Halbzeit bei der Dorferneuerung

NITTEL. (jbo) Ortsbürgermeister Karl-Heinz Frieden (CDU) und Dorfmoderatorin Nathalie Franzen zeigen sich mit dem bisher Erreichten zufrieden: Das Projekt "Dorferneuerung" kommt mit kleinen Schritten voran. Die Dienstleistungs-Tauschbörse und eine Dorfzeitung werden die ersten konkreten Projekte sein.

"Die Mitarbeit der Bürger ist entscheidend für den Erfolg der Dorferneuerung", sagt Diplom-Geographin Nathalie Franzen aus Münster-Sarmsheim bei Bingen, die im Auftrag der Gemeinde Nittel eine "Zukunftsvision 2030" entwickelt. Durch zahlreiche Gespräche mit so genannten Schlüsselpersonen, das sind beispielsweise Vorsitzende der örtlichen Vereine und Parteien oder Vertreter der ortsansässigen Gewerbebetriebe, erhielt Franzen erste Eindrücke, wo Ansatzpunkte für die zukünftige Dorfentwicklung liegen könnten. Die wichtigsten Veranstaltungen des Projekts waren bislang ein Bürger-Informationsabend, Ortsbegehungen und die große "Dorfkonferenz" im Juni 2006. Vordringlichstes Problem war neben den fehlenden Einkaufsmöglichkeiten, dass der in den vergangenen zehn Jahren stark gewachsene Ort noch kein Rezept gefunden hat, wie die vielen Neubürger, die oftmals in Luxemburg arbeiten und nur geringe Bindungen an ihren neuen Wohnort haben, in das Dorfleben integriert werden können. Neben einer Dorfzeitung mit Nachrichten aus Gemeinde, Pfarrei und Vereinen soll vor allem eine Dienstleistungs-Tauschbörse für bessere Kontakte, Nachbarschaftshilfe und mehr Kommunikation zwischen "Ur-Nittelern" und Neubürgern sorgen."Was fürs Dorf machen - einfach nur so"

Die Verschlechterung in der dörflichen Infrastruktur - in vielen kleinen Orten schließen Geschäfte, Post und Geldinstitute - sorgt dafür, dass für Menschen ohne Auto die Versorgung im Alltag immer schwieriger wird. Im Alter ist die familiäre Unterstützung ebenfalls keine Selbstverständlichkeit mehr, denn die Familie wohnt mittlerweile immer häufiger nicht mehr in unmittelbarer Nähe. Die Tauschbörse will helfen, dass die Nachbarschaftshilfe wieder inten-siviert wird. Außerdem sollen Menschen zueinander finden, die mit dem vorhandenen kulturellen Angebot in den Vereinen bislang nicht erreicht wurden. Bianca Opitz, eine der Initiatorinnen der Tauschbörse: "Man kann was fürs Dorf machen - einfach nur so!" Sie freut sich, dass Geld bei dieser Nachbarschaftshilfe keine Rolle spielt, denn die Dienstleistungen wie Tierbetreuung, Computerhilfe oder Gardinen waschen werden von keinem Betrieb im Ort angeboten. "Gewerbliche Dienstleistungen können nicht getauscht werden", betont auch Expertin Franzen. Für die laufenden und kommenden Projekte der Dorferneuerung, geplant ist etwa ein Bauernmarkt, wird auf Vorschlag von Frau Franzen ein Verein gegründet. Unter einem solchen Dach könnten dann alle Aktivitäten zusammengefasst werden, glaubt auch Ortsbürgermeister Frieden und fügt hinzu: "Dann sind die Beteiligten auch versichert." Am Donnerstag, 26. Oktober, wird der Verein Dorferneuerung, zu dem dann auch die Tauschbörse gehört, gegründet. Treffpunkt ist um 19.30 Uhr im Gasthaus Müller-Holbach. Die Ortsgemeinde Nittel lädt alle Bürger ein. Kontaktperson für die Dienstleistungs-Tauschbörse ist Monique Leffin, Telefon 06584/95180.