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Hagel ante Portas – doch wie kam er durch?

Hagel ante Portas – doch wie kam er durch?

KONZ-OBEREMMEL. Was, wenn Hagel durch die Tür kommt? Eine Oberemmeler Familie hat noch heute mit den Spätfolgen des schweren Unwetters von Ende September zu kämpfen.

"Es hat geklirrt, gekracht, geknirscht. Ich dachte, das ganze Haus wäre kaputt", sagt Alice Schuler. Ihr ganzes Haus ist zwar nicht kaputtgegangen an jenem Samstagabend Ende September, aber ein Schaden von rund 10 000 Euro ist ihrer Aussage nach entstanden. Ein Schaden, der vielleicht nie ersetzt wird. Normalerweise fallen Hagelkörner vom Himmel, landen irgendwo und richten, wenn sie groß sind, dort, wo sie hinfallen, Unheil an. Sie zerbeulen ein Auto, durchschlagen Dächer oder zertrümmern eine Glasscheibe. Doch als am 30. September gegen 17.30 über Konz-Oberemmel ein außergewöhnlich starkes Gewitter niederging, richtete der Hagel auf ganz andere Weise Schaden an. Bei Nachbarn der Familie Schuler drang er "hinterhältig" durch die Kanalisation ins Haus ein: Der Hagel drückte sich durch Abwasserrohre die Toiletten hoch und stand kniehoch in den Wohnungen. Streit mit der Versicherung

Doch auch dies ist nicht der Weg, den die weiße Masse in das Haus der Schulers nahm. Der Hagel kam, wie dies auch andere unangenehme Besucher zu tun pflegen, durch die Türe. Er ergoss sich in einer Lawine in das Haus und stand am Ende in allen Zimmern der unteren Etage rund 20 Zentimeter hoch. Er begrub DVD-Player und Receiver, umspülte Bett und Computer, riss, von der Kraft des Sturms getrieben, die Garderobe, Schuhe, Kleidung und Fußleisten mit sich und transportierte sie durch die ebenfalls geöffnete Hintertür in den Garten. Noch 50 Meter weiter, unter dem Kirschbaum, hätten Teile ihrer völlig zerstörten Garderobe gelegen, berichtet Alice Schuler. "Das halbe Mobiliar mussten wir wegschmeißen", sagt sie. Doch wie ist der Hagel überhaupt hineingekommen? Der erste Teil der Antwort fällt noch relativ leicht: Da das Haus in einer leichten Senke liegt, hatte die weiße Masse sich rund einen halben Meter hoch vor der Haustüre der Schulers angestaut - transportiert vom Gefälle und den bei Windstärke acht heftigen Sturmböen. Dort lag der Hagel also aufgetürmt vor der Haustüre. Und über das, was dann geschah, streiten sich seitdem die Hausbesitzer mit ihrer Versicherung. "Die Sturmböen und der Hagel haben die Türe aufgedrückt", sagt Alice Schuler. Dass der Druck von außen in der Tat gewaltig gewesen sein muss, ist erkennbar an dem Loch in der Wand, dort, wo der Türgriff aufgeschlagen ist. Der Türgriff selbst ist beim Aufprall in zwei Teile zerborsten. Ein Gutachten, das Schuler beim Deutschen Wetterdienst beauftragt hat, soll ihre Aussage untermauern. Doch die Version der Versicherung sieht anders aus: "Das Schloss der Tür war unbeschädigt", sagt Herbert Eiden, Sachverständiger der Versicherung. Daraus schließt er, dass die Tür entweder kurz von Hand geöffnet und demjenigen, der sie öffnete, von der Macht des Sturms aus der Hand gerissen wurde oder, dass der "Türschnapper" eingestellt war - also ein Riegelchen, das bewirkt, dass sich die Türe schon bei leichtem Druck öffnet. Zwei unterschiedliche Versionen mit einem folgenschweren Unterschied: Die Frage, warum die Türe aufging, wird darüber entscheiden, ob die Versicherung für den Schaden aufkommt oder nicht. War es nicht der Sturm alleine, der sie öffnete, so geht Familie Schuler vermutlich leer aus. Denn sie ist zwar gegen Sturm und Hagel, nicht aber gegen so genannte "Elementarschäden" versichert, wie sie durch Erdbeben oder Überschwemmungen entstehen können. Endgültig ist noch nichts entschieden. Doch die Möglichkeit, dass die Versicherung den Schaden nicht bezahlt, besteht. Und so verdüstert das Unwetter, dessen hagelschwere Wolken sich schon vor Monaten entladen haben, in Konz-Oberemmel noch heute so manchem die Laune.