsministerium betont, dass es beim geplanten Bau von Windrädern in Naturpark-Kernzonen künftig wohl Einzelfall-Entscheidungen geben wird. Sowohl die Gemeinde Waldweiler als auch Weiskirchen haben Verträge mit der Firma Juwi abgeschlossen. Die ausgehandelte Mindestpacht, die Juwi zahlen will, beträgt jährlich 100 000 Euro pro Rad. ax