Gute Prognose für das Saarburger Krankenhaus: „Man braucht diesen Standort“

Kostenpflichtiger Inhalt: Gesundheit : Gute Prognose für das Saarburger Krankenhaus: „Man braucht diesen Standort“

Der Geschäftsführer der Landeskrankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, zeigt sich optimistisch für das Saarburger Krankenhaus. Die Arbeitsplätze würden erhalten, versichert er.

Das Saarburger Krankenhaus hat eine Zukunft. Davon ist Gerald Gaß überzeugt. Er ist nicht nur der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Gaß ist auch Geschäftsführer der Landeskrankenhausgesellschaft. Diese steigt ab 1. Oktober in die Geschäftsführung des finanziell angeschlagenen Kreiskrankenhauses in Saarburg mit ein, um diesem wieder auf die Beine zu helfen.

Der Standort Saarburg sei ein „bedarfsnotwendiger Standort“, sagt Gaß, der vor seinem Wechsel zum Landeskrankenhaus für die Krankenhausplanung im rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerium tätig war. „Wenn dieser Standort nicht erhalten würde, würde für die Einwohner in Saarburg und im Umland eine Versorgungslücke entstehen.“ Das sei auch der Grund, warum die Landeskrankenhausgesellschaft dem Wunsch des Kreises, als Träger des Krankenhauses, nachgekommen sei, in die Geschäftsführung mit einzusteigen, „um unsere Möglichkeiten der Zukunftsentwicklung zur Verfügung zu stellen“. Gaß: „Wir sind davon überzeugt, man braucht diesen Standort.“

Ziel sei es, die medizinische Grundversorgung in und um Saarburg aufrechtzuerhalten. „Wir wollen dort keine hochspezialisierten Leistungen anbieten.“ Solche seien in Trier vorhanden. Daher habe man mit beiden Kliniken dort, mit dem Mutterhaus und dem Brüderkrankenhaus Kooperationen vereinbart. Seit 2017 arbeitet das Saarburger Krankenhaus mit dem Mutterhaus in den Bereichen Psychiatrie, Geriatrie und Chirurgie zusammen. Kürzlich wurde vereinbart, dass man bei der Neurologie mit dem Brüderkrankenhaus zusammenarbeitet. Auch eine Kooperation bei Herzerkrankungen ist mit dem Großkrankenhaus geplant. Die Grundversorgung soll wohnortnah in Saarburg bleiben, hochspezialisierte Behandlungen sollen in Trier erfolgen.

Ein Vorzeichen für die anstehenden Veränderungen findet sich bereits auf der neugestalteten Internetseite des Saarburger Krankenhauses. Dort gibt es einen Link zum Gesundheitszentrum Saarburg, unter dem die zusätzlichen Leistungen des Krankenhauses aufgeführt sind.

Der Gesundheitsexperte macht keinen Hehl daraus, dass das seit Jahren anhaltende Defizit ein Ballast ist. Das Haus, in dem es 200 Betten gibt, schreibt rote Zahlen. Der Kreistag hat kürzlich erst eine neuerliche Finanzspritze von rund sieben Millionen Euro beschlossen. Ohne dieses Geld wäre das Krankenhaus nicht mehr überlebensfähig. Es gebe unterschiedliche Gründe für das Defizit, sagt Gaß. Als einen nennt er die bauliche Struktur des in die Jahre gekommenen Hauses. Die dadurch bedingten längeren Wege erforderten einen „relativ hohen“ Personaleinsatz.

Immer wieder wurde in der Klinik umgebaut, wurden Abteilungen verlegt und umstrukturiert. Vor sechs Jahren wurde der neue, angebaute OP-Trakt in Betrieb genommen. Der Kreis hat beschlossen, in den nächsten Jahren 50 Millionen Euro für Um- und Anbaumaßnahmen zu investieren.

Neben diesen baulichen Maßnahmen soll auch das medizinische Angebot des Saarburger Krankenhauses erweitert werden. Als ein Beispiel nennt Gaß die geplante Psychiatrie. Auch Neueinstellungen beim medizinischen Personal ermöglichten eine Erweiterung des Angebots. „Wir sehen uns auf einem geordneten Weg“, so der Geschäftsführer des Landeskrankenhauses. Das sei aber kein Prozess, der innerhalb weniger Jahre abgeschlossen sei.

Unter vielen der 600 Mitarbeiter herrscht derzeit Unruhe. Sie haben Angst um ihre Jobs. Gaß beruhigt. Die Landeskrankenhausgesellschaft sei kein Träger, der mit „harten Schnitten und mit drastischen Kostensenkungen“ einsteige und möglicherweise Arbeitsplätze infrage stelle. „Wir wollen diesen Krankenhausstandort so weiterentwickeln und modernisieren, wie der Landkreis das von uns erwartet und wie es vereinbart worden ist.“ Die Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben, die Mitarbeiter sollen die Möglichkeit erhalten, sich weiter zu qualifizieren, um neue Aufgaben zu übernehmen. So brauche die neue Psychiatrie-Abteilung qualifizierte Mitarbeiter.

Doch Gaß warnt vor übertriebenem Optimismus. „Bei allen Veränderungen, die wir anstreben, bin ich nicht so optimistisch, dass das Haus allein aus eigener Kraft in dem bestehenden Abrechnungssystem schwarze Zahlen schreiben wird.“ Man brauche eine geänderte Finanzierung.

Die Landesregierung hat nun beschlossen, kleineren Krankenhäusern stärker finanziell unter die Arme zu greifen. Ab 1. Januar kommenden Jahres sollen Kliniken, die in einem Gebiet liegen, in denen weniger als 200 Einwohner pro Quadratkilometer wohnen, einen sogenannten Sicherstellungszuschlag erhalten. Das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium nennt explizit acht Krankenhäuser im Land, die davon profitieren könnten, unter anderem die beiden in Hermeskeil und Saarburg.

 Gerald Gaß, Geschäftsführer der Landeskrankenhausgesellschaft. Foto: Landeskrankenhausgesellschaft/Tobias Vollmer

Die Krankenkassen kritisieren das. Es bringe nichts, „Gelder undifferenziert an einzelne Krankenhäuser auszuschütten“, sagt Martin Schneider, Chef des Ersatzkassenverbandes Rheinland-Pfalz. „Damit werden ineffiziente Strukturen noch gefestigt und die dringend für das Land benötigten echten Strukturveränderungen weiter verhindert.“