Hasta la Vista Windows XP!

Berlin/Hannover. (gms) Windows ist tot, es lebe Windows. Das bisher vorherrschende Betriebssystem "Windows XP" erhält einen Nachfolger: "Vista" darf mit dem Segen von Microsoft vom 30. Januar an die PCs dieser Welt erobern.

Millionen XP-Nutzer soll der Nachfolger von einem Wechsel überzeugen. Doch das dürfte schwer werden, denn es gibt kaum Gründe, die für einen schnellen Umstieg sprechen. Zum einen können sich XP-Nutzer viele Funktionen und Programme, die mit Vista ausgeliefert werden, jetzt schon kostenlos auf ihren Rechner laden. Dazu gehören zum Beispiel die "Desktopsuche", der "Internet Explorer 7" oder das Anti-Spyware-Programm "Windows Defender". Zum anderen verbergen sich bei der Markteinführung vieler Programme, und dazu zählen auch Betriebssysteme, viele Fehler, die erst nach und nach ausgebügelt werden. Je umfangreicher die Variante, desto teurer

"Umsteiger sollten zumindest ein paar Monate warten, bis die ersten Bugs beseitigt sind", rät Computerexperte Peter Knaak von der Stiftung Warentest in Berlin. Auch Axel Vahldiek von der in Hannover erscheinenden Computerzeitschrift "c't" fallen keine Gründe ein, die einen sofortigen Umstieg auf Vista rechtfertigen. Er betont jedoch, dass Microsoft viel für die Sicherheit seines neuen Systems getan hat. Die "Ultimate"- und die "Enterprise"-Version enthalten zum Beispiel die Möglichkeit, die Festplatte komplett zu verschlüsseln. Sind Anwender mit XP zufrieden, bräuchten sie aber noch nicht zu wechseln. Wer dennoch die Möglichkeit ins Auge fasst, auf seinen Rechner "Vista" aufzuspielen, sollte sich zunächst genau mit den verschiedenen "Vista"-Varianten beschäftigen. Denn schon bei "XP" haben die unterschiedlichen Versionen Vahldiek zufolge für viel Ärger bei den Kunden gesorgt: "Viele Anwender, die damals die Home Edition gekauft hatten, waren überrascht, dass bestimmte Funktionen fehlten." Deshalb muss man zum Beispiel wissen, dass "Home Basic" mit Preisen von 119 Euro für das Upgrade und 229 Euro für die Vollversion zwar das günstigste "Vista" ist, aber dafür auch nicht die neue Benutzeroberfläche namens "Aero" mitbringt. Vergleichbar mit der "Home Edition" von "Windows XP" ist dagegen "Vista Home Premium". Diese gibt es für 199 beziehungsweise 299 Euro. In "Home Premium" steckt "Aero", aber nicht die Festplattenverschlüsselung. Letztere erhalten die Käufer der "Ultimate"-Version. In "Ultimate" - der Name signalisiert es - steckt alles, was Vista zu bieten hat. Ultimativ ist daher auch der Preis von 329 beziehungsweise 499 Euro. Es wird von "Windows Vista" übrigens keine zusätzliche Media-Center-Edition geben. Die vor allem für Wohnzimmer-PCs gedachte und leicht zu bedienende Oberfläche ist stattdessen Bestandteil von "Home Premium" und "Ultimate". Außerdem gibt es noch eine Version für kleinere Unternehmen und Freiberufler namens "Vista Business". Sie schlägt mit 249 Euro fürs Upgrade und mit 369 Euro für die Vollversion zu Buche. Eine weitere Version namens "Vista Enterprise" richtet sich ausschließlich an größere Unternehmen. Alle Versionen lassen sich als so genannte Systembuilder-Variante günstiger erwerben. "Dafür muss man halt auf eine bunte Verpackung verzichten", erklärt Vahldiek. Die Systembuilder-Version von "Vista Home Premium" etwa kostet 119 Euro, "Ultimate" ist für 199 Euro zu haben. Einen Haken hat die Sache: Während alle anderen Versionen die 32- und die 64-Bit-Variante beinhalten, muss sich der Käufer der Systembuilder-Version für eines entscheiden. Wer ein Upgrade haben, also ein bereits vorhandenes Windows-System in Vista verwandeln möchte, brauche zumindest Windows 2000, sagt Microsoft-Produktmanagerin Vanessa Weihbrecht aus München. Laut Axel Vahldiek gibt es noch weitere Einschränkungen: "Um ,Vista' als Upgrade kaufen zu dürfen, braucht man mindestens Windows 2000 oder eben XP. Das heißt dann aber noch nicht, es auch als Upgrade installieren zu können." Notfalls muss trotz Upgrade-Lizenz neu installiert werden. Potenzielle Käufer sollten sich daher im Zweifelsfall, ausgehend von ihrer jeweils vorhandenen Version, noch einmal bei Microsoft über die Upgrade-Möglichkeiten informieren. Das Gleiche gilt für ältere Software, von der Anwender wünschen, dass sie auch unter "Vista" funktioniert. Laut Microsoft laufen alle Programme unter "Vista", die nicht vor 1995 entwickelt worden sind. Tests der "c't" haben aber gezeigt, dass zum Beispiel Microsofts Büroanwendung "Office 97" das nicht problemlos schafft. "Das meiste läuft aber", sagt Vahldiek. "Vista" passt nicht zu jeder Hardware

Eine weitere Ausnahme bilden manche 3D-Spiele. Weil bestimmte Grafikkarten-Treiber noch fehlen, laufen einige Titel am Anfang noch nicht unter "Vista". Allerdings ist davon auszugehen, dass die Grafikkarten-Hersteller schon bald entsprechende Treiber anbieten. Ohne Grafikkarte werden "Vista"-Käufer nicht viel Spaß an ihrem neuen System haben: Ein Modell mit 64 Megabyte (MB) Speicher ist das Minimum, sagt Vanessa Weihbrecht. Besser seien 128 MB. "Sonst muss notfalls mit der klassischen Ansicht gearbeitet werden." Ein Rechner, bei dem der Grafikchip in die Hauptplatine integriert ist - man spricht hier von einer On-board-Lösung - reicht dagegen nicht, um das "Aero"-Design darzustellen. Außerdem sollten mindestens 512 MB Arbeitsspeicher vorhanden sein. Wer sicher sein will, dass Hardware und "Vista" zusammenpassen, kauft sich am besten einen Rechner mit vorinstalliertem Betriebssystem. Das dürfte auch die günstigste Lösung sein. Und bis dahin kann man es mit Peter Knaak von der Stiftung Warentest halten: "Warum soll ich mir etwas Neues kaufen, wenn das alte noch gut läuft?"