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Hamburger Musiker gibt Fragen mit auf den Weg

Hamburger Musiker gibt Fragen mit auf den Weg

Der Hamburger Musiker Torben Möller-Meissner spielt im Rahmen des "Singer Songwriter Festivals" in der Wawerner Synagoge vor fast leeren Reihen seine sonderbaren Stücke mit den konfusen Texten. Warum es sich dennoch lohnt, ihm zuzuhören? Ein Versuch einer Erklärung.

Wawern. (kbb) Da steht er also mit seiner Gitarre und der Mundharmonika und wirkt so ein wenig fehl am Platze. Wie muss sich der Frontmann der Hamburger Ska-Band Rantanplan wohl gefühlt haben, als er durch die weitgehend leeren Stuhlreihen der Wawerner Synagoge blickte? Gerade einmal zwölf Plätze waren an diesem Abend nicht verwaist. "Das ist ja übersichtlich hier", kommentiert er trocken mit sympathischem Hamburger Dialekt. "Dann freu ich mich eben über jeden doppelt."

Wenn man Torben Möller-Meissner eines nicht vorwerfen kann, dann ist es mangelnder Einsatz. Denn auch für jenes spärliche Dutzend Wawerner Zuhörer legt sich der Hamburger ins Zeug - mit Akustik- und E-Gitarre, mit Mundharmonika und natürlich am Mikrofon, mit selbst geschriebenen Songs, entweder solo aufgenommen oder gemeinsam mit seiner Band Rantanplan. Aber wie kann man seine Musik, jenes bisweilen hysterische Gemenge aus Textfetzen und Gitarrengeschrammel, überhaupt beschreiben? Wie einordnen?

Immerhin, ein Lied gibt es, mit dem man ebendiese Einordnung versuchen könnte. Es heißt "Mückenstiche Ende November" und ist von der ersten bis zur letzten Zeile genauso konfus wie der Titel - ein Paradoxon durch und durch. Oder doch nicht? Wenn man genauer hinhört, fächern sich viele kleine Episoden auf, die mit den besagten Mückenstichen in einer eigentlich mückenlosen Saison wenig gemeinsam haben: Von dem jungen Mädchen, das einem reichen Mann verfällt. Von den Senatoren, die dem Kokain verfallen. Von den Unternehmern, die dem Profit verfallen, und so weiter.

"Verkehrte Welt" als Stilmittel



Die "verkehrte Welt" wird damit nicht nur zum stilistischen Gestaltungsmittel, sie ist auch Inhalt selbst. Wenn man das Lied auf diese Weise hört und liest, kann man es als geistreich empfinden, als kritisch und klug. Man kann diese Lesart gleichwohl aber auch als Überinterpretation abtun, sich über die schrägen Reimversuche lustig machen - wer reimt schon "Biber" auf "Quecksilber"? Eben.

Es ist diese Ambivalenz, die das Einordnen von Torben Möller-Meissners Liedern so schwierig macht. Je nach Blickwinkel ist der Mann entweder ein verkanntes Genie mit brillanten Texten oder ein wirrer Geist, der seine Texte unter dem Einfluss von zu viel Alkohol schreibt. Das sei, wie er übrigens an jenem Abend selbst gern erzählt, auch gelegentlich mal vorgekommen.

Doch um überhaupt den Versuch unternehmen zu können, die Texte des Hamburgers zu durchleuchten, muss man sie überhaupt verstehen können - ein Umstand, der in der hallenden Akustik der fast leeren Wawerner Synagoge nicht zu unterschätzen ist. So steht Möller-Meissner, der im richtigen Leben sein Geld als Industriemechaniker verdient, ein wenig deplatziert mitten in der alten Wawerner Synagoge und macht doch, irgendwie, das Beste daraus.