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Haus in Hermeskeil soll Nationalpark-Jugendherberge werden

Neues Konzept, neue Kooperationen, neue Angebote : Haus in Hermeskeil soll Nationalpark-Jugendherberge werden

Stadt und Verbandsgemeinde Hermeskeil wollen ihre Jugendherberge fit für die Zukunft machen. Dafür planen sie eine stärkere Zusammenarbeit mit dem Nationalpark und der Gedenkstätte in Hinzert. Da das Haus aber zunächst modernisiert werden muss, soll das Land helfen.

Nicht nur die großen Hotels hat der Lockdown während der Corona-Krise hart getroffen. Auch Jugendherbergen waren monatelang geschlossen, Einnahmen brachen weg. In der Folge stehen in Rheinland-Pfalz sechs Häuser, die umfangreich saniert werden müssten, vor dem Aus – darunter Traben-Trarbach, Bollendorf und Idar-Oberstein (der TV berichtete).

In Hermeskeil soll es so weit gar nicht erst kommen. Dort haben sich die politischen Akteure von Stadt und Verbandsgemeinde (VG) auf den Weg gemacht, das Profil ihrer Einrichtung zu schärfen, um sie dauerhaft zu erhalten. Dazu soll sie als „Nationalpark-Jugendherberge“ anerkannt werden. Unterstützung dafür signalisierte jüngst auch der Kreistag Trier-Saarburg.


Die Pläne
VG-Chef Hartmut Heck (CDU) hatte dem Kreistag die Pläne für das Fachwerkhaus mit 112 Betten in der Hermeskeiler Stadtmitte vorgestellt. Durch die „einzigartige Lage“ in Nähe des Nationalparks Hunsrück-Hochwald ergäben sich „weitreichende Kooperationen“, etwa bei Angeboten zu Umweltbildung, Naturerfahrung und Nachhaltigkeit, erläuterte Heck. Vorhandene Natur-Erlebnisprogramme ließen sich problemlos erweitern. Der Jugendherberge einen neuen Markenkern zu geben, passe zudem zur Tourismusstrategie 2025 des Landes, ungenutzte touristische Potenziale auszuschöpfen.

Als zweite „tragende Säule“ nennt der VG-Chef die Gedenkarbeit. Die Jugendherberge könne Partner für „in- und ausländische Schul- und Jugendgruppen an einem Erinnerungsort mit europäischer Dimension“ sein, heißt es in einer ersten Konzeptskizze. Geplant ist eine engere Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte am ehemaligen SS-Sonderlager/KZ Hinzert und deren Betreiberin, der Landeszentrale für politische Bildung. Tagungsgäste in Hinzert könnten künftig in der Jugendherberge übernachten. Mehr grenzüberschreitende Jugendprogramme seien denkbar. „Und hochaktuelle Themen wie Extremismus und Rassismus könnte man auch abdecken“, sagt Heck. Der Hochwald habe zudem viel römische und keltische Geschichte sowie attraktive Freizeitanlagen zu bieten.

Die neuen Schwerpunkte wären ein „Alleinstellungsmerkmal“, ist der VG-Chef überzeugt. Die Idee einer Nationalpark-Jugendherberge verfolgten Stadt und VG schon seit 2017. Allerdings: „Ohne öffentliche Zuschüsse wird es schwierig.“ Denn laut Heck wurde die Jugendherberge zuletzt vor 25 Jahren umfassend saniert, was inzwischen deutliche Spuren zeige. Die Pläne fürs neue Konzept nun zu forcieren, befürwortet auch Stadtbürgermeisterin Lena Weber (SPD): „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, sich klar zum Standort Hermeskeil zu bekennen“, sagte sie im Kreistag. Landrat Günther Schartz regte an, das Kreisjugendhaus in Kell am See ebenfalls einzubeziehen.


Die Partner
Noch diese Woche will Heck die Pläne mit Jacob Geditz besprechen, dem Vorstandsvorsitzenden des Verbands der Jugendherbergen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Geditz sagt auf TV-Nachfrage, dass „Investitionen zur Modernisierung“ entscheidend für den Erhalt des Hermeskeiler Hauses seien. Konkrete Zahlen zum Investitionsbedarf nennt er auf Nachfrage nicht. Dass es auch in Idar-Oberstein politische Bemühungen für eine Nationalpark-Jugendherberge gibt, um das Haus dort vor dem Aus zu retten, sieht er nicht als Konkurrenz: „Starke Jugendherbergen bedeuten auch ein Stärkung des Nationalparks.“

Uwe Bader, Referatsleiter bei der Landeszentrale für Politische Bildung, spricht von „zahlreichen Synergieeffekten“ durch die angestrebte Kooperation. So könnten Wanderungen, Rundgänge oder Bustouren zur Gedenkstätte Hinzert koordiniert mit der Herbergsleitung organisiert werden. Durch Partnereinrichtungen in Luxemburg, Belgien, Frankreich und dem Saarland ergäben sich „neue Perspektiven für internationale Jugendbegegnungen“. Derzeit bereite das Land den Bau zweier neuer Gruppenräume vor, um künftig bis zu drei Gruppen gleichzeitig an der Gedenkstätte betreuen zu können. Da es aber häufig Anfragen für denselben Zeitraum gebe, könne die Jugendherberge zusätzlich als Gesprächsort dienen.


Reaktion aus Mainz
Auch das Land will Hartmut Heck mit im Boot haben. In Briefen hat er Ministerpräsidentin Malu Dreyer und mehrere Ministerien um Unterstützung gebeten. Erste Signale gibt es aus dem Umweltministerium. Ministerin Ulrike Höfken (Grüne) begrüßt laut einer Sprecherin ausdrücklich das Engagement, die Jugendherberge in Hermeskeil aufzuwerten. Hier seien bereits Kontakte zum Nationalparkamt geknüpft. Auch die Initiative aus Idar-Oberstein, sich als Partner des Nationalparks zu bewerben, werde unterstützt.

Mit einer Profilierung als Nationalpark-Jugendherberge werde laut Höfken „das Image und die Identifikation als große Nationalparkregion“ gestärkt und „der Umweltbildung eine weitere attraktive Basis geschaffen“. Bei einer Modernisierung der Gebäude könne die Landes-Energieagentur beraten. Das Ministerium selbst unterstütze etwa die Anlage von Lehr- und Bienengärten oder konkrete Umweltprojekte. Alle Förder-Optionen auszuloten, ist laut VG-Chef Heck der nächste wichtige Schritt. „Und natürlich feilen wir weiter an unserem Konzept.“