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Handeln, statt Hände in den Schoß

Handeln, statt Hände in den Schoß

KANZEM. Als eine von zwölf Gemeinden nimmt Kanzem an dem Projekt "Selbstorganisation älterer Menschen" des Bundesfamilienministeriums teil. Als kleinster Projektteilnehmer vertritt die Gemeinde auch das Land-Rheinland-Pfalz. Die Ziele des Projekts stellte Martina Hasselt vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik nun dem Gemeinderat vor.

Mit gutem Beispiel voran gehen möchte und soll die Gemeinde Kanzem bei einem Projekt des Bundesfamilienministeriums und des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS) in Frankfurt. Die demografische Entwicklung erfordert ein Umdenken in den Kommunen, auch die Senioren sollen verstärkt aktiv ins Gemeinde-Geschehen eingebunden werden. Deshalb werden in dem Modellprojekt des Ministeriums die Initiativen, Strategien und Impulse von zwölf Kommunen zur "Selbstorganisation älterer Menschen" vom ISS betreut und analysiert. Ein Ziel des Projekts ist es laut Martina Hassel, Bürgermeisterin von Bad Kreuznach und Mitarbeiterin des ISS, "Erfolg versprechende Strategien und Rahmenbedingungen" zu erproben und für den Erhalt und die Ausweitung kommunaler Angebote zur Selbstorganisation der älteren Mitbürger zu sorgen. "Wir müssen uns die Frage stellen, ob wir es uns leisten können, das Engagement der Senioren außen vor zu lassen", sagte Hassel. Für viele ältere Menschen sei es zudem wichtig, das Gefühl zu haben, gebraucht zu werden und eine Aufgabe im dritten Lebensabschnitt zu haben. Mit welchen Modellen man die ältere Generation in die Gesellschaft einbinden kann, soll nun in dem Projekt untersucht werden, das bis Dezember 2007 dauert. Die kleinste der zwölf Projekt-Kommunen und die einzige in Rheinland-Pfalz ist Kanzem, wo rund 37 Prozent der Einwohner älter als 50 Jahre sind. Auch Städte wie Frankfurt/Oder, Gera oder Osnabrück wurden vom Ministerium ausgewählt. "Dieses Projekt sollte man als Auszeichnung, Ermutigung und Chance sehen", erklärte Hassel den Ratsmitgliedern bei einem ersten Treffen. Ausschlaggebend für die Auswahl der Gemeinde sei gewesen, "dass es hier schon gute Ansätze gibt". Zu diesen positiven Grundlagen zählt die Initiative "50 plus", in der sich rund 40 Menschen im Alter über 50 Jahren etwa ein Mal pro Monat treffen. Von Ausflügen bis zu Kegelnachmittagen reicht das Angebot der aktiven Rentner. Dort könne man beispielsweise die Selbstorganisation der Gruppe verstärken, zeigt Ortsbürgermeister Günther Frentzen ein Beispiel für das Entwicklungspotenzial dieser Gruppe auf. Auch das "Tauschnetz", das es seit etwa zwei Jahren in Kanzem gibt, wird als guter Ansatz bewertet. In dieser Gruppe werden kleine Hilfeleistungen - vom Babysitten bis zum Rasenmähen - mit "Saartalern" entlohnt. Für diese Taler können andere kleine Hilfeleistungen erworben werden, schildert Bürgermeister Frentzen das System. Beim "Tauschnetz" habe man schnell gemerkt, dass man Kontakt zu den Menschen bekomme, die man sonst kaum kennen lernen würde. Auch Neubürger könnten dadurch gut ins Gemeinde-Leben integriert werden. Dort möchte man verstärkt ältere Menschen einbeziehen, so lautet der Wunsch Frentzens für die Zukunft der Tauschbörse und für das Projekt. Weitere Schritte des Projekts seien noch nicht klar, sagt Frentzen auf TV-Anfrage. Fest steht, dass zusammen mit dem ISS und den Bürgern Ideen ausgearbeitet werden sollen, um das "soziale Miteinander" von Alt und Jung in Kanzem weiter beispielhaft zu verbessern.