Harmonisch-komisches Duo
HERMESKEIL. (jolo) Der Hermeskeiler Kulturherbst lebt. Das bewies der Idarer Junge und Hochwald-Cowboy Martin Weller mit seinem saarländischen Partner, Geigenvirtuose Wolfgang Wehner, im etwa halb gefüllten Johanneshaus. Ihre Spezialität: Alltägliches und Banales festhalten, um es mit witzigen Wortspielen, unterlegt mit rockigen oder virtuosen Klängen, darzubieten.
"Eich sinn de Maddin aus Irar Uwersteen!" So begann die musikalische Reise des Musikkabarettisten Martin Weller, geboren in der Stadt der Edelsteine und Juwelen, dort, wo das "extensive Fleeschverbrenne" (Spießbraten) erfunden wurde. Der Einstieg gelang prompt mit einer Rock'n'Roll-Hommage ans "Honnsregger Platt", das auf der ganzen Welt "verstann´" wird. Der Vollblutmusiker und Nachbarsjunge von Schauspielstar Bruce Willis, der wie dieser in der Idar-Obersteiner Keltenstraße aufwuchs, schaut dem Volk nicht nur aufs Maul, sein Blick schweift ebenfalls nach unten. So widmete sich der 47-Jährige im Bierbauch-Blues ("Eich hann e Bierbauch und steh´n dazu…") dem kugelrunden Gewölbe des Mannes, das zwangsläufig entsteht, wenn Mann nach deftigem Hunsrücker Essen seinen Bauch mit Stubbis füllt. Von Roll-Brore und Weißen Riesen
"Martin sucht den Supergeiger!" lautete das Motto eines Castings, bei dem schließlich unter 344 Bewerbern der bis dato unbekannte Wolfgang Wehner siegte. Seitdem, das war vor eineinhalb Jahren, begleitet der studierte Orchestermusiker den Musikkabarettisten. Dass der Saarländer und der Rheinland-Pfälzer sich auf einer Welle(r)n-Länge befinden, merkte das teilweise fachkundige Publikum schon beim ersten gemeinsamen Stück "Franz Otto Klein", der als Hasenzüchter und Inhaber der goldenen Bonsel mit seinem "Weißen Riesen" als Favorit zur Welthasenausstellung nach Tokio fuhr, um dort gnadenlos gegen das Prachtexemplar des Scheich von Dubai zu verlieren. Nicht nur hier, ebenfalls bei der auf die Tränendrüsen drückenden "Geh-net-weg"-Ballade, bei der die Frau weglief, jedoch wegen eines betörend duftenden "Roll-Brore" (Braten) wieder zurückkam, dominierte die Geige. "Öffnet eure Herzen und singt mit", animierte der Mann mit dem Hut die Zuschauer. Was sie taten beim "Lied vom Zahnarzt" ("Dein Maul, das siehn eich gläch, is wie e Goldgrub fier mäch"). Dank sei dem zweifachen Familienvater, dass er mit Wolfgang Wehner, heute Musiklehrer an der Idar-Obersteiner Realschule, seine "Ich-AG" zum Duo machte. Wehner verleiht Wellers Liedern mit seinem virtuosen Geigenspiel und seinen Einlagen noch mehr Aufmerksamkeit und Pep. Dass Geige und Gitarre harmonisch zusammenpassen, bewiesen beide. Vor allem beim nächsten Stück "Dau unn äch", das ein Pärchen beschreibt, das vor der Baldenau-Ruine "am Spießbrore-Rost sitzt und brore tut". Kein Weller-Konzert ohne den einst im Hunsrück wütenden Räuberhauptmann "Schennahannes". "Vor zwei Jahren, als das 200. Köpfungs-Jubiläum gefeiert wurde, konnte keiner vor die Tür gehen, ohne mit dem Kerl zu konfrontieren", sagte Maddin, um dann zu hinterfragen, ob die Anbieter des "Schinderhannes-Steaks" die Wutz geklaut hätten. Angespielt aufs teure Papstmobil, meinte der Künstler, er kenne einen Gebrauchtwagenhändler, der einen 84er Toyota mit 380 000 Kilometern für 27 000 Euro anbietet. Dies sei das Fluchtfahrzeug vom Schinderhannes, als der aus dem Herrsteiner Turm flüchtete... Wolfgang Wehner begleitete seinen singenden Partner auf dem langen "Wääsch" (Weg) von "Allebach no Irar", sie begutachteten die Gemeinsamkeiten des Glitzerwammes-Mannes (Torero) mit einem Metzger, beschäftigten sich mit den vielen unsortierten Gebeten, die "owens" im Himmel ankommen ("Liewer Gott, ich will da ebbes saan") oder brachten ihre Version von "Griechischer Wein", eine Persiflage auf historische Rivalitäten der Stadtteile Idar und Oberstein dar. Ein Lied, dem der Endvierziger seinen "Reichtum" (Originalton Weller) und seinen Spitznamen zu verdanken hat, durfte natürlich nicht fehlen: "Hochwald-Cowboy". Das "Schlaachtfest" war gefeiert, so dass das besinnliche und instrumentale Stückchen "De Hierbstwald" fürs Träumen auf den Heimweg mitgegeben werden konnte. Arbeitskreis ist sehr zufrieden
"Mit dem 13. Kulturherbst, der jetzt zu Ende geht, sind wir mit 30 Prozent mehr Zuschauern sehr zufrieden, obwohl es eine unheimliche Anstrengung kostete", sagte der Sprecher des achtköpfigen Arbeitskreises, Karl Heinz Dahlke. Die Belastbarkeits-Grenze der kleinen Veranstaltungsgruppe sei vor allem bei den Großveranstaltungen überschritten worden. Im nächsten Jahr erhofft sich der Arbeitskreis etwas mehr Unterstützung durch die Verbandsgemeinde, die bisher nur das Notwendigste getan habe. Wenn jemand Lust hat, im Arbeitskreis mitzuwirken, ist er willkommen.