Handgemacht und ehrlich

NEWEL. Richtig krachen ließen es die Musiker von "Paranoid?" und "Straight" bei ihrer Rocknacht in Newel. Mit Rock-Klassikern und Cover-Versionen aktueller Titel sorgten die Bands für Partystimmung.

Gitarrenhälse ragen schemenhaft aus dem Nebel, der von der Bühne quillt. Davor zucken Köpfe und lassen lange Haare fliegen. Fetzige Nummern von den Stones, Deep Purple, Golden Earring, Steppenwolf oder Queen, die so bekannt sind, dass sie jeder mitsingen kann, so wie das legendäre "Born to be wild", bringen das Gemeindehaus in Newel zum Beben. Fast scheint es, als sei das Rad der Zeit einige Jahrzehnte zurückgedreht worden. Die Band "Paranoid?", die den Auftakt macht, hat sich bewusst für das Covern von Klassikern entschieden: "Das sind doch die Ursprünge, richtig ehrliche, handgemachte Musik ohne Computer", sagt Gitarrist Thomas Conrad, der mit den Bandkollegen Marco Immig (Bass) und Nico Hagemann (Schlagzeug) auch in der Trierer Metalband "Flash Divine" spielt. "Hier steckt viel Herzblut drin"

Andreas Lütticken sieht das genauso. Er ist Gitarrist der Gruppe "Straight", deren Namen für "geradeaus und ehrlich" steht. Beide Bands sind jung, nicht nur am Alter ihrer Mitglieder gemessen, das zwischen 16 und Mitte 20 liegt. Den Auftritt in Newel haben sie selbst organisiert, um sich in der jeweiligen Besetzung erstmals einer größeren Öffentlichkeit zu präsentieren. "Hier steckt viel Herzblut drin", meint Philip Hadhri, der Sänger von "Paranoid?", der zum ersten Mal auf der Bühne steht. Das Herzblut spricht denn auch aus ihrem Auftritt. Philip holt alles aus seiner Stimme heraus, die beiden Gitarristen Dennis Baier und Thomas Conrad sowie Bassist Marco Immig bearbeiten die Saiten ihrer Instrumente bis zur Schmerzgrenze, Nico Hagemann lässt am Schlagzeug die Muskeln spielen. Hagemann leistet viel an diesem Abend, denn er ist auch Rhythmus-Mann für "Straight", die mit einiger Professionalität, großer Power und schwingenden Haarmähnen von Keyboarder Markus Olk und Bassist Julian Langer zunächst das Klassik-Rockprogramm fortführen. Frontfrau Kati Roa setzt sich stimmgewaltig durch und sorgt für Partylaune. Der Platz vor der Bühne wird enger, Hände fliegen in die Luft, und Körper bewegen sich im Takt. Zur Erholung gibt es die eine oder andere ruhige Ballade zum Schmusen, sensibel begleitet von Gitarrist Andreas Lütticken. Und dann zeigt "Straight", dass auch in manch aktuellem Hit, zum Beispiel von Anastacia oder Limp Biskit, das Zeug zum Klassiker steckt. Das klingt nicht immer so wie das studiobearbeitete Konserven-Original, aber erfrischend geradeheraus und - eben handgemacht.